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Machtkampf um die Waffenschmiede Heckler & Koch

Machtkampf um die Waffenschmiede Heckler & Koch
Waffen-Präsentation von Heckler & Koch.
Eine Luxemburger Holding mit Vermögen in einer Steueroase will die Waffenschmiede Heckler & Koch erwerben. Nun ringen die Großaktionäre des Rüstungskonzerns um Einfluss. Die Hauptversammlung der Aktionäre war von einem Machtkampf geprägt.

von Susan Bonath

Das Kriegsgeschäft ist die Goldgrube dieser Tage. Heckler & Koch (H&K) spielt als größter deutscher Produzent von Handfeuerwaffen dabei ganz vorne mit. Um den Konzern, der in den vergangenen Jahren immer wieder wegen illegaler Waffenlieferungen und Preisabsprachen im Fokus der Justiz stand, ist nun ein Machtkampf zwischen zwei Großaktionären entbrannt. Dieser spielte in einer außerordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre am Donnerstag die Hauptrolle.

Nur einen Tag zuvor war nach langem Rätselraten bekannt geworden, dass die Luxemburger Finanzholding "Compagnie de Développement de l'Eau" (CDE) die Mehrheitsanteile der Aktiengesellschaft übernehmen soll. Ein entsprechender Antrag wird aber bereits seit 19 Monaten vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft, das bei Rüstungsfirmen einem Verkauf zustimmen muss.

Vermögen im Steuerparadies

Bisher hält die Mehrheitsanteile der Investor Andreas Heeschen. Seit dem Jahr 2015 ist die CDE aber bereits mit im Boot. Sie hält nach eigenen Angaben seither 5,1 Prozent der Aktien. Heeschen und die Holding ringen nun offenbar um den Einfluss im Aufsichtsrat der Waffenschmiede.

So beantragte die Holding am Donnerstag die Abwahl des derzeitigen Vorsitzenden dieses Gremiums, Harald Kujat. Das geht aus nun veröffentlichten Dokumenten des Konzerns hervor. Damit scheiterte die CDE jedoch, weil Heeschen die Stimmenmehrheit hat und hinter Kujat steht. Der war früher Generalinspekteur der Bundeswehr, von 2002 bis 2005 leitete er den NATO-Militärausschuss. Außerdem hat Heeschen einen eigenen Sitz im Aufsichtsrat beansprucht. Die CDE hatte sich dagegen positioniert.

Hinter der luxemburgischen Holding CDE steht der milliardenschwere französische Fondsmanager und Großinvestor Nicolas Walewski mit seinem Privatvermögen. Laut dpa lässt er letzteres von einem Treuhänder mit Sitz in Barbados verwalten. Die Karibikinsel gilt als Oase für vermögende Steuerflüchtlinge.

Schulden, Selbstbedienung, Lohnsenkung

Die CDE wirft dem Aufsichtsratschef Kujat mangelnde Wirtschaftskompetenz vor. H&K rutschte 2017 in die roten Zahlen. Aktuell summieren diese sich nach Auskunft des Konzerns auf knapp 237 Millionen Euro, beim Einstieg Heeschens seien es 2,5 Millionen Euro gewesen. Bereits 2015 habe letzterer millionenschwere Aktien an die CDE verpfändet, sagte deren Finanzvorstand Björn Krönert.

Auch habe Heeschen sowohl als Privatmann sowie als Eigner weiterer Firmen Darlehen von H&K beansprucht. Diese habe er nur teilweise zurückgezahlt. Eine dreistellige Millionensumme habe der Rüstungskonzern abschreiben müssen.

Nach Angaben von H&K geht es aber aktuell wieder schrittweise mit kleineren Gewinnen bergauf. Erkauft hat sich der Rüstungskonzern auch bei der IG Metall. In diesem Sommer stimmte die Gewerkschaft einem Lohnverzicht der Beschäftigten zu. Das Unternehmen setzte die wöchentliche Arbeitszeit unentgeltlich von 35 auf 37,5 Stunden herauf. Auch auf die jährlichen Einmalzahlungen von 400 Euro verzichtet die Belegschaft, um H&K aus den Schulden zu holen.

Ein Bundeswehr-Soldat mit einem G36-Sturmgewehr in Bruchsal, Deutschland, 10. August 2016.

Unerreichbarer Hauptaktionär?

Seit die CDE bei H&K mitmischt, haben die Querelen allerdings nicht abgenommen. So klagt beispielsweise ein Ex-Geschäftsführer namens Nicola Marinelli seit 2016 gegen den Konzern auf Auskunft. Nach eigener Auffassung hatte Marinelli seinen Posten verloren, weil sich die Machtverhältnisse im Unternehmen zugunsten des französischen Anteilseigners verschoben hatten.

Marinelli fordert eine hohe Abfindung, die ihm H&K für einen solchen Fall zugesichert habe. Das Landgericht Rottweil habe bisher jedoch vergeblich versucht, Heeschen vorzuladen. Angeblich kann es den Hauptaktionär nicht erreichen, wie das Manager-Magazin am 11. Dezember berichtet hatte. Heeschen hatte zuvor gegenüber der Presse jedoch versichert, er entziehe sich keineswegs dem Gericht und habe einen festen Wohnsitz in Großbritannien. Allerdings ist er sonst kaum greifbar. Beim Aktionärstreff am Donnerstag fehlte er ebenfalls.

"Kritische Aktionäre" protestieren

Vor dem Ort des Aktionärstreffen in Rottweil protestierten Friedensaktivisten gegen die Machenschaften bei H&K. Ihr Motto: "Egal, wer auf dem Thron sitzt: Waffenexporte stoppen!" Aufgerufen hatte dazu unter anderem das Bündnis "Kritische Aktionäre". Deren Mitglieder mischen sich über eigene Aktienanteile sowie Stimmrechtsübertragungen ein.

Der "Kritische Aktionär" Jürgen Grässlin hatte somit beantragt, die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder des Schuldenkonzerns zu streichen. Seine Begründung: Der Aufsichtsrat arbeite trotz anders lautender Bekundungen intransparent und komme seinen Kontrollpflichten nicht nach.

So liefere etwa der Konzern weiterhin Waffen an Staaten mit Defiziten bei der Einhaltung von Menschenrechten, wie Indonesien, der Oman und Malaysia. Hinzu kämen undurchsichtige Besitzverhältnisse am Konzern, das "Schuldendesaster", ein "zerrüttetes Vertrauensverhältnis zwischen Führung und Belegschaft" und diverse Justizskandale, darunter illegale Waffenlieferungen nach Mexiko.

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