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Leipziger Bioladen listet Zulieferer aus – weil dessen Inhaber AfD-Politiker ist

Leipziger Bioladen listet Zulieferer aus – weil dessen Inhaber AfD-Politiker ist
Ein Leipziger Bioladen listet Lieferanten aus. Die Begründung: Dessen Eigentümer ist Lokalpolitiker der AfD. Der Mailwechsel der Kontrahenten offenbart die gesellschaftliche Spaltung des Landes und die Mechanismen, die zur Einengung des Meinungskorridors führen.

Der Leipziger Biolebensmittelhändler Biomare hat einen seiner Zulieferer ausgelistet, weil dessen Inhaber AfD-Kreisvorstand ist. Das gab die Firma, die in Leipzig drei Bioläden betreibt, auf ihrer Internetseite bekannt. Bei dem Zulieferer handelt es sich um die Spreewälder Hirsemühle. In der Biomare-Mitteilung heißt es wörtlich:

Die wichtigste Aufgabe von Biomare sehen wir darin, ein nachhaltiges Sortiment zusammenzustellen. Darin haben Produkte aus einem Hause, das sich gegen mehrere wichtige Kriterien für Nachhaltigkeit stellt, keinen Platz. Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Spreewälder Hirsemühle gegen die Werte von Biomare und der gesamten Bio-Branche.

Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken waren – wieder einmal – extrem kontrovers. Einige Nutzer drückten dem Biohändler ihren Respekt aus und bedauerten, keinen seiner Läden in der Nähe zu haben, andere nannten dessen Vorgehen undemokratisch und zogen Parallelen zum Boykott jüdischer Geschäfte unter dem NS-Regime.

Dankenswerterweise hat Biomare den E-Mail-Wechsel zwischen dem Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens, Malte Reupert, und dem Inhaber der Spreewälder Hirsemühle und AfD-Lokalpolitiker Jan Plessow veröffentlicht. Dessen Name wurde geschwärzt. Der Mailwechsel ist ein Dokument des Aneinandervorbeiredens, des Beleidigtseins und der Rechthaberei und damit ein Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik des Jahres 2019.

In einer Mail vom 16. Juli kündigt Reupert der Spreewälder Hirsemühle die Zusammenarbeit auf und begründet dies so:

Ihre Partei, die AfD, leugnet den menschengemachten Klimawandel und bekämpft eine aktive Klimaschutzpolitik. (…) Außerdem vertritt die AfD gesellschaftspolitische Standpunkte, die nicht nur den Grundsätzen der Nachhaltigkeit widersprechen, sondern auch viele von uns ganz persönlich ausgrenzen und herabwürdigen. (…)

Mit Ihrer Mitgliedschaft in der AfD geben Sie ein klares politisches und menschliches Statement ab. Sie stellen sich damit gegen die wichtigsten Ziele von Biomare. Sie machen sich selbst als ökologischer Unternehmer höchst unglaubwürdig. Dies macht uns eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen unmöglich. Wir listen daher Ihre Produkte aus unserem Sortiment aus.

Der Tonfall ist herablassend, doch immerhin kommt vom hohen moralischen Grund am Ende eine Art Dialogangebot:

Wir hoffen, dass unsere klare Positionierung ein Denkanstoß sein kann. Für einen konstruktiven Dialog stehen wir zur Verfügung.

Der AfD-Politiker und Eigentümer der Hirsemühle Plessow überschlägt sich in seiner Antwort vom 25. Juli fast vor Empörung. Er nennt Reupert einen Linksradikalen und vermutet in ihm (nachvollziehbarerweise, aber zu Unrecht) einen Westdeutschen. Seine Antwort an Reupert erfolge "in der Hoffnung, noch auf ein Fünkchen demokratisch-freiheitlichen Restverstandes zu stoßen". Er beschwert sich, dass ihm Reupert in "Stasi-Manier" nachspioniert habe und vergleicht die Zustände mit denen in der DDR.

