Fossil der Geopolitik Brzeziński: "Putin wie Hitler und Deutsche bereit zu Krieg gegen Russland"

Zbigniew Brzeziński auf der Müncher Sicherheitskonferenz. Quelle: MSCBot, CC BY 3.0 de
Zbigniew Brzeziński auf der Müncher Sicherheitskonferenz. Quelle: MSCBot, CC BY 3.0 de
Der einflussreiche Politikberater Zbigniew Brzeziński hat dem Nachrichtenmagazin Spiegel ein Interview gegeben. Der US-amerikanische Geostratege zeigt sich darin überzeugt, dass die Deutschen bereit seien gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Darüber hinaus sei Russlands Präsident Wladimir Putin ein wenig wie Hitler und Bundeskanzlerin Merkel mache einen "extrem guten Job". Im nunmehr 88. Lebensjahr angekommen, kann aber durchaus an Brzezińskis Urteilskraft gezweifelt werden.

Zbigniew Brzeziński war von von 1966 bis 1968 Präsidentenberater von Lyndon B. Johnson und von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater von Jimmy Carter. Auch heute noch gilt der aus Polen stammende US-Amerikaner als einer der einflussreichsten Geostrategen der westlichen Welt. Brzeziński, der heute als Berater am "Zentrum für Strategische und Internationale Studien" (CSIS) tätig ist, wird häufig in einer Reihe mit anderen grauen Eminenzen wie Henry Kissinger und dem bereits verstorbenen Samual P. Huntington ("Kampf der Kulturen") genannt.

Fossil der Geopolitik Brzeziński meldet sich zu Wort: „Putin wie Hitler und Deutsche bereit gegen Russland in den Krieg zu ziehen“

In einem aktuellen Interview mit dem Spiegel lässt der Politikwissenschaftler nun wissen: "Wir befinden uns im Kalten Krieg." Dass aus diesem ein "heißer Krieg" wird, hält Brzeziński jedoch für unwahrscheinlich. Eine besonders friedensstiftende Rolle würden dabei die USA spielen, die dank ihrem bedrohlichen Vorgehen eine weitere Eskalation durch Abschreckung verhindern. Der Geostratege argumentiert also entlang des so genannten "Neorealismus", einer an sich veralteten politikwissenschaftlichen Denkschule, die internationale Beziehung vor allem als ein auf Konflikten basierendes Schachspiel versteht. Wie auch bei anderen Vertretern dieser Theorieschule, spielen für Brzeziński Diplomatie, Dialog und Kommunikation nur eine untergeordnete Rolle und haben in der Regel nur den Zweck Drohungen auszusprechen, um die Umsetzung der eigenen Interessen sicherzustellen.

Quelle: RT

Ebenfalls aus dem vergangenen Jahrtausend sind Brzezińskis Vergleiche: Russlands Präsident Wladimir Putin sei im Grunde wie Hitler, nur das letzter weniger Interesse an eigener Bereicherung gehabt habe und Putin eine Spieler-Natur sei. Besonders bemerkenswert ist allerdings Brzezińskis Analyse der derzeitigen Stimmungslage in Deutschland. Die Deutschen, so ist der Stratege überzeugt, würden gegen Russland in den Krieg ziehen und die Polit-Elite sowieso:

"Kanzlerin Merkel wäre bereit zu kämpfen, und die Opposition wäre es auch."

Ohnehin mache Merkel einen "extrem guten Job". Eine Einschätzung die kaum verwundert, beachtet man, dass sich die Kanzlerin beispielsweise auch bei der Frage, ob das gewählte Parlament den Überwachungsskandal weiter untersuchen darf, eher nach der US-amerikanischen NSA als nach den Wünschen der bundesdeutschen Bevölkerung und Abgeordneten richtet.

Ansonsten folgt Brzezińskis ganze Argumentation einer äußerst simplen "Wir sind die Guten"-Logik, in der jedwede Aggression von Russland ausgeht und "der Westen", als vermeintlicher Gralshüter von Humanismus und Frieden, lediglich reagiere. Aussagen, die eigentlich kaum ernst zu nehmen sind, wenn man sich auch nur rudimentär mit den Geschehnissen in der Ukraine beschäftigt, die seit über einem Jahr die politische Agenda bestimmen. So erlaubte sich auch der Historiker Dr. Daniele Ganser einen umfangreicheren Blick auf den Kiewer Regime-Wechsel im Zuge der Maidan-Proteste und untersucht die aktive Rolle der USA bei diesen Vorgängen:

Weniger einseitig als Brzeziński äußerte sich erst kürzlich der frühere Spitzenpolitiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen Ludger Volmer im Deutschlandfunk. Dieser prangert nicht nur "Heuchelei und Doppelmoral des Westens" an, sondern betont auch, dass treibende Kräfte in den USA eine Partnerschaft mit Russland zu verhindern versuchen:

"Man muss allerdings auch sagen, dass starke Kräfte im Westen, insbesondere in den USA, diese Partnerschaft nicht wollten. Im Übergang von der Clinton- zur Bush-Regierung haben sich Kräfte durchgesetzt, die gesagt haben: Nachdem die Sowjetunion nun einmal gestürzt ist, werden wir Russland so stark schädigen, dass es sich nie mehr erholen kann. Und diese Kräfte sind leider heute immer noch wirksam in den USA."

Die Zeche für diese Politik zahlt bisher vor allem die deutsche Wirtschaft, die - anders als US-amerikanische Unternehmen - im hohen Maße unter den Handelssanktionen gegenüber Russland leidet. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Deutschen, entgegen der Einschätzung des fast 90-jährigen Brzezińskis, nicht bereitwillig als Kanonenfutter gegen Russland instrumentalisieren lassen.