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Berliner Senat gegen Hauptmann von Köpenick als Weltkulturerbe: "Zu militaristisch"

Berliner Senat gegen Hauptmann von Köpenick als Weltkulturerbe: "Zu militaristisch"
Heinz Rühmann als der Hauptmann von Köpenick (1956).
Einst wurde der Hauptmann von Köpenick als Glosse gegen preußischen Militarismus und Untertanengeist berühmt. Diese Symbolik ist offenbar beim linken Kultursenator nun vergessen. Der Senat stemmt sich gegen den UNESCO-Weltkulturerbe-Vorschlag für die Hauptmanns-Legende.

Eigentlich strebt ein Verein, angeführt vom CDU-Bundestagsabgeordneten Niels Korte, schon seit eineinhalb Jahren an, den "Hauptmann von Köpenick" als Weltkulturerbe zu etablieren. Jetzt stößt der Plan jedoch erstaunlicherweise auf den Widerstand des Berliner Senats. Die Berliner Stadtoberen begründen ihre Entscheidung, die Bewerbung für die nächste Ebene zu blockieren, damit, die ganze Geschichte sei zu militaristisch, wie die Berliner Zeitung berichtete.

Gregor Gysi bei seiner Rede auf dem Europaparteitag der Partei Die Linke am 23. Februar 2019 in Bonn.

Diese Entscheidung sei zunächst von einem Expertengremium des Landes getroffen worden. Danach habe auch die Verwaltung des Linken-Politikers und Kultursenators Klaus Lederer diesen harschen Tritt auf die Bremse ebenso befürwortet.

Die Berliner Zeitung zitiert aus der Begründung des Berliner Senats:

Da die Köpenickiade mit dem deutschen Kaiserreich und dem preußischen Militarismus verbunden und nicht mehr zur Identifikation geeignet ist, ist fraglich, ob und welche Bedeutung sie in unserer heutigen Gesellschaft noch hat beziehungsweise haben könnte."

Schon zeitgenössische Berichte erkannten 1906 dagegen in dem Vorfall ein Zeichen der Absurdität des preußischen Militarismus. Die Berliner Morgenpost schrieb seinerzeit nach der tatsächlichen Köpenickiade:

Daß ein ganzes Gemeinwesen mit allen seinen öffentlichen Funktionen, ja daß eine Abteilung Soldaten selbst auf so überwältigend komische und dabei doch völlig gelungene Art von einem einzigen Menschen düpiert wurde, das hat in unserem Lande der unbegrenzten Uniform-Ehrfurcht ein militärisches Gewand getan, mit dem sich ein altes, krummbeiniges Individuum notdürftig behängt hatte."

Der Kommentar der damaligen Berliner Volkszeitung ging in eine ähnliche Richtung:

Das Köpenicker Gaunerstückchen stellt sich dar als der glänzendste Sieg, den jemals der militaristische Gedanke in seiner äußersten Zuspitzung davongetragen hat. Das gestrige Intermezzo lehrt klipp und klar: Umkleide dich in Preußen-Deutschland mit einer Uniform, und du bist allmächtig.

Der aus Ostpreußen stammende Schuhmacher Wilhelm Voigt, seinerzeit der falsche Hauptmann von Köpenick, wurde jedoch nicht nur zum Symbol für die Absurdität des preußisch-deutschen Militärstaates, den schon der Militärschriftsteller Georg Heinrich von Berenhorst bereits hundert Jahre zuvor folgendermaßen charakterisiert hatte: "Die preußische Monarchie bleibt immer – nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquartiert steht." Er wurde auch zur Bezugsperson für die Masse der armen Bevölkerung, war er doch einer von ihnen, der den Obrigkeitsstaat und Untertanengeist hereingelegt und - wie Heinrich Mann später auch 1918 mit "Der Untertan" - auf seine Weise herausgefordert hatte.

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