Moskauer Gericht verbietet Scientology: Sechs Monate Zeit das Land zu verlassen

Das Scientology-Gebäude in Berlin
Das Scientology-Gebäude in Berlin
Am Montag hat das Moskauer Amtsgericht auf Antrag des russischen Justizministeriums angeordnet, die Moskauer Filiale von Scientology zu schließen. Der Beschluss besagt, dass die Organisation die Religionsfreiheit für andere Zwecke missbrauche. Scientologen wollen nun gegen den vermeintlich „anti-religiösen“ Beschluss vorgehen. Doch welche Ziele verfolgt die Organisation überhaupt?

Das russische Ministerium argumentierte, dass durch die Registrierung des Names 'Scientology' als ein US-amerikanischer Markenname, die Kirche nicht als religiöse Organisation angesehen werden kann, berichtet die Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

„Die Vertreter von Scientology haben selbst viele rechtliche Konflikte geschaffen, als sie die religiöse Freiheit durch den Gebrauch von Markennamen einschränkten“, so das Justizministerium. „Es stellt sich heraus, dass eine geschäftliche Partnerschaft die Religion verbreitet hat, obwohl Religion nur durch religiöse Organisationen verbreitet werden kann“, so das Ministerium weiter. Es fügte hinzu, dass die Organisation eher durch Gesetze des Verbraucherschutzes reguliert werden müsse.

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Nun hat die Moskauer Niederlassung von Scientology offiziell sechs Monate Zeit, ihre Aktivitäten einzustellen. Die Organisation plant jedoch, gegen den Beschluss des Moskauer Gerichts beim Obersten Gericht Berufung einzulegen, da sie der Ansicht ist, dass dadurch die Rechte ihrer Anhänger in Russland verletzt werden. Die gläubigen Scientologen in Russland hätten nur in Moskau einen Priester, der unter dem Beichtgeheimnis steht.

Außerdem beanstanden sie, dass ein Markenname nicht das russische Bundesgesetz verletze, mit dem Argument, dass sogar der Koran durch Urheberrecht geschützt wäre.

Der Rechtsstreit zwischen Scientology und der russischen Regierung begann vor über einem Jahr. Die Moskauer Zentrale der Organisation wurde Anfang dieses Jahres von Polizeibeamten durchsucht, nachdem ein Medienbericht aufdeckte, dass die Institution ihre Mitglieder ausspioniert, um sie später mit ihren Geheimnissen zu erpressen. Methodiken, mit denen die Organisation immer wieder in Verbindung gebracht wird.

Scientology wurde 1952 von dem ehemaligen Science Fiction-Romanautor L. Ron Hubbard gegründet und wird von Kritikern als Sekte und profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen bezeichnet.

Den vorgeblichen Heilsversprechen von Scientology kommt man nur durch teure Seminare und einen kompletten Seelenstriptease näher. In vielen Fällen wirkt die Organisation auf das soziale Umfeld ihrer Anhänger ein und strebt eine sukessive Isolierung dieser an, so dass eine soziale Abhängigkeit von der Organisation geschaffen wird.

Zudem ist Scientology mit einer Vielzahl verschachtelter Tarnorganisationen und gezielten Unterwanderungstaktiken äußerst umtriebig, wenn es darum geht, Einfluss auf die politische, wirtschaftliche, mediale und kulturelle Führungseliten zu nehmen. Die angewandten Methodiken sind dabei häufig Diffamierung, Rufmord und die Verwendung eines orwell'schen Neusprechs.

In der Analyse "Was ist Scientology? Die Fabrikation der Mensch-Maschine im kybernetischen Lernlabor" untersucht Dr. Jürgen Keltsch die Funktionsweise der Gruppierung. Darin heißt es unter anderem:

"Das lückenlose Kommando- und Kontrollsystem behandelt den Menschen als Objekt und nicht als Person mit Menschenwürde und Menschenrechten."

Ein Ziel der Gruppe sei auch die soziale Umerziehung und "Umprogrammierung" der Gesellschaft, bei der gezielt verhaltenspsychologische Methodiken angewendet bzw. missbraucht werden. Keltsch weiter:

"Die zitierten Quellen (HCO PL) zeigen, dass das Endziel des Spitzenmangements der Organisation die Abschaffung der demokratischen Werteordnung und die Verwandlung der Gesellschaft in ein technokratisches System (Cyberfaschismus) ist."

In den USA und auch Deutschland ist Scientology weitaus erfolgreicher als in Russland. So gelang es beispielsweise der Organisation den der US-Regierung nahestehenden Think Tank Freedom House dazu zu bewegen, Druck auf Deutschland wegen dessen teilweisen Widerstandes gegen Scientology aufzubauen. Einige Jahre wurde Deutschland aufgrund der Causa Scientology von dem einflussreichen Think Tank sogar die Bestnote in Sachen Demokratie-Entwicklung verwehrt.

Im Jahre 1996 brachte die Organisation rund drei Dutzend Hollywood-Prominente dazu, einen Offenen Brief an den damaligen Bundeskanzler Hemlut Kohl zu formulieren, in dem eine Parallele zwischen der vermeintlichen "Diskriminierung" von Scientologen mit der Judenverfolgung im Dritten Reich gezogen wurde:

"In den dreißiger Jahren waren es die Juden, heute sind es die Scientologen."  

Mit derlei Manövern gelang es der Organisation bis heute - trotz Beobachtung durch den Verfassungsschutz in einigen Bundesländern - in Deutschland relativ frei operieren zu können.

Griechenland hat Scientology 1993 zum „Staatsfeind“ erklärt.

Dem Kampf gegen Scientology haben sich auch einige Zellen des Anonymous-Kollektivs verschrieben. Mit dem Projekt Chanology widmen sich die Aktivisten der Aufklärung über die dubiose Organisation.