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Abschlussbericht im Armbrust-Fall: Die fünf Toten bildeten eine sektenähnliche Gruppe

Abschlussbericht im Armbrust-Fall: Die fünf Toten bildeten eine sektenähnliche Gruppe
Durch Armbrustpfeile, wie die hier bei einem Schießtraining im chinesischen Lishui, wurden Mitte Mai im bayerischen Passau zwei Menschen getötet. Der Fall sorgte für große mediale Aufmerksamkeit.
Drei Tote in einer Pension in Passau, erschossen mit einer Armbrust - die Nachricht sorgte im Mai tagelang für Schlagzeilen. Der Tod zweier Frauen in Niedersachsen ließ den Fall noch mysteriöser erscheinen. Nun gaben Ermittler Details zum Armbrust-Fall bekannt.

Sie träumten wohl von einer besseren Welt und glaubten sich mehrfach wiedergeboren. Der Mann und die vier Frauen, die im Mai tot in Bayern und Niedersachsen gefunden wurden, bildeten eine sektenähnliche Gruppe. Das geht aus dem Abschlussbericht der Polizei hervor, der nun, drei Monate nach den mysteriösen Armbrust-Morden in Passau und zwei toten Frau in Wittingen, vorgelegt wurde. Der bringt ein wenig Licht ins Dunkel und bestätigt Vermutungen, nach denen es sich bei der Gruppe um eine Art Sekte handelte.

Im Zusammenhang mit dem Armbrust-Fall Passau haben Ermittler zwei weitere Leichen in Niedersachsen gefunden. Die toten Frauen wurden in einem Haus in Wittingen (hier im Bild) eines der Passauer Opfer entdeckt. Das zweigeschossige Fachwerkhaus wurde mit einem Flatterband abgesperrt.

Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass eine 30-Jährige ihre beiden Begleiter in der Pension mit deren Einverständnis tötete und sich dann selbst das Leben nahm. Dem Passauer Oberstaatsanwalt Walter Feiler zufolge war der 53 Jahre alte Mann wohl der Kopf der sektenähnlichen Gruppe und hatte mehrere Frauen um sich geschart.

Zwei Opfer waren mit K.o.-Tropfen betäubt 

Mit einer von ihnen, seiner 33-jährigen Partnerin, starb er Hand in Hand in einem Doppelbett in der Pension - dem Obduktionsbericht nach betäubt mit K.o.-Tropfen. Die 30-jährige Dritte im Bunde schoss mehrere Pfeile auf die beiden und tötete sich dann mit einem Schuss. Sie lag vor dem Bett auf dem Boden, neben sich eine Armbrust. Mitarbeiter der Pension fanden die Leichen am 11. Mai in dem Zimmer, das die Gruppe am Abend zuvor gemeinsam bezogen hatte.

Die im niedersächsischen Wittingen tot gefundenen 19 und 35 Jahre alten Frauen sind laut Feiler wohl an einer Vergiftung gestorben. Mit vier bis fünf weiteren Frauen hätten sie die Gruppe um den 53-Jährigen gebildet. Die noch lebenden Frauen "geben sich zugeknöpft" - ebenso weitere Zeugen, wie etwa der Geschäftspartner sowie der Sohn des 53-Jährigen. Sie könnten etwas wissen über die Vorgänge, so Feiler.

"Welterneuerer und Welterschaffer" - Glaube an mehrfache Wiedergeburt

Ein Stück weit konnten die Ermittler das Puzzle zusammensetzen: Die Gruppe habe sich als "Welterneuerer und Welterschaffer" gesehen und geglaubt, schon mehrfach wiedergeboren worden zu sein, sagte Feiler und berief sich auf Zeugenaussagen. Mit ihrem Tod hätten sie das "Dasein" verlassen, "um an anderem Ort oder zu anderer Zeit eine neue Welt oder ein neues System zu erschaffen". Als eine der wichtigsten Zeugen gelte eine Aussteigerin aus der Gruppe.

Die Pension liegt inmitten idyllischer Natur an der Ilz, einem Nebenfluss der Donau, im Bayerischen Wald. Die drei Leichen wurden am Samstag von einem Zimmermädchen entdeckt.

Dieser zufolge habe der 53-Jährige sexuelle Kontakte zu den Frauen gehabt und sich um sie gekümmert, sagte Feiler. Die Frauen seien wohl seelisch labil gewesen. Der 53-Jährige soll dominant und manipulativ gewesen sein und als Kampfsporttrainer und Psychologe gearbeitet haben. Ob er wirklich eine Ausbildung als Psychologe hatte, ist den Ermittlern nicht bekannt. Zudem betrieb er einen Mittelalterladen.

Vorliegende Testamente und Patientenverfügungen  

Die Mittelalter-Szene spiele den Erkenntnissen nach wohl nur am Rande eine Rolle. Der Mann sei auf Mittelaltermärkten unterwegs gewesen und habe etwa Schwertkämpfe angeboten. Dass die Gruppe eine Armbrust als Tatwaffe wählte, habe wohl den einfachen Grund, dass Armbrüste leicht zu bekommen seien, sagte der Oberstaatsanwalt. Unklar blieb demnach, weshalb sich der Mann und die zwei Frauen ausgerechnet in Passau töteten.

Ihre letzte Reise hatte die Gruppe Feiler zufolge über mehrere Städte und rund 1.200 Kilometer aus dem Westerwald nach Österreich und letztlich nach Passau geführt. In manchen Hotels hätten sie sich für sieben Tage eingemietet, bar bezahlt und seien dann aber noch am selben Tag wieder abgereist. Dass sie Testamente und Patientenverfügungen bei sich hatten, lasse darauf schließen, dass sie schon bei Reiseantritt wussten, dass sie sich umbringen würden.

(dpa/rt deutsch)

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