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BILD, SPIEGEL und das gestohlene Assange-Video – Ein Kavaliersdelikt?

BILD, SPIEGEL und das gestohlene Assange-Video – Ein Kavaliersdelikt?
Nicht geklaut: Das Foto der Nachrichtenagentur Reuters zeigt Assange nach seiner Festnahme in einem Polizeibus.
Auf der Jagd nach den aktuellsten Bildern geht im Nachrichtengeschäft manchmal der Überblick über die Urheberrechte verloren. Was einige deutsche Medien jetzt bei der Festnahme von Julian Assange gemacht haben, ist jedoch schlichtweg kriminell.

Dass die Nachrichtenagentur Ruptly mit russischen Steuergeldern finanziert wird, ist eigentlich kein Geheimnis. Dennoch heben die etablierten Medien die Verbindung zu Russland bei jeder Gelegenheit wie ein Warnschild hervor. Man könnte sich ja anstecken. So weit, so schlecht.

Die pausenlose Herabwürdigung, das "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern"-Geraune rührt von der moralischen Überlegenheit her, vermeintlich unabhängige Nachrichten zu produzieren, die Vielfalt an Perspektiven doch nur in ihrem schmalen Meinungskorridor anerkennt.

Trump:

Die Festnahme von Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft wurde unfreiwillig zum Lackmustest für manche der sich in Überlegenheit wähnenden "Qualitätsmedien".

Zufällig war nur der Kameramann von Ruptly vor Ort, als Assange aus der Botschaft gebracht wurde. Der Traum aller Medienmacher, eine Gelegenheit, die so vielleicht nur einmal im Leben kommt, fiel diesem Kollegen in den Schoß. Alle Redaktionen würden dieses exklusive Material verwenden. Nicht nur ein Prestige-, sondern auch ein finanzieller Gewinn.

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Zu stolz, um bei Russen zu kaufen?

Nun stellte sich bald heraus, dass einige Redakteure es anscheinend nicht mit ihrem Stolz vereinbaren konnten, das Video des Tages von den Russen kaufen zu müssen. Eigentlich eine einfache Sache, ein paar Klicks, vielleicht ein Anruf, und das Video stünde zur Verfügung.

Stattdessen wählte der SPIEGEL einen ganz anderen Weg. Zuerst sprach er von "ungeprüften Videobildern". Dann betteten die Redakteure einen Tweet der Daily Mail in ihren Artikel ein. Schließlich übernahmen sie die Aufnahme, aber von CNN. Der US-amerikanische Sender hatte die Lizenz von Ruptly gekauft und belegte die Quelle im Video durch einen Verweis.

BILD, SPIEGEL und das gestohlene Assange-Video – Ein Kavaliersdelikt?

Der SPIEGEL nahm das Video von CNN, machte die Einspielungen von CNN unkenntlich, um seine eigenen Texte darüber einzublenden. Ebenfalls verschwunden ist der Hinweis auf den Ursprung der Quelle. Wo auf dem CNN-Video oben rechts der Verweis auf Ruptly.tv stand, prangte das SPIEGEL-S und eine Tafel mit dem Wort "Earlier". Eventuell handelte es sich auch um eine Aufnahme aus einem laufenden Livestream von CNN.

Dass ausgerechnet der SPIEGEL nach der Relotius-Äffäre und dem missglückten AfD-Putin-Cover versucht, klammheimlich das Ruptly-Video zu verwenden, das durch die Umstände des Zustandekommens absolut unverwechselbar ist – dazu gehört schon eine Menge Chuzpe.

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Dreist, dreister, BILD

Noch dreister ging die BILD vor (wen wundert es?). Die Redakteure priesen das Video an und schalteten sogar Werbung einiger bekannter Firmen vor, machten also noch Kasse mit dem geklauten Video. Bei der BILD hielt man sich aber für schlauer als der SPIEGEL und klaute direkt bei Ruptly, um entlarvende Einspieler anderer Medien zu vermeiden.

BILD, SPIEGEL und das gestohlene Assange-Video – Ein Kavaliersdelikt?
Die "Quellenangabe" der BILD-Zeitung

Leider störte das Wasserzeichen. Also ließ man den Grafiker ran, um es sauber auszuschneiden. In der Eile haben die BILD-Redakteure übersehen, das ein Rest des Wasserzeichens noch zu sehen war. Auch die Quellenangabe ließ der Redakteur lieber weg. Das fiel jedoch noch mehr auf. Peinlich war dann auch noch der BILD-typische Seitenhieb im Text auf die russischen Medien. Dies fiel zuerst der Webseite Bildblog auf.

In einer späteren Version wurde auch dieser Lapsus korrigiert. Doch da hatte sich der peinliche Diebstahl schon im Internet herumgesprochen. Der BILD-ONLINE-Chefredakteur gab sich auf Twitter gewohnt souverän, zu konkreten Fragen wollte er dann lieber nicht Stellung nehmen.

Was man vielleicht als lustige Anekdote verbuchen möchte, hat doch einen ernsten Hintergrund. Niemand würde lachen, wenn Material von Reuters oder AFP ohne Entgelt verwendet würde. So funktioniert nun mal das journalistische Geschäft, und zwar nicht nur mit den "richtigen" Medien. Die russischen Propagandakanäle um ihr Geld zu betrügen, ist scheinbar ein Kavaliersdelikt, denn sie machen ja "nur" kremlgesteuerte Hetze. Wenn es allerdings zur hohen Kunst des Journalismus gehört, sich bei anderen Medien kostenfrei zu bedienen, dann sollten SPIEGEL, BILD und Co. sich gut überlegen, ob ihnen diese herablassende Haltung gut zu Gesicht steht.

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