Niedriger Ölpreis: Nationaler Reservefond Russlands neigt sich dem Ende - Anzapfung Wohlfahrtsfond

Niedriger Ölpreis: Nationaler Reservefond Russlands neigt sich dem Ende - Anzapfung Wohlfahrtsfond
Laut dem russischen Finanzminister Anton Siluanow könnte der nationale Reservefonds unter dem Eindruck des anhaltenden globalen Ölpreisverfalls bis Ende 2016 aufgebraucht sein. In diesem Fall werde sich Russland seines Nationalen Wohlfahrtsfonds, einer weiteren Finanzreserve, bedienen, um auch weiterhin die heimische Wirtschaft und soziale Dienstleistungen subventionieren zu können.

Die Hauptgefahr für die russische Wirtschaft gehe laut dem russischen Finanzminister von fallenden Erdölpreisen aus, auf deren Stabilität Russland im Rahmen seiner Haushaltsbudget-Ansetzung für 2016 angewiesen sei. Moskau plante einen durchschnittlichen Preis für das Fass Öl von 50 US-Dollar ein, um die Finanzausgaben zu decken. Ein Wert unter 50 US-Dollar führe dazu, dass Moskau auf eigene Reserven zurückgreifen müsste.

Ölraffinerie an der Drushba-Trasse, die Erdöl aus Russland nach Europa transportiert in der Nähe von Mozyr / Minsk, im September 2013.

„Wir haben unseren Reservefonds von rund 2,6 Billionen Rubel [also rund 37 Milliarden US-Dollar] im Jahr 2015 halbiert. All dies deutet daraufhin, dass 2016 das letzte Jahr sein wird, in dem wir in der Lage sein werden, auf diese Reserve zurückzugreifen. Es wird diese Reserve danach nicht mehr geben“, informierte Siluanow bereits Ende Oktober 2015.

Laut der Prognose des Finanzministeriums von Russland werde der Reservefonds bis Ende 2016 von 3,38 Milliarden Rubel auf 1,25 Milliarden absacken. Der Nationale Wohlfahrtsfonds indes bleibe weithin stabil und werde lediglich von 5,9 Milliarden Rubel auf 4,69 Milliarden fallen.

Im Dezember segnete die russische Staatsduma den Bundeshaushalt für 2016 ab. Parlamentsabgeordnete gehen in diesem Jahr von Einnahmen in Höhe von 13,74 Milliarden Rubel aus, was bei Ausgaben im Wert von 16,1 Milliarden Rubel einem Defizit von 2,36 Milliarden Rubel entspräche. Diese Prognose basiert auf der optimistischen Annahme, dass die internationalen Ölpreise im Jahresdurchschnitt bei rund 50 US-Dollar das Fass kursieren werden.

Gegenwärtig befindet sich der Preis für ein Barrel Öl der Marke Brent und der Marke WTI jedoch nur bei 33 US-Dollar. Abzuwarten bleibt, wie sich der Ölpreis mittel- bis langfristig bewegt. Zahlreiche Analysten signalisierten, dass es spätestens im Jahr 2017 zu einer Erholung der Kurse kommen werde, welche nicht zuletzt durch Saudi Arabien, dem größten Ölexporteur der Welt, künstlich niedrig gehalten werden, das seine machtvolle Position auf dem Energiemarkt auch im Sinne seiner geopolitischen Ambitionen seit Anfang 2015 zu instrumentalisieren scheint.

Das Loch im Haushalt wird durch Bezüge aus dem Reservefonds gestopft werden. Sowohl der Reservefonds als auch der Nationale Wohlfahrtsfonds gelten als Teil der internationalen Reserven der Russischen Föderation. Am 1. Dezember 2015 belief sich die Gesamtsumme an Reserven der russischen Zentralbank auf 369 Milliarden US-Dollar.

Der russische Premierminister Dimitri Medwedew zeigte sich im Dezember allerdings optimistisch und erklärte, dass die russische Wirtschaft 2016 wieder zu ihrem Wachstumskurs zurückkehren werde und die Inflationsrate auf 6,4 Prozent reduziert werden könnte. Doch dies sei auch von der Entwicklung der Energiepreise abhängig.



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