Deutschland

Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: Kinder ärmerer Familien zunehmend ausgegrenzt

Finanzschwache Familien werden immer mehr abgehängt und insbesondere Kinder dadurch ausgegrenzt. Zu dem Schluss kommt der Paritätische Gesamtverband in einer Studie. Das Familienministerium verweist auf aktuelle Reformen, die Studie bezieht sich auf frühere Jahre.
Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: Kinder ärmerer Familien zunehmend ausgegrenzt

Vielen Familien reicht das laufende Einkommen nach einer neuen Studie nicht zur Deckung ihres Grundbedarfs. Zugleich habe die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland zugenommen, teilte der Paritätische Gesamtverband am Donnerstag in Berlin unter Berufung auf eine eigene Erhebung mit. Zu leiden hätten nicht zuletzt Kinder.

Die Unterstützung etwa des Bildungspakets reiche trotz Verbesserungen nicht aus, kritisierte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. Er forderte unter anderem eine existenzsichernde Kindergrundsicherung, die allen Kindern zusteht und mit steigendem Einkommen abgeschmolzen wird.

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Ein Sprecher des Familienministeriums wies die Kritik des Verbands als "irreführend" zurück, da sie neue Reformen nicht berücksichtige. Er verwies auf Verbesserungen durch das Kindergeld, das sogenannte "Starke-Familien"- und das "Gute-Kita"-Gesetz. Ab August werden unter anderem durch das Bildungs- und Teilhabepaket höhere Leistungen gewährt. So gibt es beispielsweise für Kinder in Hartz-IV-Familien und Geringverdiener-Haushalten statt 100 Euro nun 150 Euro pro Schuljahr, auch Zuschüsse für Sportverein oder Musikschule steigen, Mittagessen in der Schule und Fahrkarten für Bus oder Bahn werden für Betroffene kostenlos. Sozialminister Hubertus Heil (SPD) betonte zudem, die Zuschüsse würden massiv entbürokratisiert.

Seit 1. August sind diejenigen von Kita-Gebühren befreit, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen. Seit Juli wurde das Kindergeld angehoben und der Zuschlag zum Kindergeld erneuert. Im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes bekommen die Länder bis zum Jahr 2022 rund 5,5 Milliarden Euro vom Bund.

Für die Erhebung hat der Verband eine Auswertung der Einkommens- und Verbrauchsstichproben des Statistischen Bundesamts mit Daten von 2003 bis 2013 herangezogen. Er stellte Ergebnisse am Beispiel von Paaren mit einem Kind dar. Demnach betrug das Einkommen bei den zehn Prozent dieser Familien am unteren Ende der Verdienstskala 2013 im Schnitt 1.550 Euro. Bei den zehn Prozent dieser Familien mit den höchsten Einkommen waren es 8.642 Euro. Der Durchschnitt betrug demnach 3.762 Euro.

Damit sei das Einkommen der ärmsten Familien innerhalb von zehn Jahren im Schnitt um 3,2 Prozent gesunken. Bei den reichsten habe es seit 2003 um 0,8 Prozent zugelegt. Auch die Durchschnittseinkommen hätten zugenommen, nämlich um 1,6 Prozent.

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Den Familien am unteren Ende der Einkommensskala sei es im Schnitt nicht gelungen, ihre Ausgaben für den Grundbedarf aus dem Einkommen zu decken. Im Schnitt hätten diese Ausgaben 2013 um 135 Euro über dem Einkommen gelegen. Viele Familien müssten deshalb Schulden machen.

Die Ausgaben für Kinder gingen laut der Erhebung binnen zehn Jahren bis 2013 bei den ärmeren Familien um 5,5 Prozent zurück. Im Durchschnitt seien sie um zwei und bei den wohlhabendesten Familien mit einem Kind sogar um elf Prozent angestiegen.

Rund 600 Euro im Monat gibt eine Familie durchschnittlich pro Kind aus, so die Studie. Die ärmsten zehn Prozent der Haushalte mit einem Kind konnten jedoch gerade einmal 364 Euro für ihr Kind aufbringen. Die reichsten zehn Prozent der Familien zahlten für ihr Kind hingegen im Schnitt 1.200 Euro im Monat.

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