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Asymmetrische Kriegführung: Tanker mit iranischem Öl im Visier der USA

Asymmetrische Kriegführung: Tanker mit iranischem Öl im Visier der USA
Angehörige der iranischen Streitkräfte, die in internationalen Gewässern in der Straße von Hormuz aus einem Sea-King-Hubschrauber auf dem Weg in die VAE im Eiltempo auf den zivilen Tanker WILA springen. 12. August 2020.
Seit der Festsetzung des iranischen Supertankers "Grace 1" durch britische Spezialkräfte Anfang Juli vergangenen Jahres hat sich der Schattenkrieg zwischen den USA und dem Iran auch auf die Weltmeere ausgeweitet. Nun wurde iranisches Öl für Venezuela beschlagnahmt.

Sechs Wochen lang wurde der Öltanker "Grace 1" auf Geheiß der US-Regierung im Sommer 2019 festgehalten, bis auch das letzte juristische Manöver ausgereizt und das Schiff für die Weiterfahrt freigegeben wurde. Als Grund für die Festsetzung wurde angegeben, dass der Iran Öl nach Syrien liefern wollte, was gegen US- und EU-Sanktionen verstoßen hätte.

Symbolbild.

Washington warnte daraufhin alle Mittelmeeranrainerstaaten, dass sie sich der "Terrorunterstützung" schuldig machen würden, wenn sie den in "Adrian Darya 1" unbenannten Tanker in ihre nationalen Gewässer oder Häfen aufnehmen sollten. 

Als Gegenmaßnahme setzte die iranische Revolutionsgarde den unter britischer Flagge fahrenden Tanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus fest, nachdem ihm vorgeworfen worden war, in iranischen Gewässern Sicherheitsregeln verletzt zu haben. Die Behörden ließen den Öltanker nach sieben Wochen frei.

Seitdem kam es immer wieder zu Zwischenfällen mit Tankern im Persischen Golf, die im Zuge der asymmetrischen Kriegführung sowohl der USA als auch des Iran zur Zielscheibe wurden. Selbst US-Kriegsschiffe wurden von Schnellbooten der Revolutionsgarde bedrängt. Das führte aber schließlich dazu, dass US-Präsident Donald Trump die Marine anwies, künftig herannahende iranische Boote zu zerstören. Im Gegenzug antwortete Generalmajor Hossein Salami, Chef der Revolutionsgarde, dass man für jede US-Provokation eine "vernichtende Antwort" bereithalte.

Eine besondere PR-Schlappe musste Washington hingegen im Mai hinnehmen, als der Iran trotz US-Sanktionen und Seeblockade Treibstoff und weitere Erdölprodukte nach Venezuela lieferte. Voll bewaffneten Kampfflugzeugen geleiteten die Öltanker in venezolanisches Gewässer; ein propagandistischer Erfolg für beide Länder.

Vier Öltanker – die Bella, Bering, Luna und Pandi – sollten US-Angaben zufolge erneut 1,1 Millionen Barrel Treibstoff aus dem Iran nach Venezuela liefern. Allerdings sollten sie nie in dem lateinamerikanischen Land ankommen, wie nun bekannt wurde. Ein US-Regierungsbeamter, der namentlich nicht genannt werden wollte, erklärte der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), dass die gesamte Fracht konfisziert und aufgrund der Sanktionen in den Besitz der Vereinigten Staaten von Amerika überführt wurde. Dabei sei es zu keiner militärischen Gewaltanwendung gekommen. 

Wegen US-Seeblockade: Venezuelas Marine wird iranische Tanker zu seinen Ufern geleiten

Fregatten der Marine Venezuelas beim Manöver

Stattdessen hätten US-Beamte die Kapitäne der vier Tanker, Versicherer und Reeder ebenfalls mit Sanktionen gedroht, sollten sie ihre Reise nach Venezuela fortsetzen.

Es ist nicht auszuschließen, dass dabei auch sehr viel Geld geflossen ist. Denn wie die Financial Times im vergangenen Jahr berichtete, verfolgte auch der inzwischen zurückgetretene Leiter der Iran Action Group (IAG) des US-Außenministeriums, Brian Hook, dieselbe Strategie. Er kontaktierte damals den Kapitän des Supertankers "Adrian Darya 1", Akhilesh Kumar, und bot ihm in verschiedenen E-Mails einen Millionenbetrag als Bestechung an. 

Mit diesem Geld können Sie jedes Leben führen, dass Sie sich wünschen, und es wird Ihnen im Alter gutgehen. (…) Wenn Sie nicht diesen einfachen Weg wählen, wird das Leben für Sie viel härter werden.

Kumar war nicht der einzige Kapitän von iranischen Tankerschiffen, der von Hooks Büro kontaktiert wurde. Allerdings wurde bisher kein Fall bekannt, in dem diese Strategie von Erfolg gekrönt war. Bis gestern. 

Unklar bleibt hingegen, wo sich die vier Tanker zurzeit befinden. Sie haben schon seit Wochen ihre Transponder ausgeschaltet. Die Nachrichtenagentur Reutersberichtete, dass nach Angaben eines Regierungsbeamten der Treibstoff auf andere Tanker umgeladen wurde, um ihn dann in die USA zu bringen. 

Der iranische Botschafter in Venezuela, Hodschat Soltani, bestreitet hingegen vehement die Medienberichte. Es handele sich dabei um "eine weitere Lüge und psychologische Kriegführung aus der Propagandamaschinerie der USA", schrieb er auf Twitter und bezeichnete Trump als einen "Terroristen".  

Die vier Tanker seien nicht aus dem Iran, und "weder der Eigner noch die Flaggen haben etwas mit dem Iran zu tun", schrieb Soltani weiter. Tatsächlich fuhren die Tanker unter libanesischer Flagge, damit hat Soltani Recht. Zu der Fracht, bei der es sich US-Angaben zufolge um iranischen Treibstoff handelt, äußerte sich der Botschafter aber nicht.

Am selben Tag, nach Bekanntwerden der Konfiszierung des mutmaßlichen iranischen Treibstoffs, wurde ein weiterer Zwischenfall mit einem Öltanker bekannt. Eine Sondereinheit der iranischen Marine setzte am Mittwoch für etwa fünf Stunden den unter liberianischer Flagge fahrenden Tanker "MT Wila" fest. Ein Schiff der US-geführten Marinemission für den Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf und der Straße von Hormus befand sich in der Nähe und filmte den Vorfall.      

Die Hintergründe dieses Vorfalls sind unklar. Vom betroffenen Öltankers gab es weder vor noch nach der kurzzeitigen Festsetzung einen Hilferuf. Die USA verlangen deshalb eine Erklärung der iranischen Behörden und verurteilten die "eklatante Verletzung des Völkerrechts". Auch die griechischen Betreiber des Tankers, IMS SA mit Sitz in Piräus, wollten sich bis jetzt nicht dazu äußern.

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