Julian Assange bei #RT10: "Menschheit hat Kampf um Privatsphäre verloren"

Julian Assange bei #RT10: "Menschheit hat Kampf um Privatsphäre verloren"
Die Menschheit hat ihren Kampf um die Aufrechterhaltung der Privatsphäre verloren und muss nun lernen in einer Welt zu leben, in der Massenüberwachung immer billiger und einfacher eingesetzt werden kann. Dies sagte der WikiLeaks-Gründer Julian Assange gestern auf der RT-Podiumsdiskussion in Moskau, anlässlich des 10. Jubiläums der Senderfamilie.

An der gestrigen #RT10-Konferenz in Moskau wurde Julian Assange, der seit nun mehr drei Jahren im politischen Asyl in der ecuadorianischen Botschaft zu London lebt, per Video live zugeschaltet.

Neben zahlreichen anderen weltpolitischen Themen, wurden auf der Konferenz auch die Fragen der Massenüberwachung und Bürgerrechte diskutiert. Assange beteiligte sich an der Diskussion mit dem Titel: "Sicherheit oder Überwachung: Können das Recht auf Privatsphäre und ein effektiver Schutz vor Terrorismus im digitalen Zeitalter koexistieren?". Assange umriss seine Sicht der Dinge gleich zum Einstieg wenig optimistisch:

"Wenn ich an dieses Thema denke, muss ich sagen, dass ich eine andere Position einnehmen muss, als sie vielleicht von mir erwarten. Ich denke, wir sollten verstehen, dass das Spiel vorbei ist. Die Privatsphäre ist tot. Die Massenüberwachung ist da und sie wird bleiben."

Julian Assange im RT-Interview

Die totale Überwachung wurde dabei nicht nur von der führenden Weltmacht implementiert, sondern darüber auch von zahlreichen mittelgroßen und kleinen Ländern, fügte Assange hinzu.

"Das Five Eyes-Geheimdienst-Abkommen [zwischen Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und den USA] erlaubt es dermaßen die Gesetze zur Überwachung zu umschiffen, dass sich nur einige Experten für sich selbst - und auch nur im begrenzten Rahmen - Datenschutz sichern können. Für den Rest der Weltbevölkerung ist der Schutz der persönlichen Daten vorbei."

Zu den angesprochenen "Experten" zählt Assange auch internationale Terroristen, die längst gelernt haben, ihre Kommunikation für Sicherheitsbehörden unsichtbar zu machen. Besonders heikel ist dies, weil die Massenüberwachung immer wieder mit dem vorgeblichen Schutz vor genau diesem Terrorismus begründet wird. Mit Blick auf die Zukunft fügte Assange hinzu:

"Die Privatsphäre wird nicht zurückkommen, außer im Falle eines ökonomischen Zusammenbruchs, der die technologischen Möglichkeiten der Menschheit stark einschränkt.

Der Grund warum dies so ist, liegt an den Kosten für die Umsetzung von Massenüberwachung. Alle 18 Monate halbieren sich diese in Folge des Kostenrückgangs für Telekommunikation, Überwachungshardware und Speichermedien. Die Kosten fallen schneller, als die Population der Menschheit anwächst. Massenüberwachung und Digitalisierung gewinnen das Rennen gegen die Menschheit und menschliche Werte. Das ist die Realität mit der wir fertig werden müssen."

Annie Machon, früher Offizierin beim britischen MI5, später Whistleblowerin. Bildquelle: RT.com

Für die Gesellschaft sei es nun an der Zeit den verlorenen Kampf um Privatsphäre hinter sich zu lassen und versuchen zu verstehen, welche Art von Gesellschaft unter diesen neuen, veränderten Bedingungen entstehen wird.

Der WikiLeaks-Gründer erinnerte das Podium dabei an die historischen Erfahrungen in der DDR und anderen Gesellschaften, wo Menschen es gewohnt waren, unter ständiger Kontrolle durch das Herrschaftssystem zu leben.

"Wenn man sich das soziale Verhalten in sehr angepassten, kleinen und isolierten Gesellschaften anschaut, wird deutlich, dass die Menschen beginnen sich anzupassen. Sie fangen an Sprachcodes zu verwenden, werden schüchtern und ängstlich. Anstatt kontroverse Diskussionen zu führen, wird in Andeutungen gesprochen."

Laut Assange befindet sich die industrialisierte Welt nun auf dem Weg, genau eine solche Gesellschaft zu werden.

Die gesamte Diskussion in englischer Sprache:

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