Krieg zwischen Anonymous und IS: So läuft die Operation #OpISIS

Foto: devianart / _paullus23
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Neben Kalaschnikows und Sprengsätzen sind die sozialen Medien eines der wichtigsten Werkzeuge, mit denen der "Islamische Staat" versucht seine Expansion zu organisieren. Interne Kommunikation und Propaganda sind professionell organisiert und zielen auf die Rekrutierung neuer Anhänger ab. Nachdem das Hacktivisten-Netzwerk Anonymous dem "Kalifat" den digitalen Krieg erklärt hat, wird es für den IS zunehmend ungemütlich im Cyberspace.

Unmittelbar nach den Terroranschlägen von Paris, hat das Hacktivisten-Netzwerk Anonymous angekündigt, seinen Krieg gegen den "Islamischen Staat" auszudehnen. Bereits im vergangenen Jahr starteten Aktivisten vereinzelte Angriffe auf den IS, nun erreichen diese eine neue Ebene. Es sei die größte Operation dieser Art in der Geschichte. Anonymous verfolgt unter den Schlagworten #OpParis und #OpISIS nun ein ganzes Set von Maßnahmen, mit dem die bisher weitestgehend ungestörte Präsenz des "Islamischen Staates" im Internet gebrochen werden soll, und ruft weltweit Sympathisanten auf, sich diesem Kampf anzuschließen.

© Daark Vador / YouTube

Die Webseiten, die von der Propagandaabteilung des IS betrieben werden, sollen mit DDOS-Attacken lahmgelegt, aber auch gehackt werden, um die Hintermänner der Internetseiten zu entlarven. Ebenfalls ist geplant, mit Fake-Accounts die Netzwerke des "Kalifats" zu infiltrieren, um so an vertrauliche Daten zu gelangen und Chaos in den internen Kommunikationskanälen der Islamisten zu stiften. Erbeutete Daten sollen auch an Ermittlungsbehörden und Geheimdienste übergeben werden.

Was beachtlich ist, da vielen Geheimdiensten Anonymous bisher ein Dorn im Auge war. In zahlreichen Fällen wurde das Netzwerk von Seiten westlicher Geheimdienste in der Vergangenheit selbst mit Terroristen gleichgesetzt. Auch kam es schon zu Festnahmen und Haftstrafen für Anonymous-Aktivisten, wie etwa im Falle Barrett Browns, der für das Teilen eines Links nun für fünf Jahre im Gefängnis sitzt.

Ungeachtet dessen will nun auch eine "Elite-Truppe" aus dem Anonymous-Netzwerk den direkten Kampf mit der Hacker-Gruppe des "Islamischen Staates", dem "CyberCaliphat", aufnehmen.

Auf Twitter intensivieren Anonymous-Aktivisten zudem das Melden von IS-Profilen, was jedoch nur einen begrenzten Effekt hat. Zwar konnten seit den Anschlägen von Paris bereits rund 5.500 Twitter-Konten des IS "kaltgestellt" werden, jedoch nutzen die Dschihadisten ihre Accounts ohnehin nur wenige Stunden und kommunizieren stattdessen mit den ständig wechselnden Avataren über feststehende Hashtags. Eine Methode, der mit Account-Löschungen nicht beizukommen ist.

Um weitere Unterstützer im Kampf gegen den IS zu gewinnen, will Anonymous ebenfalls eine Medienoffensive starten. Das Ziel wird - nicht anders kennt man es von dem Kollektiv - in äußerst martialischer Sprache formuliert: Es geht um nicht weniger als den IS "auszulöschen".

Damit neu rekrutierte Anonymous-Unterstützer nicht selbst ins Fadenkreuz des "Islamischen Staates" gelangen, hat Anonymous verschiedene Anleitungen erstellt. Schließlich sind die Islamisten nicht gerade bekannt dafür, zimperlich mit ihren Gegnern umzugehen.

Im "NoobGuide" werden die grundlegenden Schritte der Anonymisierung und anschließenden Kontaktaufnahme mit dem Hacker-Kollektiv erklärt. Im "ReporterGuide" wird dargestellt, wie man am automatisierten Aufspüren von IS-Twitterkonten mitwirken kann. Der "SearcherGuide" erklärt, wie Internetseiten, die dem "Islamischen Staat" zugerechnet werden, im World Wide Web aufgespürt werden können.

Der "Islamische Staat" reagierte auf all dies offenbar damit, seinerseits einen Guide für Sympathisanten und Anhänger herauszugeben. Darin wird empfohlen, IS-Anhänger sollten es meiden mit Fremden zu chatten oder zugeschickte Links anzuklicken. Anonymous-Aktivisten machten sich umgehend über diese Abwehrmaßnahme lustig:

Die "Islamic Cyber Army" des IS bezeichnete Anonymous in einem abgefangenen Chat seinerseits als "Idioten" und fragte, was die Aktivisten denn hacken wollen, wenn es nur Twitter-Accounts und Email-Adressen gibt. Dass die Kommunikation der Islamisten durchaus unter Druck kommt, zeigt jedoch die Tatsache, dass der IS bisher öffentlich zugängliche Internetseiten ins Darknet verlegt hat, wo sie vor Angriffen besser geschützt sein sollen. Zumindest die dschihadistische PR und Öffentlichkeitswirkung wird dadurch empfindlich geschwächt.

Laut dem britischen Independent wurde im Zuge der Operation womöglich auch bereits ein IS-Rekrutierer namentlich enttarnt. Die persönlichen Daten wurden an die Behörden übergeben.

Es wird aufschlussreich sein, weiterhin zu beobachten, wie die Auseinandersetzung Anonymous vs. IS verläuft. Anonymous ist vor allem auch für seine Kreativität und seinen Einfallsreichtum bekannt. Hat sich das Kollektiv einmal einem Ziel verschrieben und sich festgebissen, kann es für den erklärten Gegner durchaus ungemütlich werden. Oder wie es in den "Rules of the Internet" heißt:

"Anonymous can be a horrible, senseless, uncaring monster. [Anonymous kann ein schreckliches, gefühlloses, kaltschnäuziges Monstrum sein]"

Trends: # Terror-Attentat in Paris