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Grenell-Interview in der WamS: Wenn der Prokonsul zum Provinzvolk spricht

Grenell-Interview in der WamS: Wenn der Prokonsul zum Provinzvolk spricht
Botschafter Grenell während eines Empfangs bei Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli 2018
Der US-amerikanische Botschafter in Berlin hat der WamS ein Interview gegeben, in dem er klare Forderungen an Deutschland stellt und auch vor Drohungen nicht zurückschreckt. Damit bestätigt er den Vorwurf, wonach sich US-Botschafter wie Statthalter benehmen.

von Andreas Richter

Oskar Lafontaine hat am vergangenen Freitag einen sehr klarsichtigen und vehementen Beitrag auf Facebook mit dem Titel "Die Lügen Trumps und seiner Vasallen" geschrieben. Darin weist er darauf hin, dass die USA Deutschland gängeln, nicht Russland, und dass das Ziel der US-Amerikaner darin bestehe, einen Keil zwischen Deutschland und Russland zu treiben. Lafontaine ergänzte, dass sich die US-Botschafter in aller Welt aufführten "wie einst die Statthalter Roms".

Am Sonntag erschien in der Welt am Sonntag ein Interview mit Richard Grenell, dem Botschafter der USA in Deutschland. Im Grunde genommen ist dieses Interview Grenells eine einzige – natürlich unfreiwillige – Bestätigung der Ausführungen Lafontaines.

Auffällig an diesem Interview ist zuallererst der Ton. Da spricht kein Diplomat, der sich vorsichtig oder verklausuliert über Angelegenheiten des Gastlandes äußert. Nein, Grenell ist in seiner Kritik glasklar und direkt. Und sein Tonfall legt nahe, dass er es ist, der hier bestimmt. Der Botschafter selbst nennt das "aufrichtig sein".

Inhaltlich gibt es wenig Neues. Grenell kritisiert die deutschen Rüstungsausgaben: "Die deutschen Zusagen, die Verteidigungsausgaben auf 1,5 Prozent zu erhöhen, genügen nicht." Er kritisiert die im Bau befindliche Gaspipeline Nord Stream 2:

Darüber kann Deutschland selbstverständlich selbst entscheiden. (...) Aber die USA haben dazu eben auch einen Standpunkt. Wir waren einverstanden mit Nord Stream 1, aber Nord Stream 2 geht zu weit.

Grenell verurteilte auch den Versuch der Bundesrepublik, gemeinsam mit anderen EU-Staaten die Iran-Sanktionen der USA zu umgehen: "Ja, ich betrachte das als Missachtung. Amerikanische Sanktionen zu umgehen, ist nicht ratsam."

Der Botschafter betont immer wieder die gemeinsamen Werte, die die USA und die Europäer verbänden: "Europa ist unser Partner. Wir haben dasselbe Weltbild. Wir glauben beide an Demokratie, Kapitalismus und Menschenrechte." Dass hinter den US-Positionen zu Rüstung und Erdgas auch wirtschaftliche Interessen stehen, versucht der Botschafter mit Gemeinplätzen zu kaschieren:

Amerika wird natürlich immer versuchen, eine Vielzahl von Produkten zu verkaufen. Wir lieben nun einmal Handel und Kapitalismus. Das dürfte niemanden überraschen. 

Und hinter allem steht, natürlich, die "russische Bedrohung". "Russland steht vor unserer Haustür", so Grenell, der von "bösartigen Aktivitäten" und sich "häufender Vergehen" der Russen spricht. Die Interviewer hinterfragen diese Darstellung, wenig überraschend, an keiner Stelle.

Der Tonfall Grenells erinnert nicht von ungefähr an Mafiafilme. Man ahnt: Wenn man die Worte dieses Mannes ignoriert, wird das Konsequenzen haben, und zwar keine angenehmen. Lafontaine hat recht. Hier spricht kein Botschafter, sondern ein Statthalter.

Die US-Amerikaner sehen sich selbst gern als die neuen Römer, wobei den Europäern in diesem schiefen Bild die Rolle der verweichlichten Griechen zukommt. Grenell wäre dann der Prokonsul, der der ungehörigen Provinzregierung die Leviten liest. Und sie bei Bedarf austauscht.

Regierungen anderer Länder würden einen Botschafter bei einer derartig offensichtlichen Einmischung in innere Angelegenheiten längst einmal einbestellt oder ausgewiesen haben, und sei es nur, um den Schein zu wahren, dass man selbst im eigenen Haus bestimmt. In Deutschland dagegen sind die Transatlantiker in allen Bereichen und auf allen Ebenen derart in der Überzahl, dass sich kaum jemand darüber aufregt.

Der Botschafter der USA, des "Verbündeten" und "Wertepartners", nötigt, gängelt und bedroht sein Gastland, und kaum jemand nimmt daran Anstoß. Es gibt nichts zu sehen, nur einen Prokonsul, der den Vasallen einer Provinz die Wünsche des Imperiums übermittelt. 

Mehr zum Thema - Wagenknecht: Warum kann der US-Botschafter hier jedem drohen - Leben wir etwa in einer US-Kolonie?

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