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Nach grauenvollen Misshandlungen und Betrug bei Tierversuchen: Ein Labor muss schließen

Nach grauenvollen Misshandlungen und Betrug bei Tierversuchen: Ein Labor muss schließen
Hunde und andere Tiere verenden nach schmerzhaften und teils unnützen Quälereien in Tierversuchslaboren. Das Bild aus dem LPT-Labor Mienenbüttel stammt von SOKO Tierschutz.
Nach der Aufdeckung des grauenvollen Umgangs mit Affen, Hunden und Katzen im Tierversuchslabor bei Hamburg steht dieses nun vor der Schließung. Außer der Tierquälerei hatte sich das Labor des Betrugs schuldig gemacht, mehrfach wurden Testergebnisse gefälscht.

Nach beinahe 60 Jahren Tierversuchen muss das Tierlabor LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG) in Mienenbüttel schließen. Videos der Undercover-Tierschützer von SOKO Tierschutz und Cruelty Free International hatten Mitte Oktober gezeigt, wie Versuchstiere dort unsägliche Qualen erleiden mussten und teilweise grauenhaft verendeten. Hunde waren reihenweise an ihren Beinen aufgehängt, Affen hängend an den Köpfen fixiert worden, das Labor war blutverschmiert.

Tierquälerei, groß angelegter Betrug und Körperverletzung

Außer den Bildern von unfassbarer Tierquälerei, die um die ganze Welt gingen, hatten Tierrechtler darauf verwiesen, dass das streng geheim gehaltene Innere des Labors von größerem öffentlichem Interesse ist, da mehrfach Testergebnisse verfälscht wurden. Nach den Berichten über das LPT hatten sich in den vergangenen Wochen mehrere ehemalige Mitarbeiter des Labors, auch von den anderen Standorten in Hamburg und Schleswig-Holstein, gemeldet und bestätigt, dass dies seit Langem gängige Praxis sei, nicht nur in Hamburg. Am Standort Kiel beispielsweise hatte eine Frau gearbeitet, die vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung der ARD mitteilte, wie zu ihrer Zeit zig Tiere bei den Versuchen getötet, dem Auftraggeber dann aber andere Ergebnisse vorgelegt wurden. Eine weitere ehemalige Mitarbeiterin hat mehr als zehn Jahre am Standort in Hamburg gearbeitet und sagt, dass sie selbst zahlreiche Fälschungen von Ergebnissen vorgenommen hat. Hätten Testergebnisse nicht den Erwartungen entsprochen, sei sie angehalten worden, diese entsprechend vormarkierten Ergebnisse zu "verbessern". Das Ganze sei auch nach ihrer Tätigkeit von anderen Mitarbeitern des LPT weitergeführt worden.

Tierschützer und die Grünen Niedersachsen haben Strafanzeige gegen LPT-Geschäftsführer Dr. Jost Leuschner wegen mehrfachen gewerbsmäßigen Betrugs und Körperverletzung durch gefährliche Medikamente gestellt. Die Staatsanwaltschaft Stade wurde eingeschaltet, und auch aus der Bevölkerung gab es viele Proteste. Eine an Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas gerichtete Petition, die die Schließung des Tierlabors fordert, erhielt über 30.000 Unterschriften. Während die Unterstützer zumeist auf die Tierquälerei verweisen, die aufgrund alternativer Methoden heutzutage nicht notwendig sei, war das aus Sicht der Behörden gewichtigere Argument wohl, dass aufgrund der Fälschungen alle Studien aus dem Labor in Frage stünden und somit auch die Gesundheit von Menschen gefährdet sei.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat daraufhin keine weiteren Genehmigungen für Tierversuche erteilt und bereits erteilte Genehmigungen widerrufen. Am Sonntag verkündete SOKO Tierschutz "Mienenbüttel macht dicht", auch der NDR berichtete über die Schließung des LPT Labors, die laut einem internen Schreiben zum 29. Februar 2020 geplant sei. Bis dahin werde noch eine Primatenstudie für den Pharmakonzern Merck zu Ende geführt, das Unternehmen bestreitet allerdings, dass es sich um eine Studie an Affen handelt.

Intransparente, aber notwendige Tierversuche?

