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30 Jahre nach Mauerfall: Ramelow fordert neue Nationalhymne

30 Jahre nach Mauerfall: Ramelow fordert neue Nationalhymne
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow wünscht sich eine neue Nationalhymne. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall würden viele Ostdeutsche nicht mitsingen, sagt der Linke-Politiker zur Begründung. Die Idee, die Hymne zu verändern, ist allerdings nicht ganz neu.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. "Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden", sagte der Linke-Politiker der Rheinischen Post.

Symbolbild: Neue Bundeswehr-Rekruten erhalten ihre Uniformen, Deutschland, 6. Dezember 2016

Bei der Nationalhymne handelt es sich um die dritte Strophe des "Liedes der Deutschen" von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ("Einigkeit und Recht und Freiheit"). Die Nazis ließen nur die erste Strophe singen ("Deutschland, Deutschland über alles"), gefolgt vom berüchtigten Horst-Wessel-Lied.

Ganz neu ist die Forderung von Ramelow nicht

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall würden viele Ostdeutsche die Hymne nicht mitsingen, sagte Ramelow weiter. "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten. Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt." Er plädierte für einen neuen Text, "der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins".

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widersprach Ramelow: "Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Emotionen bei unserer Nationalhymne sind. Ich singe sie sehr gern und verbinde damit genau diesen großartigen Teil unserer Geschichte - die friedliche Revolution, Helmut Kohl und die Deutsche Einheit." Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. "Das 'Lied der Deutschen' spiegelt die wechselvolle Geschichte unseres Landes – gerade deshalb soll die 3. Strophe unserer Nationalhymne bleiben."

Ganz neu ist die Forderung von Ramelow nicht. Bereits als PDS-Landtagsfraktionschef in Thüringen hatte er 2005 eine neue Nationalhymne vorgeschlagen. "Wir brauchen eine Hymne in Deutschland, auf die sich alle Menschen positiv berufen können und die nicht missbraucht werden kann", hatte er damals gesagt. Sein Vorschlag vor 14 Jahren: die "Kinderhymne" von Bertolt Brecht.

Der damalige thüringische CDU-Generalsekretär und heutige CDU-Landeschef Mike Mohring hatte Ramelow damals "fahrlässigen Umgang mit unseren nationalen Symbolen" vorgeworfen.

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Im vergangenen Jahr gab es zudem eine Diskussion um die Wortwahl in der Nationalhymne und damit um deren Wortlaut. Damals hatte Kristin Rose-Möhring als die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium vorgeschlagen, künftig statt "Vaterland" besser "Heimatland" und statt "brüderlich mit Herz und Hand" in Zukunft "couragiert mit Herz und Hand" zu singen. Auch Österreich und Kanada hatten ihre Hymnen in den vergangenen Jahren aus Gründen einer geschlechtlichen Gleichstellung abgeändert.

(dpa/rt deutsch)

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