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Getöteter Achtjähriger in Frankfurt: Verdächtiger wurde wegen Messerangriffs zuvor gesucht

Getöteter Achtjähriger in Frankfurt: Verdächtiger wurde wegen Messerangriffs zuvor gesucht
An Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs, dem Ort, an dem am Vortag ein achtjähriger Junge von einem Mann vor einen einfahrenden ICE geschubst und getötet wurde, haben Menschen Blumen, Kerzen und Plüschtiere niedergelegt.
Es sind weitere Details über den Verdächtigen bekannt geworden, der am Montag eine Frau und einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE geschubst haben soll. Der Mann lebte seit 2006 in der Schweiz und wurde seit Tagen von der Polizei gesucht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundespolizeipräsident Dieter Romann erklärten nach einem Treffen der Sicherheitsbehörden in Berlin, dass der mutmaßliche Täter von Frankfurt am Main seit dem vergangenen Donnerstag von der Schweizer Polizei gesucht werde. Der Mann habe seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, eingesperrt und sei dann geflohen. Daraufhin sei er in der Schweiz zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Die Polizei steht am 29. Juli 2019 auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Erst wenige Minuten zuvor kam es auf Gleis 7 zu einem Zwischenfall. Ein Mann hatte eine Frau und ein Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen.

Auch die Kantonspolizei Zürich erklärte bei einer ebenfalls am Dienstag einberufenen Pressekonferenz, dass die Frau des 40-Jährigen am 25. Juli die Polizei alarmiert habe. Als die Einsatzkräfte eintrafen, war die Ehefrau mit ihren Kindern im Alter von zwei, drei und vier Jahren sowie einer Nachbarin im Haus eingesperrt. Zuvor soll er die Nachbarin mit einem Messer attackiert haben. Der Mann war bereits geflüchtet. Die Frauen beschrieben den Gewaltausbruch gegenüber der Polizei als völlig überraschend und erklärten, dass "sie ihn noch nie so erlebt hätten". Seit dem Vorfall wurde er gesucht. 

Keine Hinweise darauf, dass eine besondere Gefahr vom Mann ausgeht

Wo sich der 40-Jährige danach aufhielt und warum er nach Deutschland reiste, wird immer noch ermittelt. Nach Angaben der Schweizer Polizei habe es keinen Grund für eine internationale Fahndung gegeben.  

Wir hatten absolut keine Anhaltspunkte, dass der Mann einen Bezug ins Ausland, insbesondere nach Deutschland hatte. Das war der Grund, warum keine Ausschreibung im Schengenraum eingeleitet wurde.

Bei diesem Angriff in der Schweiz habe es demnach keine Hinweise gegeben, dass eine besondere Gefahr vom Mann ausgehe. Für die Zürcher Polizei war dies ein "gewöhnlicher" Fall häuslicher Gewalt. Erst durch die Tat in Frankfurt habe er plötzlich eine neue Wendung erhalten.

Bereits im Laufe des Dienstags teilten die Schweizer Ermittler via Twitter mit, der 40-Jährige habe bis zuletzt im Kanton Zürich gelebt. Er war demnach mit eritreischer Staatsbürgerschaft im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Die Polizei teilte auch am Dienstag mit, dass der Mann bis Januar 2019 gearbeitet habe, danach aber bis heute wegen psychischer Beschwerden krank geschrieben gewesen sei. Zudem bestätigten sie Medienberichte, wonach der 40-Jährige bei den Zürcher Verkehrsbetrieben angestellt war. Derzeit können sie aber nicht sagen, wie lange er dort gearbeitet hatte.

Der Mann lebte unauffällig mit seiner Familie in der Schweiz

Bei einer Hausdurchsuchung seien Dokumente gefunden worden, die auf eine psychische Erkrankung und eine entsprechende Behandlung hindeuteten. Hinweise auf eine Radikalisierung oder ideologische Motive des Täters seien bei den Ermittlungen und der Hausdurchsuchung nicht gefunden worden.

Der Polizei war er bisher nur wegen eines geringfügigen Verkehrsdelikts bekannt. Er galt als gut integriert und "lebte unauffällig" mit seiner Familie im Ort Wädenswil im Kanton Zürich.

Der Mann war Mitglied der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft und lebte unauffällig mit seiner Familie in der Schweiz", sagt der stellvertretende Polizeikommandant Bruno Keller.  

Der 40-jährige Eritreer war 2006 illegal in die Schweiz eingereist und beantragte Asyl. 2008 wurde sein Antrag bewilligt, er bekam später eine Niederlassungsbewilligung. Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft gab der Mann an, vor wenigen Tagen von Basel mit dem Zug nach Frankfurt gefahren zu sein. In Deutschland sei er bislang nicht polizeibekannt gewesen. Am Dienstagnachmittag wurde er dem Haftrichter vorgeführt und muss nun in Untersuchungshaft. Ihm wird Mord und versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen. 

Er soll einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet haben. Zuvor soll er auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett geschubst haben, die 40-Jährige konnte sich noch auf einen schmalen Fußweg zwischen den Gleisen retten und wurde verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stammen die Mutter und der Junge aus dem Hochtaunuskreis. Auch eine dritte Person wurde attackiert, doch die 78-Jährige konnte sich wehren und in Sicherheit bringen. Sie erlitt einen Schock und leichte Verletzungen an der Schulter.

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