Russlands UN-Botschafter: "Türkei bildet Terroristen zum Einschleusen nach Russland aus"

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin spricht vor dem UN-Sicherheitsrat.
Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin spricht vor dem UN-Sicherheitsrat.
„Laut vorhandenen Informationen haben IS-Kämpfer mit Beihilfe der türkischen Geheimdienste in der Stadt Antalya ein Netz zum Anwerben von Personen entwickelt, die aus den postsowjetischen Staaten in die Türkei kommen". Ziel sei der Einsatz der IS-Kämpfer in Syrien und Russland. Dies erklärte der ständige Vertreter Russlands bei der UNO, Witali Tschurkin, gegenüber dem UN-Sicherheitsrat. Tschurkin nennt auch konkrete Namen türkischer Staatsbürger, die darin involviert sind.

Sitz des Außenministeriums der Russischen Föderation

Der UN-Botschafter Russlands zählte die Namen der Anwerber auf, unter denen es auch Personen aus Russland und Aserbaidschan gibt. Dem Diplomaten zufolge werde die Anwerbung mit Wissen der Leitung von Untersuchungsgefängnissen in Antalya abgewickelt: „Wenn der Festgenommene bereit ist, sich zum Islam zu bekehren und sich dem Terrorismus anzuschließen, versprechen die Anwerber der Person, die türkischen Sicherheitsbehörden entsprechend zu ʻbeeinflussenʼ, und stellen ihr unentgeltlich einen Rechtsanwalt zur Verfügung. Er ist übrigens ein türkischer Bürger und heißt Tahir Tosolar.“

Zum selben Zweck besuche auch ein anderer tschetschenischstämmige Bürger der Türkei – und zwar Sultan Kechursajew – die Untersuchungshäftlinge.

Der ständige Vertreter Russlands bei der UNO fügte dem Schreiben Statistiken hinzu, laut denen eine gut 1.000 Mann starke Gruppierung im Bestand von IS-Kämpfern aus einigen Ländern Europas und Zentralasiens im September 2014 von der Türkei aus nach Syrien eingeschleust worden sei. Die Nachschubrouten würden unweit der türkisch-syrischen Grenze verlaufen. Darüber hinaus sei mit Beihilfe der türkischen Geheimdienste ein Luftkorridor zum Einschleusen von IS-Terroristen aus Syrien über die Türkei in den Jemen mit türkischen Militärtransportern organisiert worden, steht im Brief. Witali Tschurkin zufolge sei der Seetransport bis zur jemenitischen Hafenstadt Aden eine weitere Alternative zum Einschleusen von Terroristen.           

Kämpfer der

Der russische Diplomat schloss nicht aus, dass sein Land im UN-Sicherheitsrat eine Resolution im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Türkei im Norden Syriens einbringen werde:

„Sollten diese Handlungen anhalten, müsste man im UN-Sicherheitsrat ein Dokument erörtern, wo dieser Standpunkt, der die Türkei auf die Unannehmbarkeit solcher Handlungen aufmerksam macht, entsprechend dargelegt werde.“

Die russische Zeitschrift „Kommersant“ schreibt, dass der Konflikt in Syrien allmählich zur Schlüsselfrage der türkischen Politik wird, indem er die Zukunft des Landes und seines Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan immer mehr bestimmt. Der Vormarsch kurdischer Einheiten in den nördlichen Grenzgebieten Syriens droht in der Türkei, der kurdischen Nationalbewegung, die Ankara schon seit Jahrzehnten bekämpft, ein neues Leben einzuhauchen. Präsident Erdoğan versucht aus Angst vor einer einheitlichen Front aus syrischen und türkischen Kurden, koste es was es wolle, eine Pufferzone zwischen Syrisch-Kurdistan und Nordkurdistan zu schaffen.

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