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Neue Lieblingskunden Ungarn und Ägypten: Deutsche Rüstungsexporte vor Rekordmarke

Neue Lieblingskunden Ungarn und Ägypten: Deutsche Rüstungsexporte vor Rekordmarke
(Symbolbild). Ein Leopard-2-Panzer während einer Übung in Münster, Deutschland, am 20. Mai 2019. Ungarn hatte 2018 einen Vertrag zur Lieferung von 44 neugefertigten Leopard-2-A7-Panzern unterschrieben.
Für rund zwei Jahre gingen die Genehmigungen für Rüstungsexporte zurück. Jetzt geht die Kurve wieder steil nach oben – trotz verschärfter Richtlinien und eines Exportstopps für einen ehemaligen Top-Kunden. Dafür stehen jetzt andere Länder an der Spitze.

Die deutschen Rüstungsexporte steuern in diesem Jahr auf einen Spitzenwert zu. Bis Ende September stiegen die Ausfuhrgenehmigungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 6,35 Milliarden Euro. Damit nähert sich das Exportvolumen den bisherigen Rekordwerten aus den Jahren 2015 und 2016 von 7,86 beziehungsweise 6,85 Milliarden Euro an. Die Zahlen der ersten drei Quartale gehen aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegen soll.

Bereits zur Jahreshälfte hatten die Exportgenehmigungen mit 5,3 Milliarden Euro die des gesamten Vorjahres (4,8 Milliarden) übertroffen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte das mit der langen Hängepartie bei der Regierungsbildung nach der Wahl 2017 erklärt. Dadurch sei ein Entscheidungsstau entstanden und der sprunghafte Anstieg daher "nur scheinbar überraschend", sagte er damals.

Indirekte Beteiligung am Konflikt im Jemen

Die mit Abstand meisten Exporte wurden mit 1,77 Milliarden Euro für den EU- und NATO-Partner Ungarn genehmigt. Die dortige Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban, sonst gern ein Ziel von deutscher Kritik in Sachen "Demokratie", rüstet derzeit massiv auf und will die Verteidigungsausgaben verdoppeln. Dahinter folgt das an der von Saudi-Arabien geführten Kriegsallianz im Jemen beteiligte Ägypten mit 802 Millionen Euro. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein weiteres Land aus diesem Bündnis, das gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft, unter den Top Ten der Empfängerländer. Mit 206 Millionen Euro steht der ölreiche Golfstaat auf Platz neun.

Rüstungsmesse IDEX in Abu Dhabi (Bild vom 19. Februar 2017): Deutschland will keine Marktanteile verlieren und gibt grünes Licht für eine erneute Lieferung an die VAE.

Inzwischen haben sich die VAE aber mit Saudi-Arabien überworfen und den Abzug ihrer Truppen aus dem Jemen angekündigt. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag im März 2018 vorgenommen, Exporten an die "unmittelbar" am Jemen-Krieg beteiligten Staaten einen Riegel vorzuschieben. Es wurden aber Ausnahmen zugelassen. Ein kompletter Exportstopp wurde nach der Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi allerdings gegen Saudi-Arabien verhängt.

Im Juli hatte die Bundesregierung nach monatelangem Ringen auch ihre 20 Jahre alten Exportrichtlinien für Rüstungsgüter überarbeitet und leicht verschärft. Danach wird die Lieferung von Kleinwaffen in Länder außerhalb von NATO und EU nun grundsätzlich nicht mehr genehmigt. Zudem soll der Verbleib bereits exportierter Waffen stärker kontrolliert werden.

"Weniger wert als heiße Luft"

Vor allem die SPD dringt in der Koalition auf eine restriktive Genehmigungspraxis. Für den Grünen-Politiker Nouripour ist das aber angesichts anhaltender Lieferungen an Mitgliedsländer der Jemen-Kriegsallianz "weniger wert als heiße Luft". "Es ist extrem bitter, dass der heutigen SPD die Gewinne der Rüstungsindustrie wichtiger sind als Frieden", sagte er.

Unter den zehn wichtigsten Empfängerländern deutscher Rüstungsgüter sind neben den VAE und Ägypten mit Algerien auf Platz 7 (238 Millionen Euro) und Katar auf Platz 8 (212 Millionen Euro) zwei weitere arabische Staaten. Daneben finden sich in den Top Ten vier NATO-Staaten (neben Ungarn sind das die USA, Großbritannien und Norwegen) sowie zwei Länder, die bei Rüstungsexporten ähnlich wie NATO-Staaten behandelt werden: Australien und Südkorea.

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(rt deutsch/dpa)

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