Kanada stoppt Datenaustausch mit NSA & Co nach 'versehentlicher' Übermittlung von Metadaten

Zentrale des kanadischen Geheimdienstes CSE in Ottawa. Täglich werden bis zu 15 Millionen Dateien abgefangen und analysiert.
Zentrale des kanadischen Geheimdienstes CSE in Ottawa. Täglich werden bis zu 15 Millionen Dateien abgefangen und analysiert.
Kanada hat den Austausch von streng geheimen Spionage-Daten mit den anderen Five Eyes-Ländern, unter anderem USA und Großbritannien, auf Eis gelegt, nachdem sich herausstellte, dass das kanadische NSA-Gegenstück Informationen mit sehr persönlichen Details von kanadischen Bürgern geteilt hatte.

Graffiti in der Nähe des Hauptquartiers des britischen Geheimdienstes Government Communications Headquarters (GCHQ) in Cheltenham, April 2014. Britische Medien erklärten Banksy zum Urheber des malerischen Denkanstoßes.

Kanadische Regierungsbeamte gaben bekannt, dass sie diese Entscheidung trafen, nachdem publik wurden, dass das Communications Security Establishment (CSE), der kanadische Nachrichtendienst und Kryptographie-Behörde, nicht ordnungsgemäß die Metadaten der kanadischen Staatsbürger vor dem Austausch mit seinen internationalen Verbündeten versteckt hatte. Metadaten enthalten die Nummern und Zeitstempel von Telefonanrufen, aber nicht den Inhalt.

"Wir wollen sicherstellen, dass Software-Updates tatsächlich das tun, was sie sollen. Und genau deshalb haben wir diesen Teil des Austauschs von Metadaten gestoppt. Es ist sehr wichtig, dass wir die Privatsphäre der Kanadier schützen," sagte Verteidigungsminister Harjit Sajjan gegenüber Medien und betonte:

"CSE wird den Austausch dieser Informationen mit unseren Partnern nicht fortsetzen, bis ich vollends davon überzeugt bin, dass effektive Systeme und Maßnahmen installiert sind."

Die CSE entspricht dem US-amerikanischen Geheimdienst NSA, die die elektronische Kommunikation überwacht. Sajjan, der die Behörde leitet, hat nicht angegeben, wann der Informationsaustausch gestoppt wurde.

Kanada ist Mitglied des sogenannten Five-Eyes [Fünf Augen] Geheimdienst-Netzwerkes. Die anderen vier Mitglieder sind die USA, UK, Australien und Neuseeland.

Sajjan betonte, dass Verbündeten Kanadas über den Stopp im Informationsaustausch nicht empört wären. "Unsere Verbündeten unterstützen die tägliche Arbeit der CSE sehr. Sie schätzen die gleiche Art des Schutzes, wie wir es tun, und eben deshalb gibt es diese Vereinbarung, diese sehr wichtige Vereinbarung innerhalb unserer Five-Eyes-Gemeinschaft."

Es ist gegen das Gesetz speziell Kanadier auszuschnüffeln, aber manchmal gelangen auch Kanadier ins Spionagenetz, wenn die CSE im Web andere Ziele untersucht.

William Binney (2.v.links) redet mit Hans-Christian Ströbele (Die Grünen) und Leiter des Sekretariats des NSA-UntersuchungsausschussesHarald Georgii (SPD) im Juli 2014.

Sajjan schätzt, dass die zusätzlichen Informationen, die freigegeben wurden, nicht detailliert genug waren, um einzelne Kanadier zu identifizieren.

Der Verteidigungsminister machte diese Ankündigung zusammen mit dem Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale. Sie kam kurz nachdem die CSE das Problem offenbarte, dass nicht genug getan wurde, um die vertraulichen Informationen der kanadischen Staatsbürger zu verbergen.

Der ehemalige CIA-Mitarbeiter und NSA-Computer Analyst Edward Snowden war der erste, der öffentlich über das streng geheime NSA-Programm sprach. Seine Enthüllungen ergaben, dass die US-Geheimdienste Informationen über US-Bürger und Unmengen anderer streng geheimer Daten sammeln. Die sehr beunruhigenden Enthüllungen zeigten ein Bild einer massiven pauschalen Datensammlung von einem Ausmaß, von dem man noch nie zuvor gehört hatte, und angeblich ohne die Notwendigkeit für vorherige Gerichtsbeschlüsse.

Unterdessen ergaben Snowdens Enthüllungen zu Kanada, dass die CSE einige Taktiken mit der NSA teilt und sogar die Software zur Cyber-Kriegsführung der US-Behörde für einige Aufgaben verwenden soll.

Snowden zeigte auch, dass die CSE Handys anvisiert, indem sie technisch sehr ausgefeilte Malware namens WARRIORPRIDE benutzt. Sie unterhalten auch ein Botnet – ein ganzes Netzwerk von infizierten privaten Computern – um verdeckt Ziele anzugreifen.

Die westlichen Metropolen erreicht der Whistleblower Edward Snowden derzeit nur per Video-Schalte

Im Jahr 2013 implizierten die NSA-Enthüllungen, dass Kanadier angeblich auch daran beteiligt waren, Computer des brasilianischen Bergbau- und Energieministeriums auszuspionieren – was Vorwürfe der Industriespionage und einen diplomatischen Streits zwischen Brasilien und Washington auslöste.

Andere Enthüllungen durch Snowden haben festgestellt, dass die NSA nicht nur am Sammeln von Metadaten von globaler Kommunikation interessiert ist, sondern auch an deren Inhalten, einschließlich Bildern, auch wenn dabei Menschen betroffen sind, die nicht unter direktem Verdacht stehen.

Die Five-Eyes-Staaten teilen routinemäßig private Daten von Bürgern weltweit, die sie laut Snowden durch Massenüberwachung nutzbar machen. Wichtige Informationen über diese undurchsichtigen zwischenstaatlichen Vereinbarungen bleibt jedoch vor der Öffentlichkeit geheim.