Julian Assange und RT - Rückblick auf eine langjährige Zusammenarbeit

Julian Assange im RT-Interview
Julian Assange im RT-Interview
Gejagt von den Regierungen der EU-Staaten und den USA, schaffte es der WikiLeaks-Herausgeber Julian Assange Asyl in der ecuadorianischen Botschaft von London zu bekommen. RT International stellte stets sicher, dass Assanges Stimme weiterhin gehört wird. Nur einer von vielen fehlenden Parts in der zehnjährigen Sendergeschichte.

Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über beispiellose Möglichkeiten der Überwachung, die genutzt werden, um die ganze Welt auszuspionieren, sagte der WikiLeaks-Gründer in einem seiner ersten Interview mit RT und nannte die USA eine "Überwachungs-Supermacht". Assange fügte hinzu:

"Dieses Land gibt für Überwachung mehr aus, als der gesamte Rest der Welt zusammen. Sie spionieren jeden aus."

Analyse des von WikiLeaks veröffentlichten Kerntextes des TiSA-Abkommens

Neben dieser scharfen Kritik an Überwachungspraktiken hat sich WikiLeaks längst auch darauf spezialisiert geheimgehaltene Dokumente über die großen Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP),Trade in Services Agreement (TiSA), und die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die weitreichenden Verträge werden zwischen den Staaten der EU, den USA und zahlreichen weiteren Ländern weitestgehend im Verborgenen verhandelt.

Während einige dieser äußerst brisanten Geheimnisse auf der Online-Plattform von WikiLeaks veröffentlicht wurden, nutzt Assange darüber hinaus immer wieder Interviews mit Medien für seine Enthüllungen - regelmäßig auch Gespräche mit RT. In einer der aktuellen Unterhaltungen warnte der Australier den Sender, westliche Regierungen könnten in Zukunft versuchen, die Stimme von RT in ihrem Herrschaftsgebiet zu unterdrücken.

Bereits vor einem Jahr warnte Assange die RT International-Chefredateurin Margarita Simonyan in einem Hintergrundgespräch vor solchen Schritten.
Als Beispiel fügte der WikiLeaks-Chef auch die Stilllegung eines kurdischen Fernsehsenders in Dänemark, offenbar als Folge von Druck seitens des NATO-Mitglieds Türkei auf die dänische Regierung, an. "Das selbe hat RT zu erwarten", so Assange gegenüber Simonyan.

In der RT-Sendung Going Underground besuchte Afshin Rattansi den WikiLeaks-Herausgeber mehrmals in dessen Exil in der ecuadorianischen Botschaft zu London. Während dem jüngsten Gespräch stellte Assange sein neues Buch "The WikiLeaks Files" vor und sprach über das US-Imperium. Assange betonte gegenüber RT ebenfalls, dass es in Washington schon Pläne gab, die syrische Regierung von Bashar al-Assad zu stürzen, lange bevor im Jahre 2011 die dortigen Unruhen begannen.

Außerdem prangerte der Australier eine "akademische Zensur" im Journalismus und wissenschaftlichen Magazinen in Bezug auf WikiLeaks-Veröffentlichungen an. Dies sei ein Teil des Krieges gegen Whistleblower, den die US-Regierung führe:

"Obama hat mehr Whistleblower mittels des Spionagegesetzes angeklagt, als alle vorigen Präsidenten zusammen. Sogar mehr als doppelt so viele."

Auch erzählte der WikiLeaks-Gründer, dass er es war, der dem NSA-Whistlerblower Edward Snowden geraten hatte, Asyl in Russland zu beantragen. Snowden selbst wäre lieber nach Latein-Amerika gegangen, doch laut Assange wäre dort die Gefahr von der CIA entführt oder gar getötet zu werden zu hoch gewesen. Trotz der zu erwartenden negativen PR durch Snowdens Asyl in Russland riet Assange dem Whistleblower daher zu diesem Schritt.

Mit der RT-Produktion "The World Tomorrow - The Julian Assange Show" präsentierte der Australier eine Reihe von 26-minütigen Interviews. Gäste der Sendung waren unter anderem der slowenische Philosoph Slavoj Žižek und Hassan Nasrallah, Generalsekretär der Hisbollah. Auf dem New York Festival 2013 wurde die Sendereihe mit einem Preis ausgezeichnet.

Julian Assange auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Quelle: CC BY-SA 2.0 Sasha Krotov

Assange erlangte weltweite Berühmtheit durch die Gründung der Leaking-Plattform WikiLeaks im Jahre 2006. Spektakuläre Veröffentlichungen wie Videoaufnahmen von Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak und diplomatische Depeschen der US-Regierung zogen schnell den Unmut Washingtons nach sich.
Der 44-jährige befindet sich seit nun schon 3,5 Jahren im Botschaftsasyl, da er vermutet, eine geplante Auslieferung nach Schweden aufgrund dortiger undurchsichtiger Vorwürfe wegen sexueller Belästigung diene nur als Vorwand, um ihn an die USA zu überstellen. Dort hat Assange einen Prozess für die Veröffentlichung geheim eingestufter Regierungsdokumente zu erwarten.

Assange leugnete von Beginn an die Vorwürfe gegen ihn und nennt sie politisch motiviert. Der WikiLeaks-Chef ist sich sicher, dass es den Strafverfolgungsbehörden nur darum geht, einen Weg zu finden, um ihn in die USA auszuliefern.

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