"Der Spion im CENTCOM" - Wie Russland den Irak mit detaillierten US-Invasionsplänen versorgte

"Der Spion im CENTCOM" - Wie Russland  den Irak mit detaillierten US-Invasionsplänen versorgte
Die Sowjetunion pflegte über Jahrzehnte hinweg enge Beziehungen zum Irak unter der Herrschaft der Baath-Partei. Diese überdauerten auch deren Ende und die Russische Föderation blieb Saddam Hussein so weit verbunden, dass sie diesen bis zuletzt mit Geheimdienstinformationen über den bevorstehenden US-amerikanischen Angriff versorgte. Wie jetzt bekannt wurde, waren diese Informationen sehr detailliert, da Moskau eine Quelle direkt im Kommandostab des US-Militärs hatte.

Russland war traditionell einer der tatkräftigsten Förderer des Iraks, seit die Monarchie im Land 1950 gestürzt wurde. Frühzeitig machten die Baath-Partei, die nationalistischen Panarabismus und revolutionären Säkularismus mit den Elementen eines arabischen Sozialismus verbindet, und deren Machthaber Saddam Hussein die Sowjetunion zu einem ihrer engsten Alliierten. Später diversifizierte Bagdad seine Beziehungen nach Europa, als Saddam auch westliche Länder zu Verbündeten machte, doch Moskau blieb weiterhin ein enger Partner.

Bevor es schließlich 2003 zur US-amerikanischen Invasion im Irak kam, glaubte Saddam Hussein, der russische Präsident Wladimir Putin könnte das westliche Unterfangen stoppen. Dieser Fall trat nicht ein. Moskau versorgte Bagdad jedoch mit Geheimdienstinformationen über den drohenden US-amerikanischen Einmarsch im ölreichen Staat.

Noch kurz vor Beginn des militärischen Angriffs soll der russische Botschafter im Irak der Baath-Regierung Details hinsichtlich der Interventionspläne der Bush-Administration zugespielt haben. Ein auf den 5. März 2003 datiertes irakisches Dokument, welches von US-Truppen sichergestellt worden sein soll, sagt aus, der russische Botschafter habe Informationen über US-Truppenverlegungen, die Bewaffnung der Truppen und ihre Position der Saddam-Regierung zur Verfügung gestellt.

Eine andere gefundene Datei, die auf den 25. März 2003 datiert ist, gibt Auskunft darüber, dass der russische Diplomat konkrete Invasionspläne der USA an Bagdad weiterleitete. Das Dokument sagt aus, die Koalition würde ihren Hauptangriff via Basra starten und von dort aus weiter über den Euphrat nach Bagdad vorstoßen. Weitere Informationen wiesen auf US-Militärbewegungen aus dem Norden über die Türkei hin.

In diesem Zusammenhang gibt es Hinweise darauf, dass Moskau einen hochrangigen Spion im Zentralkommando der Vereinigten Staaten, CENTCOM, in Katar, unterhielt, der Russland mit Informationen aus erster Hand versorgt haben soll.

Die Geheimdienstinformationen hatten zwar keinen erkennbaren Einfluss auf den Ausgang der Invasion gegen das irakische Volk, aber sie deuteten klar auf die engen Beziehungen zwischen Moskau und Bagdad hin.

Saddam Hussein soll in der Tat fest daran geglaubt haben, Moskau würde die US-Invasion im Land stoppen. Er war davon überzeugt, Russland werde den Angriff über sein Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat blockieren. Dabei stützte er sich auf zahlreiche Beweise, heißt es vonseiten des Analysten-Blogs „Musings of Iraq“.

Noch im Herbst 2002 hatte Russland insistiert, dass Diplomatie als Mittel im Umgang mit Irak genutzt werden sollte und nicht der Waffeneinsatz. Am 4. Oktober 2002 schrieb der russische Botschafter im Irak der Regierung in Bagdad einen Brief, in dem er versprach, dass sein Land sich gegen einen Krieg der USA stellen werde. Anfang 2003 rief der russische Präsident Wladimir Putin den US-Präsidenten George Bush an, um ihn von einer Abkehr von einem militärischen Vorgehen gegen den Irak zu überzeugen.

Im darauffolgenden März sagte der russische Botschafter der irakischen Regierung, Moskau habe gemeinsam mit Frankreich und Deutschland bei den Vereinten Nationen Initiativen vorangetrieben, um die USA und Großbritannien davon abzuhalten, einen Krieg zu autorisieren.

Letztlich sollten sich jedoch die Falken in Washington und London durchsetzen. Moskau jedoch bewies, dass es bereit war, seine Beziehungen zur irakischen Regierung bis zuletzt aufrechtzuerhalten.

Seit der damalige irakische Präsident Ahmet el-Bakr 1972 einen Freundschaftsvertrag mit Moskau unterschrieben hatte, waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern konstruktiv und in zahlreichen Arbeitsfeldern sehr umfassend. Moskau entwickelte sich später zum größten Rüstungsversorger der irakischen Armee. Entscheidende Hilfen kamen selbst zu Zeiten des Iran-Irak-Krieges.