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Harvard-Epidemiologe über Corona-Tests: "Ich finde es wirklich unverantwortlich"

Harvard-Epidemiologe über Corona-Tests: "Ich finde es wirklich unverantwortlich"
Die Kritik an den herkömmlichen und flächendeckend eingesetzten PCR-Tests nimmt unter Experten weiter zu
Das zu Beginn der sogenannten COVID-19-Pandemie von einer Arbeitsgruppe um den Virologen Christian Drosten entwickelte PCR-Testverfahren steht zunehmend in der Kritik. Es gilt als nicht mehr zeitgemäß. Dies erklärte unter anderen der US-Epidemiologe Michael Mina von der Harvard University.

Kürzlich erschien bei der vor allem in der westlichen Hemisphäre als über alle Zweifel erhaben geltenden New York Times (NYT) ein bemerkenswerter Artikel, in dem die Sinnhaftigkeit der auch hierzulande gängigen PCR-Tests untersucht wurde.

Proben für Corona-Tests mittels PCR-Verfahren, das allerdings nur molekulares Genmaterial des mutmaßlichen Coronavirus (SARS-CoV-2) nachweisen kann, nicht jedoch das Virus selbst und seinen

Behandelt wurden die Aussagen des renommierten Harvard-Epidemiologen und Immunologen Dr. Michael Mina, der Zweifel daran hegt, dass die um sich greifende Ausweitung der gängigen PCR-Tests in der aktuellen Situation der Corona-Krise noch zielführend ist.

"Die Standardtests", führt die NYT mit Bezug auf Mina aus, "diagnostizieren eine große Zahl von Menschen, die möglicherweise relativ unbedeutende Mengen des Virus in sich tragen".

Die meisten dieser Menschen sind wahrscheinlich nicht ansteckend, und ihre Identifizierung kann zu Engpässen beitragen, die verhindern, dass diejenigen, die ansteckend sind, rechtzeitig gefunden werden", heißt es weiter über das weltweit am häufigsten eingesetzte PCR-Testverfahren.

Es zähle daher nicht die Quantität der eingesetzten PCR-Tests, sondern vor allem deren Qualität hinsichtlich der tatsächlichen Aussagekraft.

Ich finde es wirklich unverantwortlich, auf die Erkenntnis zu verzichten, dass es sich um ein Problem der Quantität handelt", erläutert Mina.

Mina geht es jedoch nicht um eine Reduzierung der entsprechenden Tests, sondern um die Aussagekraft des immer umfangreicher eingesetzten Verfahrens, da dieses lediglich in der Lage sei, eine "simple Ja- oder Nein-Antwort zu liefern". Das sei jedoch nicht mehr "gut genug" in der aktuellen Phase der sogenannten Corona-Krise.

Wir haben für alles einen Datentyp verwendet, und dieser basiert lediglich auf Plus oder Minus – das ist alles. Wir verwenden es für die klinische Diagnostik, für die öffentliche Gesundheit, für politische Entscheidungen", kritisiert Mina das herkömmliche PCR-Testverfahren.

Die auch hierzulande ausgeweiteten PCR-Tests, die aktuell zu immer höheren "Infektionszahlen" führen, vermehren die genetische Substanz des Virus in Zyklen. Je weniger Zyklen erforderlich sind, desto größer ist die Virusmenge bzw. die Viruslast in der Probe. Je höher die Viruslast ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Patient ansteckend ist.

Basis dieses Verfahrens ist der sogenannte CT-Wert, oder auch "Zyklusschwelle" (cycle threshold). Je höher der Wert C ausfällt, desto geringer ist die tatsächliche Ansteckungsgefahr des Getesteten. Je weniger es bis zum Nachweis einer Corona-Infektion braucht, umso höher ist die Virenlast und damit die Ansteckungsgefahr durch die getestete Probe.

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Auch in Deutschland werden vor allem die vom Virologen Christian Drosten mitentwickelten PCR-Nachweisverfahren eingesetzt, die auf einem CT-Wert von 40 beruhen. Mina plädiert dahingegen für einen CT-Grenzwert von "30 oder sogar weniger".

Diese Anzahl von Vermehrungszyklen, die erforderlich ist, um das Virus zu finden, die sogenannte Zyklusschwelle, ist in den Ergebnissen, die Ärzten und Coronavirus-Patienten zugesandt werden, nie enthalten, obwohl sie ihnen Aufschluss darüber geben könnte, wie infektiös die Patienten (tatsächlich) sind", heißt es weiter im Artikel des Epidemiologen.

Die aktuell genutzten PCR-Testverfahren gelten daher immer mehr Virologen und Epidemiologen als zu empfindlich, um tatsächlich Aufschluss über die Infektiosität einer getesteten Person geben zu können.

Ich bin schockiert, dass die Leute denken, dass eine Zyklusschwelle von 40 ein Positiv darstellen könnte", erklärte etwa Juliet Morrison, Virologin an der Universität von Kalifornien.

Die gängige Praxis führt dementsprechend zu erheblichen Verzerrungen. So heißt es bei der NYT, dass 85 bis 90 Prozent der Menschen, die bei einer Zyklusschwelle von 40 im Juli positiv getestet wurden, bei einem entsprechenden Schwellenwert von 30 negativ getestet worden wären.

Hinzu kommt die aktuelle Debatte über falsch positive Testergebnisse der herkömmlichen PCR-Tests.

Es bestehe die Gefahr, dass Personen, die tatsächlich eine signifikante Viruslast in sich tragen, durch die aktuell flächendeckend eingesetzten Verfahren unerkannt bleiben. Daher gehe es nun darum, zielgerichteter, aber nicht weniger zu testen. Mina plädiert daher für den Einsatz "verschiedener Mechanismen", auch wenn diese weniger sensibel sind als die bisherigen PCR-Testverfahren, dafür aber den Nachweis einer tatsächlich signifikanten Viruslast der Getesteten erbringen. Auch der Berliner Virologe Christian Drosten plädierte zuletzt dafür, die üblichen PCR-Tests zu differenzieren.

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