UN-Botschafter Tschurkin an Vereinte Nationen: Türkei ist Drehscheibe für IS-Beutekunst

Eine der Münzen, die der IS über die Türkei schmuggelt
Eine der Münzen, die der IS über die Türkei schmuggelt
Die türkische Stadt Gaziantep wird vom IS als Handelszentrum genutzt, um Teile des Kulturerbes, die die Terrormiliz aus Syrien und dem Irak gestohlen hat, zu verkaufen. In einem offiziellen Brief des russischen UN-Gesandten Vitali Tschurkin an die Vereinten Nationen wird erläutert, wie die Wertgegenstände transportiert und verkauft werden.

"Antiquitäten aus Syrien und dem Irak werden von den Extremisten vor allem über türkisches Territorium exportiert. Das wichtigste Zentrum für den Schmuggel von Kulturerbe-Gegenständen ist die türkischen Stadt Gaziantep, wo die gestohlenen Waren in illegalen Auktionen angeboten, und dann über ein Netz von Antiquariaten und auf dem lokalen Markt, Bakırcılar Carsisi (Eski Saray Straße, Sekeroglu Bezirk) verkauft werden", heißt es in dem Brief, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Laut Tschurkin sind derzeit etwa 100.000 kulturelle Stätten von globaler Bedeutung unter der Kontrolle des IS. Die Zahl schließt 4.500 archäologische Stätten ein, von denen neun auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO stehen. Der russische Gesandte sagte auch, dass sich die Gewinne aus dem illegalen Handel mit Antiquitäten und archäologischen Wertgegenständen durch die Islamisten auf etwa 150 bis 200 Millionen Dollar pro Jahr beliefen.

Darüber hinaus gab Tschurkin an, der Islamische Staat hätte sogar eine Spezialeinheit für Antiquitäten. Diese sei unter der Leitung von Kommandant Abu Sayyaf al-Iraqi, und Teil des so genannten "Ministeriums für Naturressourcen", das auch die Öl-Operationen kontrolliere und durch die „Regierung“ der Terrorgruppe gegründet wurde.

Dem russischen Gesandten nach, entstanden entlang der türkisch-syrischen Grenze neue Schmuggel-Zentren, wobei die "Sperrgüter" von den türkischen Transportunternehmen transportiert würden, die Tschurkin nannte.

"Geschmuggelte Artefakte (Schmuck, Münzen, etc.), kommen dann in den türkischen Städten Izmir, Mersin und Antalya an, wo Vertreter internationaler krimineller Gruppen Dokumente über die Herkunft der Antiquitäten fälschen."

Die Verkäufe dieser Gegenstände werden laut dem Brief an den UN-Sicherheitsrat in der Regel über Online-Auktionen wie eBay und diverse spezialisierte Online-Shops wie vauctions.com, ancients.info, vcoins.com, trocadero.com and auctionata.com durchgeführt.

Der Diplomat wies darauf hin, dass die Schmuggler die Identität und Position des realen Verkäufers technisch verschleierten. Sie nutzen unter anderem IP-Spoofing (dabei werden Pakete mit manipulierter Absender-IP-Adresse verschickt).

Vor weniger als einer Woche hatte RT Beweise erhalten, die Aufschluss über den Antiquitäten-Schwarzmarkt der Dschihadisten und die Transitrouten über die Türkei geben.

Informationen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zufolge, die sie an die RT Documentary Crew übergaben, fragten IS-Kämpfer türkische Grenzbeamte um Erlaubnis, einen türkischen Antiquitätenhändler nach Syrien einreisen zu lassen. In dem Brief hieß es: „Dem für die Grenzüberwachung zuständigen Bruder: Hiermit bitte ich, unserem Bruder, Hussein Hania Sarira, und seinem Gefährten, einem Kunsthändler aus der Türkei, freies Geleit zu geben, damit er mit unserer Abteilung für Artefakte am Ministerium für Bodenschätze zusammenarbeitet. Möge Allah euch segnen! Der euch liebende Bruder Abu Uafa At-Tunisi“

Auch während des Filmens in der Stadt Shaddadi in der syrischen Provinz Hasaka, stießen RT-Reporter auf archäologische Stücke und Fragmente verschiedener Keramiktöpfe. Sie wurden, nachdem Shaddadi im Februar 2016 befreit wurde, von YPG Truppen in einem verlassenen Tunnel entdeckt, den IS-Kämpfer zur Flucht nutzten.