Internationale Reaktionen auf neue Beweise von RT für Ankaras Zusammenarbeit mit IS-Terroristen

Internationale Reaktionen auf neue Beweise von RT für Ankaras Zusammenarbeit mit IS-Terroristen
RT hat ein Geständnis eines gefangenen IS-Kämpfers über Kontakte der Terrormiliz zur Türkei veröffentlicht und Nahost-Experten, Politiker und Vertreter internationaler Menschenrechtsorganisationen gebeten, das von Mitgliedern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG zugespielte Video zu kommentieren.     

Der französische Parlamentarier Nicolas Dhuicq meint, dass der illegale Handel von Mittelsmännern abgewickelt werde. Dabei weise die Rhetorik des türkischen Präsidenten Erdoğan darauf hin, dass Ankara eigene Ziele an der Grenze zu Syrien verfolge.  

„Vielleicht macht das nicht die Türkei selbst, sondern über Händler und Mittelsmänner in der Türkei. Der Handel erfolgt auf demselben Weg und über dieselben Grenzen, über die Rohöl in die Türkei geliefert wird. Der IS braucht Geld und bekommt es unter anderem aus dem Sklavenhandel und aus der Plünderung von antiken Stätten. Niemand liest Erdoğans Reden, niemand schert sich darum, dass Erdoğan selbst ein Islamist ist und das Osmanische Reich wiederherstellen will, indem er vorhat, türkischsprachige Bevölkerung im Norden Syriens anzusiedeln und somit die Grenzen zu Syrien zu öffnen“, sagt Dhuicq. 

Der Britische Historiker und Journalist Alexander Darwish erklärt seinerseits, dass informierte Experten über die Enthüllungen der RT-Journalisten nicht überrascht seien:

„Diese Fakten sind zwar schockierend, aber nicht überraschend. Erstens stellt sich schon seit langem die Frage, wie IS-Terroristen Waffen und Tausende, wenn nicht Hunderttausende, Toyota-Wagen bekommen, wer sie gekauft hat und wie sie in den Irak und nach Syrien gelangt sind? Zweitens tauchen auf dem Schwarzmarkt immer wieder wertvolle Artefakte auf. Dabei gelangen sie dorthin sicherlich nicht über Syrien, über den Irak oder Jordanien. Drittens haben Satellitenaufnahmen des russischen Verteidigungsministeriums auf den Erdölschmuggel in die Türkei hingewiesen.“

Darwish glaubt, dass Europa die offensichtliche Verbindung zwischen Ankara und dem IS nicht zugebe, weil die Regierung Erdoğan Brüssel in der Flüchtlingsfrage unter Druck setze. „Die EU-Leitung braucht Ankara, weil es gezeigt hat, dass es den Flüchtlingsstrom nach Europa sozusagen ʻaus-ʼ und ʻeinschaltenʼ kann.“ Die Türkei werde diese Beweise nicht anerkennen, bis man sie in flagranti ertappen werde, resümiert der Experte.

Der italienische EU-Abgeordnete Fabio Castaldo ist der Meinung, dass die Türkei zumindest die fehlende Kontrolle über die Grenze zu Syrien erklären müsse.  

„Die Türkei muss zumindest die fehlende Grenzkontrolle erklären. Das betrifft vor allem die Grenze zum Land, wo der Bürgerkrieg tobt… Sie müssen nun plausibel erklären, wie das überhaupt möglich ist. Sie müssen auch Verbindungen zwischen Antiquitätenhändlern und dem IS kommentieren, die Artefakte verkaufen, die eigentlich dem Kulturerbe Syriens gehören“, so der EU-Parlamentarier gegenüber RT. Wenn es um einen „Fehler“ gehe, so sei das nicht der einzige. 

„Wir haben gesehen, dass die Regierung Erdoğan sich nicht besonders bemüht, den IS zu bekämpfen. In der Tat bombardiert und beschießt sie die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die aktiv gegen die Terroristen vorgehen“, betont Castaldo. Die neuen Enthüllungen sollten eine internationale Ermittlung wegen der Beteiligung der Türkei an terroristischen Aktivitäten thematisieren, resümiert der Politiker.     

Der US-Oberst a.D. Douglas MacGregor behauptet, dass die Administration Barack Obama jede Verbindung zwischen der Türkei und dem IS bestreiten werde, um einen öffentlichen Interessenkonflikt in der NATO zu vermeiden und sich nicht mit ihren Verbündeten auf der Arabischen Halbinsel zu streiten:  

„Die Obama-Administration verschweigt das bewusst, weil die US-Führung und ihre Verbündeten in London und Paris nicht öffentlich zugeben möchten, dass Erdoğan und seine Regierung die Bemühungen des Wesens aktiv untergraben. Erdoğan und seine Unterstützer in Riad und Doha waren nicht nur an der Rekrutierung für den IS und an seiner finanziellen Unterstützung beteiligt. Sie haben die Auswanderung der Sunniten nach Europa gefördert, um den Kontinent zu islamisieren.“

Profesionelle Buchhaltung: Jedes verkaufte Barrel Öl wurde vom IS sorgsam protokolliert

Der britische EU-Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Partei für die Unabhängigkeit des Vereinigten Königreichs (UKIP), Paul Nuttall, erklärt, dass die neuen RT-Enthüllungen die Unmöglichkeit eines Beitritts der Türkei zur EU an den Tag legen.   

„Das unerklärliche Verhalten der Türkei erregt immer mehr Sorgen. Der Handel des IS mit Raubkunst und Altertümern ist nicht der erste Fall der Nicht-Einmischung Ankaras in die wirtschaftlichen Aktivitäten der Terroristen. Diese Vorwürfe sind sehr ernst, und die Türkei muss darauf antworten. Das ist ein weiterer Nagel zum Sarg des EU-Beitrittes der Türkei, von dem David Cameron so schwärmt. Wir müssen die vernünftige Entscheidung treffen, die Europäische Union zu verlassen, solange wir noch diese Möglichkeit haben“, stellt der britische Politiker fest.  

 Die internationalen Menschenrechtsorganisationen „Amnesty International“ und „Human Rights Watch“ wollten die RT-Enthüllungen offiziell nicht kommentieren, indem sie sich auf ihr Unwissen in dieser Sache beriefen. „Wir können diese Frage nicht kommentieren, weil wir sie nicht untersucht haben“, hieß es in AI. „Leider verfügt unser Experte über keine zusätzlichen Informationen zu diesem Thema und kann keinen Kommentar geben“, verlautete es von HRW.