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Lukrative Rezepte für Krebsmedikamente: Razzia bei Ärzten und Apothekern wegen Abrechnungsbetrugs

Lukrative Rezepte für Krebsmedikamente: Razzia bei Ärzten und Apothekern wegen Abrechnungsbetrugs
Herstellung von Infusionen gegen Krebs ist ein lukratives Geschäft. (Symbolfoto)
Wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs mit Krebsmedikamenten haben hunderte Polizisten am Dienstagmorgen 47 Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen durchsucht. Ein großer Hersteller von Zytostatika in Hamburg steht im Zentrum der Ermittlungen.

Der Betrugsschaden soll in Millionenhöhe liegen. Ärzte, Apotheker und Pharma-Manager sollen beim lukrativen Geschäft mit Krebsmedikamenten gemeinsame Sache gemacht haben. Hunderte Polizisten haben am Dienstagmorgen knapp 50 Räumlichkeiten von Firmen und Privatpersonen in und um Hamburg durchsucht. Die Ermittlungen richteten sich gegen 14 Beschuldigte, darunter neun Ärzte, drei Apotheker und zwei Geschäftsführer von Pharmafirmen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg, Nana Frombach.

Ein pharmazeutisch-technischer Assistent produziert im Labor einer Apotheke in Deutschland Medikamente gegen Krebs. In Deutschland gibt es insgesamt 330 sogenannter Onkologie-Schwerpunktapotheken, die Zytostatika herstellen.

Marktführer bei Herstellung von Infusionen gegen Krebs

Im Zentrum der Ermittlungen stehe ein Hamburger Hersteller von Zytostatika, die zur Chemotherapie von Krebspatienten verwendet werden. Laut einem Bericht von Zeit Online und des ARD-Magazins Panorama handele es sich dabei um das Unternehmen "ZytoService". Es sei der Marktführer bei der Herstellung von Infusionen gegen Krebs in Deutschland. Die Firma soll Ärzte bestochen haben, um an Rezepte für Krebspatienten zu kommen. Neben sogenannten "Kickback-Zahlungen" von mehr als einer halben Million Euro hätten die Ärzte auch rückzahlungsfreie Darlehen, Luxusfahrzeuge zur Nutzung oder Praxiseinrichtungen erhalten, hieß es.

Die Rezepte seien dann an eine konzernnahe Apotheke gegangen und zu Unrecht bei den Kassen abgerechnet worden. Allein der Techniker Krankenkasse soll seit Januar 2017 ein Betrugsschaden von 8,6 Millionen Euro entstanden sein.

Schaden liege "deutlich in Millionenhöhe"

Insgesamt seien 47 Durchsuchungsbeschlüsse an 36 Adressen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen vollstreckt worden. An dem Einsatz seien 420 Polizisten und sechs Staatsanwälte beteiligt gewesen, sagte Frombach. Durchsucht wurden demnach Büros, Praxen, Wohnungen, Apotheken und ein Krankenhaus.

Es geht um Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen und Abrechnungsbetrug, beides im Zusammenhang mit der Verordnung und Abrechnung von Zytostatika", sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach.

Der potenzielle Schaden liege "deutlich in Millionenhöhe". Haftbefehle gegen Beschuldigte lägen aber nicht vor. Zunächst sollten mögliche Beweise sichergestellt werden. Betroffen waren auch die Räumlichkeiten eines Gesundheitsunternehmens in der Hamburger Innenstadt. Polizisten trugen dort am Morgen Umzugskartons zum Abtransport der Beweismittel in die Geschäftsräume.

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(rt deutsch/dpa)

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