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Terre des Femmes: Dramatische Zunahme bei weiblichen Genitalverstümmelungen in Deutschland

Terre des Femmes: Dramatische Zunahme bei weiblichen Genitalverstümmelungen in Deutschland
(Symbollbild). Ein selbstgemachtes Instrument im Dorf Alakas an der Grenze zu Kenia, Nordost-Uganda, 31. Januar 2018.
Es sind erschreckende Zahlen: Laut Hochrechnungen der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes sind rund 70.000 Mädchen und Frauen in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen. Auch in Berlin nehmen die Fälle zu.

Die NGO Terre des Femmes veröffentlichte am Donnerstag die jährliche Dunkelzifferstatistik zu weiblichen Genitalverstümmelungen. Die Zahlen zeigen eine dramatische Zunahme. Rund 70.000 Mädchen und Frauen sind in Deutschland aktuell betroffen. Das ist ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Anstieg von unglaublichen 44 Prozent gegenüber 2016.

Ein Mädchen, das der Volksgruppe der Massai angehört, wartet in einer kenianischen Schule auf den Beginn einer Aufklärungsveranstaltung, die sich gegen Genitalbeschneidungen richtet. In Kenia sind rund 60 Prozent der Frauen von verschiedenen Formen dieser Verstümmelungspraxis betroffen.

Die Zahlen der Organisation beruhen auf Hochrechnungen. Terre des Femmes geht allerdings davon aus, dass die wahre Zahl sogar höher liegt. Erschreckend: Auch in Berlin nimmt die Anzahl der Fälle zu. Es sollen rund 4.000 Frauen von Beschneidung betroffen sein. Fast 700 Mädchen seien gefährdet, beschnitten zu werden.

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes, sagte bei der Vorstellung der Statistik:

Der Handlungsbedarf ist enorm, um gefährdete Mädchen zu schützen.

Als Grund für den Anstieg nannte Charlotte Weil, Referentin zu Genitalverstümmelung bei Terre des Femmes, die verstärkte Migration aus Ländern wie Somalia, Eritrea und dem Irak. In Somalia sind 98 Prozent der Frauen von Genitalverstümmelung betroffen, in Eritrea 83 Prozent, im Irak sind es acht Prozent.

"Fachkräfte sind nicht fortgebildet oder sensibilisiert", so Weil. Deutsche Lehrerinnen und Lehrer seien mit dem Problem überfordert und wüssten häufig nicht, was zu tun sei, wenn sie befürchten, dass bei einem Mädchen in der Schule eine Beschneidung bevorsteht.

"Es ist ein großes Problem, dass Fachkräfte in Deutschland nicht für das Thema sensibilisiert sind. Es ist weder Teil des Lehramts-, noch des Medizinstudiums oder der Hebammen-Ausbildung", so Weil weiter. Obwohl gerade diese Fachkräfte höchstwahrscheinlich in ihrem Leben mit Betroffenen oder Gefährdeten in Kontakt kommen.

Terre des Femmes fordert da auch schon lange, dass Gelder dafür bereitgestellt werden müssen, damit diese Fachkräfte fortgebildet werden können.

Genitalverstümmelung wird an Mädchen und Frauen vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter vorgenommen, in den meisten Fällen vor Beginn oder während der Pubertät. Sie ist mit starken Schmerzen verbunden, kann schwere körperliche und psychische Schäden verursachen und führt nicht selten zum Tod.

Tatsächlich soll es in Berlin ab 2020, als erstem Bundesland, eine Koordinierungsstelle geben, um effektiver gegen Genitalverstümmelung vorzugehen. Die Stelle soll in die betroffenen Gemeinden wie auch in die Verwaltungen einwirken sowie bestehende Angebote verknüpfen und ergänzen.

Auch die Fortbildungen für Fachkräfte sollen hier koordiniert werden. Rund 120.000 Euro wurden hierfür jeweils für die Jahre 2020 und 2021 in den neuen Doppelhaushalt eingestellt, der im Dezember beschlossen wird. Die Beschneidungen werden im Ausland durchgeführt – sogenannte "Ferienbeschneidungen".

Das typische Alter, in dem eine Beschneidung an Frauen, oder besser Mädchen, vorgenommen wird, liegt zwischen null und 15 Jahren. Laut Terre des Femmes seien Fälle von in Deutschland durchgeführten Beschneidungen nicht bekannt. Häufig kündigten die Familien ein großes Fest im Heimatland an, auf das sich die Mädchen sogar freuten – ohne zu ahnen, was sie wirklich erwartet.

In den letzten zehn Jahren sei es aber auch vermehrt zu innereuropäischen "Beschneidungsreisen" gekommen. Bekannt sind Fälle in Frankreich, wo Beschneiderinnen eingeflogen wurden, um gleich mehrere Beschneidungen durchzuführen.

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