Ein Aktivist hatte sich als Mitarbeiter in das Tierlabor in Mienenbüttel eingeschleust und über längere Zeit die unhaltbaren Zustände dokumentiert. Erst das veröffentlichte Videomaterial führte zu dem öffentlichen Aufschrei und den Ermittlungen sowie letztendlich zur Schließung des Labors. Doch was ist mit anderen Laboren in Deutschland? Was passiert hinter ihren Zäunen und Mauern, wenn Tierschützer nicht die Kamera draufhalten? 

Ein Mitarbeiter des betreffenden Labors erklärte gegenüber RT Deutsch unter der Voraussetzung der Anonymität, auch er möge keine Tierversuche, jedoch seien diese noch immer vorgeschrieben und somit Voraussetzung für die Zulassung von Arzneimitteln und anderen Chemikalien. Er selbst arbeite in einer anderen Abteilung und habe keinen direkten Kontakt zu den Versuchslabors.

Ich sah auch zum ersten Mal den Umgang mit den Affen. Ich muss gestehen, dass ich, auch wenn es wirklich grausam aussieht, keinen anderen Weg kennen würde, ein wildes Tier 'stillzuhalten', um eine Infusion zu geben, ohne das Tier zu verletzen. (…) Wenn Sie mit Tierversuchen einverstanden sind, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass kein Tier eine Infusion bekommen will und daher die Tiere fixiert werden müssen. Wenn Sie mit Tierversuchen nicht einverstanden sind, gibt es viele demokratische Methoden (z.B. Petitionen, politische Abstimmungen u.a.), um Dinge zu ändern (z.B. neue Impulse für Gesetzesänderungen).

Dass dann verletzte Tiere in ihrem blutigen Elend sich selbst überlassen werden, ist jedoch sicherlich nicht vorgeschrieben, andererseits scheint der Staat sich diesbezüglich auch nicht wirklich einzumischen.

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Über das LPT-Labor sagte SOKO-Tierschutz-Gründer Friedrich Mülln, dass kein Tier lebend herauskomme, aber auch keine Information, das Labor sei ein "schwarzes Loch". Seine seit Jahren umstrittenen Tierversuche hatte das Labor anscheinend ungehindert durchführen können, obwohl es immer wieder Proteste, Enthüllungen und eine bis jetzt laufende Kampagne für die Schließung gegeben hat. Auf der Website des Labors sind lediglich Phrasen zu lesen wie:

Mit unserer exzellenten wissenschaftlichen Expertise stellen wir sicher, dass unsere Arbeit von allen Aufsichtsbehörden akzeptiert wird.

Nach grauenvollen Misshandlungen und Betrug bei Tierversuchen: Ein Labor muss schließen
Top secret – und kein Tier kommt lebend heraus.

Für weitere Informationen ist ein Login erforderlich. In der Tat war dieses Labor sei Jahren umstritten. Eine Kampagne richtete sich auch an die Geschäftspartner des Labors – Tierzüchter, Laborbedarfshersteller, Techniker und andere –, denn "ohne diese Geschäftspartner kann LPT das tägliche Morden nicht durchführen", hieß es dort. Der Fokus auf Geschäftspartner war im Fall des britischen Tierversuchslabor HLS (Huntingdon Life Sciences) erfolgreich gewesen, konnte das Labor doch letztendlich nicht einmal mehr ein Bankkonto eröffnen. Nicht einmal der Bürgermeister hatte eine Vorstellung davon, was im Inneren des Labors vor sich geht, da ihm von LPT lange der Zutritt verwehrt wurde.

Noch im Jahr 2013 hieß es laut Internet Wayback Machine auf der Website:

200 Angestellte testen für Sie Mittel für den tierärztlichen und menschlichen Gebrauch, industrielle Chemikalien, Pestizide und Nahrungszusätze.

Ein groß angelegtes Unterfangen also, offenbar nicht vorrangig für die Grundlagenforschung, sondern ausgerichtet auf den Bedarf privater Unternehmen. Allein in Deutschland wurden laut der Statistik über Versuchstiere des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft(BMEL) im Jahr 2017 gut zwei Millionen Tiere verwendet, ein Großteil von 59 Prozent angeblich unter nur geringer Belastung. Das BMEL hält Tierversuche für unerlässlich, obwohl bereits zahlreiche Alternativen bestehen. Einige werden auch auf der Internetseite des Ministeriums benannt, etwa Zellkulturen und computergestützte Verfahren.

