Bergkarabach: Analysten warnen vor Ausweitung des Konfliktes zu "richtigem Krieg"

Bergkarabach: Analysten warnen vor Ausweitung des Konfliktes zu "richtigem Krieg"
Aserbaidschan hat Bedingungen für einen Waffenstillstand in der umkämpften Bergkarabach-Region aufgestellt. Armenien müsse sich vollständig aus den „okkupierten Territorien“ zurückziehen. Im Gegenzug erklärte die armenische Regierung, dass sie die Bergkarabach-Region als souverän anerkennen wolle, wenn die Lage vor Ort militärisch weiter eskalieren sollte. Der russische Präsident Wladimir Putin rief beide Seiten zur Einstellung der Kampfhandlungen auf.

„In Übereinstimmung mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates muss sich Armenien aus den besetzten Territorien zurückziehen und die territoriale Integrität sowie Souveränität der Republik Aserbaidschan international anerkennen“, sagte der Pressesprecher des aserbaidschanischen Außenministeriums, Hikmet Hadschijew, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti.

In Bezug auf die aktuelle Situation entlang der Demarkationslinie in Bergkarabach hatte Aserbaidschans Außenminister Elmar Mammadyarov eine Reihe internationaler Organisationen kontaktiert, bemerkte Hadschijew. Dabei wurden Schreiben an die Vereinten Nationen, NATO-Staatschefs und die Europäische Union übermittelt. Demnach informierte Baku über „den ständigen Beschuss bewohnter Gebiete und den Tod von Zivilisten durch die armenische Armee“.

Laut dem Sprecher des Außenministeriums ist der Standpunkt Bakus ein „friedlicher“, da es Armenien sei, welches anhaltend aserbaidschanische Positionen militärisch ins Visier nehme.

Am Montag gab das Verteidigungsministerium Aserbaidschans bekannt, dass die armenische Seite intensive Bombenangriffe durchgeführt habe:

„Am Morgen sind bei Kämpfen drei aserbaidschanische Soldaten getötet worden. Das Ministerium bemerkte aber auch, dass die armenische Seite große Verluste hinnehmen musste, exakte Zahlen wurden jedoch nicht ausgegeben“, informierte der Leiter der russischen Nachrichtenagentur Sputnik in Aserbaidschan, Aziz Alijew, gegenüber RT.

Er fügte hinzu, dass laut militärischen Quellen Jerewan im Konflikt großkalibrige Waffen, einschließlich Granatwerfer und Mörser, verwende.

Unterdessen veröffentlichte Baku mutmaßliches Drohnen-Videomaterial, das dokumentieren soll, wie die aserbaidschanische Armee mit einem Präzisionsschlag einen Befehlsstand der armenischen Armee in Karabach ausschaltet.

Das armenische Verteidigungsministerium reagierte daraufhin mit der Drohung, dass es einen „angemessenen Gegenschlag“ durchführen würde, wenn Aserbaidschan weiterhin armenische Stellungen in Karabach ins Visier nähme.

Auch der armenische Präsident Sersch Sargsjan schaltete sich ein. Er warnte, dass Jerewan die Unabhängigkeit der Region akzeptieren werde, sollten die militärischen Aktivitäten in der Region eskalieren. Zudem versprach er, dass Armenien seinen Landsleuten in Karabach unter allen Umständen beistehen werde:

„Ich habe das Außenministerium angewiesen, einen militärischen Kooperationsplan mit Karabach auszuarbeiten.“

Im Gespräch mit dem Vertreter der OSZE in Jerewan sagte der Präsident Armeniens, dass der Konflikt „nicht nur die Sicherheit und die Stabilität des Südkaukasus, sondern auch die der gesamten europäischen Region bedroht“.

Baku werde trotz allem die Friedensgespräche fortführen, erklärte der politische Analyst an der Universität Baku-West und ehemalige Diplomat, Fikret Sadikow, im Interview mit RT. Er betonte, Baku sei in diesem Konflikt kein Aggressor. Er drückte seine Hoffnung aus, dass der Konflikt mithilfe der internationalen Gemeinschaft nicht in einen „richtigen Krieg“ ausarte.

Bei den jüngsten Zusammenstößen zwischen Armenien und Aserbaidschan in Karabach starben nach UN-Angaben mindestens 33 Menschen, weitere 200 wurden verletzt. Andere Institutionen geben weit höhere Zahlen an.

Unter diesem Eindruck haben zahlreiche Staaten die verfeindeten Südkaukasusrepubliken dazu aufgefordert, die militärischen Feindseligkeiten einzustellen. Das russische Außen- und Verteidigungsministerium kontaktierte sowohl Jerewan als auch Baku. Moskau drückte seine Besorgnis über eine mögliche Eskalation der Kämpfe aus. Präsident Putin forderte beide Seiten des Konflikts auf, die Verletzung des Waffenstillstands einzustellen, teilte der russische Außenminister, Sergej Lawrow, am Montag mit.

Die dritte Südkaukasusrepublik, Georgien, bot sich als Mediator an, um zwischen Baku und Jerewan über Karabach zu vermitteln, gab der Generalstab in Tiflis bekannt. Georgien gehört zu den wenigen Staaten der Region, die gute Beziehungen zu beiden Konfliktseiten unterhalten.