Plessow weist auf die argumentativen Lücken und Auslassungen bei den grünen Lieblingsthemen Migration, Energiepolitik und "Klimaschutz" hin und verteidigt die Rolle seiner Partei folgendermaßen:

Diese Fragen und Probleme müssen und können doch mal diskutiert werden, die gehören in die Öffentlichkeit, denn sie sind skandalös, weil komplett unsinnig.

Der AfD-Politiker unterlegt seine Aussagen mit Ausschnitten aus Pressemeldungen. Inhaltlich setzt er zwar manchen Punkt, allerdings trägt er mit seiner Art der Argumentation und seinem Tonfall auch dazu bei, dass kein Dialog mit Reupert in Gang kommt. Am Ende beschwert sich Plessow noch einmal, dass sein politisches Engagement mit seiner unternehmerischen Tätigkeit in Verbindung gebracht wird:

Was ein Engagement eines Menschen in einer Partei mit dem Produkt zu tun hat, das in seinem Unternehmen hergestellt wird, hätte ich gerne nochmal näher erklärt bekommen.

Die folgenden Mails bringen wenig Neues. Reupert bestreitet in einer weiteren Mail, dass es in Deutschland überhaupt relevante Probleme gebe – und versucht so, die Existenzberechtigung der AfD in Frage zu stellen, deren Sprache und Politik die der "Vernachlässigten und Zu-Kurz-Gekommenen" sei:

Genauer gesagt, derjenigen, die sich so fühlen. Denn die Realität in Deutschland ist ja eine ganz andere: Wir sind bei Wohlstand, Demokratie, öffentlichen Institutionen, innerer und äußerer Sicherheit und sozialer Absicherung jeweils unter den besten 10 Staaten auf der Welt. Und an diesen Fakten ändert auch die wunderliche Sucht vieler Menschen, vergleichsweise kleine Restprobleme aufzubauschen, nichts.

Plessow seinerseits beklagt sich in seiner letzten Mail in dramatischen Worten, dass Reupert versuche, ihm und seiner Familie die Existenz zu zerstören:

Herr Reupert, sie greifen mich an! Sie stellen mich an den öffentlichen Pranger, diffamieren mich und versuchen perfiderweise, meine Lebensgrundlage zu zerstören. Ist ihnen in ihrem totalitären Furor klar, dass außer meiner Existenz auch die meiner Kinder und die Existenzen meiner Mitarbeiter mit ihren Kindern zur Disposition stehen?

Davon will der Biomare-Chef natürlich nichts wissen. In seiner Mail vom 19. August weist er darauf hin, dass auch andere und größere Händler die Produkte der Spreewälder Hirsemühle ausgelistet hätten, aus denselben Gründen wie Biomare. Für seinen früheren Zulieferer hat er noch einen Rat übrig:

Wenn Ihnen so viel liegt an der Listung in unserer Branche, dann müssen Sie gemeinsame Werte und Kernziele teilen. Lassen Sie eine CO2-Bilanz für Ihr Unternehmen erstellen und setzen Sie sich ein verbindliches Ziel, bis wann Sie Ihr Unternehmen auf Klimaneutralität umgestellt haben. Beschäftigen und bilden Sie Flüchtlinge aus, unsere Wirtschaft und unser Rentensystem ist dringend auf deren Leistung angewiesen.

Aus dem Vorgang und den ihn dokumentierenden Mailwechsel lassen sich im wesentlichen zwei Schlüsse ziehen. Zum einen belegt er die bestehende Spaltung zwischen relevanten Teilen der deutschen Gesellschaft, die aufgrund der moralischen Aufladung der Streitthemen so tief ist, dass ein sachlicher Dialog nicht mehr möglich erscheint. 

Zum anderen ist der Vorgang ein Beispiel für die wirtschaftliche Sanktionierung von Positionen, die vom Mainstream abweichen, aber eben nicht illegal sind. Anders ausgedrückt: Mit wirtschaftlichen Mitteln wird hier für die Einschränkung des Meinungskorridors gesorgt, natürlich im Namen des "Guten".

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