Australische Ermittler und Gerichtsmediziner stellen Abschlussbericht zu MH17 in Frage

Rekonstruktion des Cockpits von Mh17 anlässlich des Abschlussberichtes am 13 Oktober 2015
Rekonstruktion des Cockpits von Mh17 anlässlich des Abschlussberichtes am 13 Oktober 2015
Am gestrigen Dienstag hat im australischen Melbourne eine gerichtliche Anhörung zu den MH17-Ermittlungen begonnen. Dabei äußerten australische Ermittler und Gerichtsmediziner starke Zweifel am Abschlussbericht der niederländischen Behörden. So seien Untersuchungsstandards nicht eingehalten worden, und der zuständige Gerichtsmediziner hat auch nach "intensiven Untersuchungen" keine Schrapnellsplitter in den Opfern gefunden, wie sie sonst für Raketenexplosionen typisch sind.

Quelle: Ruptly

Vertreter der australischen Bundespolizei (AFP) bezweifeln ein zentrales Element aus dem Abschlussbericht zum Absturz des Fluges MH17. Andrew Donoghue, Ermittler der Behörde im MH17-Fall, erklärte am Dienstag in einer Anhörung im australischen Melbourne, um sich auf eine bei dem mutmaßlichen Abschuss verwendete Waffe festzulegen, seien "höhere Standards notwendig", als sie die ermittelnde Behörde, das Dutch Safety Board (DSB), für seinen Bericht zugrunde gelegt habe. Dies berichten heute australische Medien.

In ihrem Report hatte sich die Behörde im Oktober diesen Jahres darauf festgelegt, dass direkt über dem Cockpit eine Buk-M1-Flugabwehrrakete explodiert sei. Forderungen, etwa vonseiten der Russischen Föderation, andere Waffentypen als mögliche Verursacher auszuschließen, verweigerte sich das DSB. Die ukrainische Regierung, die wegen ihrer Verantwortung für den Absturzort eigentlich die Untersuchungen hätte durchführen müssen, übergab die Federführung im Juli 2014 an die Niederlande. Seitdem führt das Dutch Safety Board (DSB) die Ermittlungen.

Kritik am DSB-Bericht wird nun angeblich auch in den Niederlanden laut. Nach Angaben von Andrew Donoghue verlangen auch niederländische Staatsanwälte, "schlüssigen Beweise für andere Arten von Raketen" nachzugehen.

Erste Informationen, nach denen das Flugzeug von einer Buk-Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde, basieren nicht auf den von australischen oder internationalen Behörden anerkannten Standards für Beweise, kritisierte Andrew Donoghue.

Zudem beanstandete er in der gestrigen Anhörung, dass die Berichte der Pathologen als "geheim" eingestuft worden seien.

Vier Fragen an die niederländische Untersuchung des MH17-Crashs

Der zuständige Gerichtsmediziner, David Ranson, wurde gestern ebenfalls angehört. Er hatte nach einer intensiven Untersuchung der Körper ausgeschlossen, dass sich darin Splitter von Schrapnell befinden, wie sie bei einer Raketenexplosion typischerweise auftreten.

Beide gehören als australischer Ermittler dem internationalen Untersuchungsteam an, das mit dem DSB zusammenarbeitete. In diesem Rahmen leitete Donoghue das Team von australischen Beamten, welche eigene Ermittlungen in der Ukraine und in den Niederlanden durchführten. Da 28 australische Staatsbürger bei dem Zwischenfall ums Leben kamen, beteiligt sich das Land prominent an den Untersuchungen. Das Verfahren in Melbourne wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Nach der Aussage von Donoghue unterbrach der Vorsitzende Richter, Ian Gray, die Anhörung. Sie soll in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.