Rüstung: Die Kartographie des Krieges

Am Anfang der aktuellen Aufrüstung am Persischen Golf: Soldat der U.S. Army auf einem Humvee-Jeep mit aufmontierten Maschinengeweher, Irak, Rumaila, März 2003.
Am Anfang der aktuellen Aufrüstung am Persischen Golf: Soldat der U.S. Army auf einem Humvee-Jeep mit aufmontierten Maschinengeweher, Irak, Rumaila, März 2003.
Laut dem neuen internationalen Rüstungsbericht des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) dominieren die USA und EU-Staaten den internationalen Waffenhandel mit zusammen mindestens 56 Prozent. Dem folgen als wichtigste Exporteure Russland und China. Die Ukraine erhöhte massiv ihre Waffenverkäufe. Die größten Abnehmer sind kriegführende Länder: Saudi-Arabien und die Golfstaaten. Deutsche Firmen verkauften Waffen vor allem an die USA, Israel und Griechenland.

Das international anerkannte Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) veröffentlichte am Wochenende seinen diesjährigen Rüstungsbericht. Demnach hat sich das Volumen des internationalen Waffenhandels gegenüber dem Zeitraum 2006 bis 2010 erneut massiv erhöht. Die aktuelle Aufrüstungsspirale setzte ab Jahr 2003 ein. Während Lateinamerika und die europäischen Länder als Käufer inzwischen weniger eine Rolle spielen, erhöhten sich die Exporte in den Nahen und Mittleren Osten, nach Afrika und Asien.

Großbritannien liefert Saudi-Arabien nicht nur Waffen sondern auch Militärberater zum treffsicheren Bombardieren in Jemen

Weil das Niveau der Rüstungsaufträge durch einzelne, sehr hohe Vertragsabschlüsse im Jahresmittel erheblich schwanken kann, erheben die SIPRI-Wissenschaftler immer Zeiträume von fünf Jahren. Der größte Waffenexporteur im zurückliegenden Zeitraum 2010 bis 2015 waren erneut mit großem Abstand die USA. Aus diesem Land stammt ein Drittel der global gehandelten Waffen. Auf Platz zwei finden sich die Firmen aus der Russischen Föderation mit immerhin 25 Prozent. Summiert man die aufgeführten Staaten der Europäischen Union, liegen sie mit 23 Prozent an den weltweit gehandelten Waffen fast gleichauf mit Russland.

Gegenüber der zweiten Hälfte der 2000er Jahre legten die Waffenverkäufe aus den USA außerordentlich stark zu, nämlich um 27 Prozent. Zudem weiteten die USA die Zahl der Abnehmer massiv aus: Firmen aus den USA verkauften Waffen in insgesamt 96 Staaten. Fast 20 Prozent aller exportierten US-Waffensysteme gingen nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate, also Länder, die sich aktuell in einem offenen Krieg im Jemen befinden und verdeckte Kriegshandlungen in Syrien unterstützen. Insgesamt nahmen Staaten aus der Krisenregion Mittlerer Osten gut 41 Prozent aller US-Waffen ab. Den finanziell größten Posten machten Kriegsflugzeuge aus.

In Europa nahmen hauptsächlich die Exporte aus Spanien, Italien und Großbritannien zu. Die Waffenexporte aus Deutschland und Frankreich gingen hingegen deutlich zurück. Der größte Einzelposten ging auch aus Frankreich in den Krisengürtel: Ägypten und Katar kaufen jeweils 24 Rafaele-Kampfflugzeuge. Die Waffenverkäufe aus Deutschland gingen am stärksten zurück, nämlich um 51 Prozent. Zudem gehen deutsche Waffen mit fast einem Drittel zumeist in andere europäische Länder. Immerhin ein Viertel ihrer Exporte lieferten jedoch auch deutsche Rüstungsfirmen in Arabische Staaten.

Diese Waffen und Dienstleistungen stellen Firmen und Miltärs aus den USA dem saudischen Königreich aktuell zur Verfügung.

Während früher der Kauf von Waffen vor allem als probates Mittel galt, die Mittel der Steuerzahler in private Taschen umzulenken, zeichnet sich inzwischen eine recht genaue Kriegsgeographie unter den Abnehmerländern ab. So nahmen afrikanische Staaten knapp ein Fünftel mehr Waffen ab als im vorherigen Zeitraum. Größtenteils ging das Kriegsmaterial in die Subsahara-Region, nach Sudan, Nigeria und Uganda. Da die SIPRI-Statistik sich am Kaufwert orientiert, wirken diese Abnehmerländer auf den ersten Blick klein. Sie nehmen hauptsächlich Kleinwaffen und gebrauchte Flugzeuge ab.

Bezeichnend ist, dass die einzige Region, die einen steigenden Anteil am weltweiten Waffenhandel zu verzeichnen hat, der Nahe und Mittlere Osten ist. Verglichen mit der Zeit bis 2010 legten die Waffenkäufe im Mittleren Osten noch einmal um 61 Prozent zu. Schaut man sich die Daten allerdings im Detail an, geht diese Zahl fast ausschließlich auf Saudi-Arabien und die Golfstaaten zurück. Diese Länder betreiben seit dem Jahr 2004 eine beispiellose Aufrüstung. Während das Kriegsgerät dort jedoch früher einfach verrottete, wird es heute in den eskalierenden Konflikten in Jemen, Libyen, Syrien und dem Irak eingesetzt.

Das SIPRI kommt zu dem klaren Ergebnis, dass der Krieg einer internationalen Koalition gegen den Jemen erst durch die massiven Waffenkäufe der Nachbarstaaten ermöglicht wurde. So habe etwa Saudi-Arabien seine Waffenkäufe gegenüber der zweiten Hälfte der 2000er Jahre fast verdreifacht. Ungeachtet der Kriegshandlungen gehen die internationalen Waffenverkäufe an die Ölmonarchie weiter. Die USA, Großbritannien, Kanada und Belgien rüsten das sunnitische Extremistenregime immer weiter auf.