Experten zu RT: Anschläge in Brüssel sollen Europa lahmlegen

Experten zu RT: Anschläge in Brüssel sollen Europa lahmlegen
Gestern wurde Europa erneut durch Terrorangriffe erschüttert. Der Islamische Staat hat die Anschläge in Brüssel schon für sich reklamiert. Die Experten diskutieren Ursachen und Motive der Attentate.

Der Politik-Analyst John Wight glaubt, dass die Anschlagsserie in Brüssel zu erwarten war.

„Ich glaube, die Anschlagsserie in Brüssel überraschte diejenigen nicht, die den Lauf der letzten Ereignisse verfolgten. Sie ist auf die Verhaftung von Salah Abdeslam zurückzuführen, der vermutlich hinter den Mordanschlägen in Paris steckt. Mehr Besorgnis erregt der aktuelle Bericht des französischen Innenministeriums: Demzufolge laufen jetzt in Europa etwa 90 potenzielle Selbstmordattentäter herum. In diesem Kontext sind diese Attentate kein Wunder. Die Menschen sind jedoch sehr darüber beunruhigt, dass es in der Zukunft zu neuen Anschlägen kommen kann. Wir haben zwar noch keinen Beweis, dass die Bomben von Selbstmordattentäter gesprengt wurden, dafür sprechen aber alle Anzeichen“.

John Wight warnte vor vorschnellen Reaktionen, die Angriffe mit der Migrationskrise zu verknüpfen.

„Wir wissen, dass alle Terroranschläge, die sich jeweils in Europa ereigneten, mag es Frankreich 2015 oder Großbritannien noch zuvor gewesen sein, von den eigenen Bürger verübt wurden. Man sollte sich von reflexhaften Reaktionen fernhalten, die Schuld an den Anschlägen mit der Migrationskrise zu verknüpfen. Manche, die gegen die Aufnahme der Flüchtlinge plädieren, und insbesondere diejenigen, die solche Erklärungen in böser Absicht verbreiten, werden versuchen, diese Vorfälle zu instrumentalisieren“, meint Wight.

Er äußerte sich auch über den Zweck und die Gründe für die Attentate.

„Mit den Explosionen wollen die Terroristen Europa lahmlegen und es einschüchtern. Außerdem, glaube ich, wollten sie auf den Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak einwirken, bei dem die europäischen Staaten mitmachen. Offensichtlich hängt die Ursache mit Verlusten der Terrorgruppe zusammen. Der IS hat wohl diesen Gegenschlag seit Langem vorbereitet, um dem Druck aus dem Westen zu widerstehen. Diese Aktion kündigt eine nahe Niederlage der Terroristen in Syrien und im Irak an."

John Wight über weitere Entwicklungen:

„Die Angriffe werden die Fähigkeiten der EU-Sicherheits- und Verkehrssysteme verbessern, dass sie fehlerlos laufen. Zum Ziel wurde Belgien gewählt, wo viele Terrorgruppen sehr aktiv sind. Wie lange wurden die Anschläge vorbereitet? Um wie vielen Terrorgruppierungen handelt es sich? In Betracht ziehen muss man auch den in der New York Times veröffentlichten Bericht des französischen Innenministeriums, der über 90 potentielle Terroristen in der EU informiert. Diese Tatsachen werden die europäischen Regierungen für wichtig halten. In naher Zukunft werden sie sich zu EU-Sondertreffen versammeln und zur Verstärkung der Sicherheit entscheiden.“

Die ehemalige Nachrichtenoffizierin des britischen Geheimdienstes MI5 Annie Machon glaubt, dass die strengsten Sicherheitsmaßnahmen nicht dabei helfen, die Gefahr neuer Anschläge total zu bannen.

„Seitdem es im November 2015 zu den Anschlägen in Paris gekommen war, wurde die Sicherheit in Brüssel verstärkt. Offiziere und Soldaten sorgen für die Ordnung auf den Straßen. Im Flughafen, wo ich oft abfliege, gibt es auch viel Militär, dessen Anwesenheit sehr stark bemerkbar ist. Ein Selbstmordattentäter kann jedoch nicht gestoppt werden, wenn er dahin gelangen will. Unseren Ministerpräsidenten steht eine interessante Diskussion bevor: Wie soll man die Terrorgefahr bekämpfen? Noch mehr auf die Sicherheit achten oder sich für einen radikal neuen Weg entscheiden? Es ist unmöglich, das Risiko total loszuwerden. Man kann Maßnahmen treffen, um neuen Terroranschlägen vorzubeugen, dies wurde von den belgischen Fahndern aber schon betrieben“.

Machon betont auch, dass die Attentate eine Reaktion auf die Verhaftung von Salah Abdeslam sind, der die Pariser Angriffe im November 2015 geplant hatte.

„In diesen Tagen hat man Salah Abdeslam festgenommen, der unter Verdacht wegen der Pariser Anschläge steht und die meist gesuchte Person in Europa ist. Ich habe den Eindruck, dass die Terroristen sich mit den Explosionen in Brüssel für seine Verhaftung und für den Tod seiner Komplizen rächen wollten. Man mag einen Ausnahmezustand nun in Belgien, wie in Frankreich zuvor, verhängen, und dabei einige bürgerliche Freiheiten einschränken. Wenn wir die Ursachen bedenken, die uns zu diesen Vorfällen gebracht haben, muss man sich an die Einmischung des Westens in die Angelegenheiten im Nahen Osten erinnern“.