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Gleichwertige Lebensverhältnisse: Regionale Unterschiede bei der Arztnetzdichte bleiben groß

Gleichwertige Lebensverhältnisse: Regionale Unterschiede bei der Arztnetzdichte bleiben groß
Die Bundesregierung hat als Ziel angegeben, auf gleichwertigere Lebensverhältnisse hinzuarbeiten. Die medizinische Versorgung bleibt eine schwierige Baustelle. Als Ursache sieht die Opposition auch das Zweiklassen-Gesundheitssystem.

Die Zahl der Praxisärzte in Deutschland ist weiter gestiegen – beim Versorgungsangebot für die Patienten gibt es jedoch immer noch große regionale Unterschiede.

Wie weit haben Sie es bis zum Arzt? Und dauert es oft mal länger mit dem nächsten Termin? Das kann quer durch Deutschland auch damit zu tun haben, wo jemand wohnt. Denn wie engmaschig das Netz der Praxisärzte ist, unterscheidet sich je nach Region immer noch ziemlich.

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Kein klarer Unterschied zwischen Ost und West

Am dichtesten ist das Netz in Freiburg im Breisgau mit 395,3 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Am wenigsten niedergelassene Mediziner in diesem Verhältnis gibt es mit 84,3 im Landkreis Coburg in Bayern. Das geht aus neuen Daten des Bundesarztregisters mit Stand Ende vergangenen Jahres hervor, die die Deutsche Presse-Agentur auswertete. Gerade bei Hausärzten gibt es Regionen, in denen die Situation angespannter ist.

Gesundheitsminister Spahn bei einem Besuch in einer Privatklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), 24. August 2018.

Bundesweit waren zum Stichtag 31. Dezember 2018 rund 148.600 Ärzte und 26.700 Psychotherapeuten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Kassenpatienten tätig. Da Ärzte zusehends Teilzeit arbeiten oder Angestellte statt Praxisinhaber sein wollen, bedeutet dies laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) aber tatsächlich nur einen Zuwachs von 0,2 Prozent.

Die Ressource Arzt ist und bleibt knapp", sagte KBV-Chef Andreas Gassen am Freitag.

Laut den neuen Daten ist das Arztnetz im vergangenen Jahr in allen Bundesländern im Vergleich zu 2017 dichter geworden. Am meisten Ärzte und Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohner haben demnach weiterhin die Stadtstaaten Bremen (296,2), Hamburg (295,7) und Berlin (285,9). Am wenigsten niedergelassene Mediziner in diesem Verhältnis gibt es in Brandenburg (185,8), der Kassenärzte-Region Westfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen (191,0) und Sachsen-Anhalt (193,8).

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Wie gut oder problematisch die Patientenversorgung in einer Region insgesamt ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Denn dazu tragen die Praxen der Kassenärzte natürlich nicht allein bei, sondern zum Beispiel auch Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen. Außerdem versorgen größere Städte zumindest beim Facharztangebot oft eine gewisse Umlandregion mit. So rangiert der Landkreis Landshut mit 87 Ärzten bezogen auf 100 000 Einwohner bei der Arztdichte bundesweit auf dem zweitletzten Platz. Die Stadt Landshut liegt dagegen mit einem Wert von 319 Ärzten sogar in der Spitzengruppe auf Platz acht, wie neue Zahlen des Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 zeigen.

Ein schlichter Unterschied nach Ost und West zeigt sich dabei nicht. Zwar ist Brandenburg bei der Arztdichte das Schusslicht aller Länder. Ebenfalls weniger als 200 niedergelassene Mediziner pro 100.000 Einwohner haben aber auch die Kassenärzte-Regionen Westfalen-Lippe, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Konkret kommt es für die Patienten darauf an, wie groß die Fläche ist, auf die sich eine bestimmte Ärztezahl verteilt. Und dann ist es entscheidend, wie gut oder dünn die Anbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist.

Um drohenden Mangel in bestimmten Regionen zu vermeiden, muss aus Sicht der Ärzte die Politik liefern.

Die einzig seriöse Antwort auf den Ärztemangel heißt: mehr Studienplätze", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es eigentlich genug Ärzte. Die seien aber gelegentlich falsch verteilt und hätten für Versicherte zumindest in manchen Fällen zu selten Sprechstunden. Die Kehrseite fehlender Praxen auf dem Land sind überlaufene Stadt-Praxen in bestimmten Vierteln. Teils werden Eltern abgewiesen, die neu einen festen Kinderarzt suchen.

Besonders im Blick steht das Netz der Hausärzte. Sie sind meist erste und häufigste Anlaufstellen für Patienten und sollten möglichst nicht so weit weg liegen. Auch hier geht die Abdeckung aber regional stark auseinander. Bundesweit spitze ist Kaufbeuren in Bayern mit 95,9 Hausärzten pro 100.000 Einwohner. Über der 90-Ärzte-Marke liegen auch Würzburg, Garmisch-Partenkirchen, Freiburg im Breisgau und Weimar. Von den zehn Kommunen mit der niedrigsten Hausarztdichte sind dagegen allein sechs in Nordrhein-Westfalen – darunter die Großstadt Duisburg (rund 500.000 Einwohner) mit 55 Hausärzten nach diesem Verhältnis.

Ausgerechnet bei Hausärzten zeichnen sich auch schon seit Längerem Schwierigkeiten bei der Nachfolge ab, wenn Praxisinhaber in den Ruhestand gehen. Und Hausärzte sind im Schnitt älter als Kollegen anderer Fachrichtungen. Das größte Problem damit droht laut Statistik in Rheinland-Pfalz, das die bundesweit ältesten Hausärzte (im Schnitt 56,4 Jahre) hat – fast jeder fünfte (18,9 Prozent) ist schon älter als 65. In Westfalen-Lippe sieht es nur wenig besser aus. Dagegen hat Mecklenburg-Vorpommern die vergleichsweise jüngsten Hausärzte mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren, nur 9,3 Prozent sind über 65.

Düsseldorf: Kinderärzte nach Tod eines Siebenjährigen freigesprochen (Symbolbild)

Der GKV-Spitzenverband mahnt "eine gemeinsame Anstrengung" an, um eine Versorgung auf hohem Niveau zu sichern – gerade auf dem Land, wenn Schulen, Bahnhöfe und Lebensmittelgeschäfte schon geschlossen sind.

Heute sehen sich die Organisationen der niedergelassenen Ärzte und der Kliniken zu oft als Konkurrenten um lukrative Patienten, statt Hand in Hand für deren gute Versorgung zusammen zu arbeiten", sagt Sprecher Florian Lanz.

Aus Sicht des Linke-Gesundheitsexperten im Bundestag, Achim Kessler, zeigen die massiven regionalen Unterschiede der Arztdichte eine immer noch sehr ungleiche Versorgung in Deutschland. Das Problem müsse endlich angepackt werden. Praxen in wirtschaftsschwachen Regionen seien schwerer zu besetzen als in Regionen, in denen viele privat versicherte Besserverdiener wohnen. Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung sei daher Hauptursache für eine schlechtere Versorgung in strukturschwachen Regionen. (dpa)

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