15 Jahre US-Krieg gegen den Terror: „Wir finanzieren Terroristen, wenn sie unseren Zwecken dienen"

Taliban-Kämpfer in Afghanistan.
Taliban-Kämpfer in Afghanistan.
Das Militär und der Sicherheitsapparat sahnen weiterhin im Rahmen des "Krieg gegen den Terror" ab. Diese Politik erhöht die Unsicherheit weltweit, argumentiert Karen Kwiatkowski, eine ehemalige Offizierin der US Air Force. Bald 15 Jahre nach dem Einmarsch in Afghanistan heißt das Prinzip: Je zahlreicher die Konflikte, desto größer der Markt für Waffen.

Vor wenigen Wochen starteten die Taliban erneut ihre Frühjahrsoffensive. Dabei kam es zu den tödlichsten Angriffen seit dem Jahr 2011 in Kabul. Der Kampf gegen die Taliban wird bereits seit 2001 geführt. Sogar das Gebäude, in dem sich kurz zuvor US-Außenminister John Kerry befand, wurde zum Ziel von Raketenangriffen.

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Trotz des jüngsten Blutbads in Kabul ist das amerikanische Außenministerium bereit, die Taliban in einen Friedensprozess einzubeziehen. Steht das nicht im Widerspruch zu dem angeblichen Grundsatz in Washington, nicht mit Terroristen zu verhandeln?

Einige der Taliban arbeiten tatsächlich in Afghanistan mit Daesh, also dem "Islamischen Staat" zusammen, es ist also buchstäblich und im übertragenen Sinne wahr. Die US-Regierung selbst verhält sich in vielerlei Hinsicht wie eine terroristische Organisation. Wenn wir sagen, dass wir nicht mit Terroristen verhandeln, ist das wirklich mehr Rhetorik für die Fernseh-Shows.

Im wirklichen Leben, bei echten Verhandlungen kommt es darauf nicht an. Wenn die Terroristen auf unserer Seite kämpfen, dann verhandeln wir nicht nur mit ihnen - wir unterstützen sie sogar. Also ich nehme ihnen dieses Argument nicht ab, dass es Teil der US-Außenpolitik wäre, nicht mit Terroristen zu verhandeln. Wir finanzieren Terroristen, wenn diese Terroristen unseren Zwecken dienen. Das wurde in den letzten 15 Jahren zumindest deutlich bewiesen.

Die Taliban haben offen versucht, einen Mordanschlag auf John Kerry zu verüben. Was sagt es über die Haltung der USA aus, dass er immer noch mit ihnen sprechen will?

Ich weiß, dass die Taliban vor kurzem versuchten, einen Anschlag auf John Kerry zu verüben, als er nach Kabul kam. Wenn sie sich ansehen, warum Kerry dort war: Er versuchte, die Probleme in einer von den USA eingesetzten und von den USA geförderten Regierung in Kabul zu lösen. Das ist keine echte Volksregierung. Sie wird nie akzeptiert werden. Es ist eine von außen aufgezwungene, künstliche Regierung und sie müht sich natürlich.

Die ganze Geschichte stinkt nach gescheiterter US-Außenpolitik, was die meisten Menschen in den USA auch erkennen. Was ich aber nicht verstehen kann ist, warum Ashton Carter, Kerry und Obama das nicht anerkennen. Die Menschen in diesem Land wissen, dass wir keine Ahnung haben, was wir in den meisten Ländern im Nahen Osten machen. Gewiss wissen wir nichts über Afghanistan, sicherlich nichts von Syrien und schon gar nichts vom Irak.

Sind sich die Taliban dieser Sitation bewusst? Das Zeichen, das von den aktuellen Angriffen ausgeht, heißt doch: „Nein danke, wir sind nicht interessiert!“

Ich denke, dass die Taliban sehr gut erklärt haben, was ihr Ziel war. Sie haben ein Interview veröffentlicht, in dem sie sagten: „Wir planen, den Feind zu zermürben. Wir werden es zu einem langen, steinigen Weg machen, das war er für uns ohnehin, dass wussten wir. Und wir werden die Amerikaner demoralisieren.“ Besonders die Amerikaner, weil es hauptsächlich die USA sind, die diese Regierung in Kabul unterstützen.

Also, die Taliban sind sich über ihre Ziele im Klaren. Sie planen, im Grunde, die Besatzer, die sie für die Besatzer halten, zu demoralisieren und im Laufe der Zeit zu besiegen. Genauso wollen sie die "Vichy-Regierung" in Kabul loswerden, die ihrer Ansicht nach gewiss keine legitime Regierung ist.

Warum versteht die US-Regierung dann nicht, dass ihre Politik kontraproduktiv ist, um die Probleme in Afghanistan zu lösen?

Offensichtlich hat man in Washington kein wirkliches Verständnis für die Probleme, weder für die Grundsituation noch für die politische Situation in Afghanistan. Sie begreifen auch nicht, was überhaupt funktionieren könnte. Die Lösung der US-Regierung besteht darin, dass wir eine Regierung einsetzen, die uns gegenüber loyal ist und eine Pseudodemokratie organisiert. Sie arbeitet oberflächlich betrachtet auf demokratische Weise. Aber alles bleibt, wie gehabt. Das ist völlig verrückt.

Ich kann Ihnen einige Gründe nennen, warum ich denke, dass sie daran festhalten. Ich denke, Sie kennen diese Gründe. Es wird Geld verdient. Verteidigungsminister Carter will, dass mehr Truppen nach Afghanistan verschoben werden. Er will mehr Truppen im Irak, er will mehr Truppen in Syrien. Er will vor allem ein größeres Budget, um dem Terrorismus, wie den Taliban, entgegenzutreten. Der Beamtenapperat in Washington profitiert von den anhaltenden Problemen rund um die Welt. Sie rechtfertigen damit ihre Budgets. Sie rechtfertigen damit ihre Projekte.

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Wir verkaufen Waffen an fast jedes Land auf dem Planeten. Je mehr Konflikte, je mehr Unsicherheit - desto größer der Markt für Waffen. Und ganz sicher: Ich glaube nicht, dass es im Interesse der US-Regierung liegt, die Opiumernte zu reduzieren, die jedes Jahr aus Afghanistan kommt. Das Geld aus dem Verkauf von Drogen, aus dem Verkauf von Opiaten, insbesondere aus diesem Teil der Welt, wird schließlich gewaschen, fließt in das System und wird legalisiert. Es gibt viele Regierungen auf dem Planeten, einschließlich die der USA, die von diesen Einnahmen profitieren, sobald sie erstmal gewaschen sind.

Was sie tun, ist folgendes: Sie sahnen für die verschiedenen Washingtoner Beamtenapparate weiter ab und das erhöht die Unsicherheit rund um die Welt ... Im Grunde ist das für die USA sehr von Nutzen. Das war die Politik der letzten 15 Jahre. Sie basiert darauf, was wir in Afghanistan getan haben: Menschen sind reich geworden, Unternehmen haben eine Menge Geld gemacht, das Budget des Pentagons war nie größer und es gibt im Kongress keine Fragen. Der Kongress billigt jede Budget-Anfrage, die er erhält. Dies sind staatliche Leistungen und natürlich werden die Kosten von den Menschen in Afghanistan bezahlt und von den Menschen auf der ganzen Welt, die als Folge der Unsicherheit unter unserer Politik leiden. Ich will hier niemanden verurteilen, aber so sehe ich das.

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