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Friedrich Mülln, Gründer von SOKO Tierschutz, prangert jedoch die Bundesregierung an, da Deutschland zum einen die meisten Versuchstiere töte, die meisten Tierversuchseinrichtungen bei schlechtesten Standards habe. Auch die Europäische Union hatte Deutschland Rechtsbruch beim Tierschutz vorgeworfen.

Doch auch Wissenschaftler und ehemalige Mitarbeiter des LPT hinterfragen die Notwendigkeit von Tierversuchen, sogar ganz unabhängig von den verfälschten Ergebnissen. 

Das Schlimmste ist, das es sich einem einfach nicht erschließt, was die Versuche eigentlich für die Humanmedizin oder den Auftraggeber bringen soll. An einem Tag wurden jeweils 5 Makaken und 5 Schweine mit Feuerlöschschaum eingesprüht. Nach 30 Minuten hat man deren Haut dann auf Reizungen und Verätzungen untersucht. Danach hat man den Tieren den Schaum mit hohem Druck direkt in die Augen gesprüht. Die Augen wurden vorher so fixiert, dass ein Schließen nicht möglich war", so eine ehemalige Mitarbeiterin des LPT in einem Insiderbericht samt entsetzlichen Details über die seit Jahren 'mit Leichtigkeit' an den Tieren verübten Grausamkeiten.

Tierschutzorganisationen wie PETA und SOKO Tierschutz, aber auch Veterinärexperten und Wissenschaftler stehen dem gesamten Tierversuchsbetrieb sehr skeptisch gegenüber. Laut dem Verein Ärzte gegen Tierversuche sind die Ergebnisse der mit Milliarden von Steuergeldern geförderten Tierversuche selten wirklich auf Menschen übertragbar, sodass ganze 95 Prozent der aufgrund von Tierversuchen für den Menschen als wirksam und ungefährlich geltenden Medikamente bei klinischen Studien mit Menschen durchfallen und keine Marktzulassung erhalten. 

Schicksal der Tiere aus dem LPT-Labor ungewiss

Laut Medienberichten soll noch eine Studie an Primaten zu Ende geführt und die übrigen Affen zu einem Großhändler in die Niederlande geschafft werden, von dem die Tiere auch stammen sollen.

Bereits am vergangenen Donnerstag wurden 76 Labor-Affen abtransportiert. Ein weiterer Transport sei angemeldet, erklärt Andres Wulfes, Pressesprecher des Landkreises Harburg, im Gespräch mit DeineTierwelt. Doch wie viele der insgesamt 250 Versuchsprimaten wirklich lebendig das Labor verlassen, könne das Amt nicht sagen. 

Wir wissen schlichtweg nicht, ob auch wirklich so viele abgeholt werden, wie angemeldet wurden", so Wulfes.

Auch das Schicksal der anderen Tiere bleibt ungeklärt.

Alle Hunde und Katzen sind noch im Labor. Ihr Schicksal ist ungewiss", heißt es bei SOKO Tierschutz.

Zusammen mit Cruelty Free International, dem Hamburger Tierschutzverein und einem Bündnis, dem sich zahlreiche Tierschutzvereine des Deutschen Tierschutzbundes angeschlossen haben, fordert SOKO Tierschutz die Übergabe der verbliebenen Tiere an den Tierschutz.

Es gibt für jedes Tier einen Platz. Die Zivilbevölkerung wird nicht zulassen, dass diese Tiere, die im LPT teilweise seit vielen Jahren leiden, verschachert oder getötet werden", so Friedrich Mülln.

Zudem plant LPT demnach, seine zwei weiteren Labore in Hamburg und Schleswig-Holstein auszubauen, in denen rund 12.000 Tiere "vergiftet und gequält" werden. SOKO Tierschutz fordert von den Regierungen in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein die sofortige Schließung der LPT-Labore, die Beschlagnahme der Tiere und die Überprüfung aller Studien der letzten 15 Jahre. Für Samstag, den 16. November haben Tierschützer zu einer Großdemo in Hamburg aufgerufen, bei der neben der Schließung des LPT die Abschaffung von Tierversuchen gefordert wird.

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