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Studie über Vermögen in Deutschland: Die Reichen werden immer reicher, die meisten werden ärmer

Studie über Vermögen in Deutschland: Die Reichen werden immer reicher, die meisten werden ärmer
Bildmontage @RT
Seit der Wiedervereinigung ist die Vermögenskonzentration hierzulande extrem gestiegen – zu Ungunsten des Großteils der Bevölkerung. Immobilien- und Aktienboom haben dies begünstigt. Das ergab die erste umfassende Analyse von langfristiger Vermögensungleichheit in Deutschland.

Hierzulande ist besonders seit der Wiedervereinigung die Konzentration von Reichtum immens gestiegen, wie die aktuelle Studie "Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018" des Exzellenzclusters "ECONtribute" der Universitäten Köln und Bonn zeigt.

Rund 30 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland sparen bei Lebensmitteln – etwa beim Gemüse.

Seit 1993 konnten die reichsten 50 Prozent der Deutschen ihr Vermögen verdoppeln, während die untere Hälfte der Bevölkerung dagegen kaum etwas dazugewann. Der Anteil der unteren 50 Prozent der Deutschen am Gesamtvermögen hat sich seither sogar fast halbiert.

Noch gravierender sind die Zahlen zu den oberen zehn Prozent der Haushalte, die im Jahr 1993 durchschnittlich noch 50 Mal reicher waren als die unteren 50 Prozent – bis 2018 verdoppelte sich diese Zahl.

Die Studie basiert auf historischen Steuerdaten, Studien und Umfragen sowie Reichen-Rankings der letzten 125 Jahre und wurde am Donnerstag dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in Berlin überreicht.

Die Autoren rund um den Bonner Ökonomen Prof. Dr. Moritz Schularick führen diese Polarisierung auf den Immobilien- sowie den Aktienboom zurück:

Denn wer ein Haus, eine Wohnung oder andere Vermögenswerte besitzt – und vorher bereits genügend Vermögen auf der Seite hatte, um sich solches zu leisten –, konnte im vergangenen Jahrzehnt von den gestiegenen Preisen profitieren.

Der renommierte französische Ökonom Thomas Piketty, Gründungsdirektor der Paris School of Economics, warnt insbesondere Deutschland, aber auch den Rest Europas vor dieser mittlerweile allzu deutlichen Entwicklung:

Es wird deutlich, dass die Wohlstandsunterschiede nach wie vor extrem hoch sind und seit den 1990er-Jahren zugenommen haben. Der begrenzte Zugang zu Eigentum und wirtschaftlicher Teilhabe der unteren Bevölkerungshälfte sowie die große Konzentration von Reichtum und wirtschaftlicher Macht an der Spitze sollten Deutschland und Europa insgesamt Sorgen bereiten.

Aktuelle Statistiken bewerten zudem das Gesamtvermögen deutscher Haushalte zu niedrig. Insbesondere die vielen Kapitalgesellschaften sowie Quasi-Kapitalgesellschaften werden in Deutschland statistisch viel zu gering eingeschätzt, so Studienautor Schularick. Er erklärt:

Wenn man internationale Bewertungsmethoden anlegt, dann sehen wir, dass das deutsche Betriebsvermögen 2018 rund vier Billionen Euro und das Immobilienvermögen mehr als neun Billionen Euro betrug. Damit wurde das deutsche Betriebsvermögen um bis zu zwei Billionen Euro zu niedrig bewertet.

Symbolbild: Die Schere zwischen Reich und Arm geht immer weiter auseinander.

Bundesfinanzminister Scholz, der die Studie am Donnerstag in Berlin entgegennahm, sagte, sie leiste einen wichtigen Beitrag zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Debatte.

Sozialer Zusammenhalt kann nur gelingen, wenn alle am Wachstum und Erfolg unserer Gesellschaft teilhaben, sagte Scholz.

Martin Schürz, Ökonom und individualpsychologischer Analytiker, erforscht Reichtum und den Effekt auf politische Entscheidungen. In einem Interview mit Der Freitag (05/2020) legt er dar, warum besonders Überreichtum für die Demokratien gefährlich ist. Für Schürz ist jemand dann zu reich, wenn er mithilfe seines Vermögens die Möglichkeit hat, die Demokratie zu zerstören. Denn Überreiche haben andere Vorstellungen zur Wirtschaftspolitik als der Rest der Bevölkerung und ein enormes Drohpotenzial, betont Schürz.

Wenn ihnen die Ausrichtung der nationalen Steuerpolitik nicht passt, können sie ihr Vermögen in Steueroasen verlagern. Das erhöht den Druck auf die Wirtschaftspolitik, sich nach den Wünschen der mächtigen Überreichen zu richten.

Der deutsche Philosoph Christian Neuhäuser setzt die Grenze zum "Überreichtum" niedriger an. In seinem Buch "Wie reich darf man sein?" definiert er Überreichtum ab dem Punkt, wenn man sich drei durchschnittliche Jahresgehälter zur Seite legen kann.

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