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Die deutschen Medien und der "Angriff durch den Russen-Discounter"

Die deutschen Medien und der "Angriff durch den Russen-Discounter"
Andrang nach der Eröffnung des russischen Mere-Markts – sowohl Interesse als auch Kaufandrang waren groß in Leipzig.
Das Billigkonzept der Russen kann in Deutschland nicht aufgehen, so die beinahe einhellige Meinung vieler Journalisten zur Eröffnung des ersten russischen Mere-Marktes. Dabei waren nicht nur das Medieninteresse und die Vorverturteilung groß, sondern auch der Kundenandrang.

Russen können den hiesigen Medien zufolge scheinbar wenig wirklich gut und sind vorrangig angriffslustig. Auch wenn es um Discounter geht, sind viele Journalisten daher eifrig wachsam. Der am Dienstag in Leipzig-Portitz eröffnete, bisher in Deutschland einmalige russische Discounter Torgservis hat enorme Medienaufmerksamkeit erhalten.

Mit niedrigen Preisen und spärlichem Design biete der Markt unter der Bezeichnung Mere auf 1.000 Quadratmetern vor allem Lebensmittel an, heißt es bei der Deutschen Presseagentur (dpa):

Die deutsche Tochter TS-Markt will Schritt für Schritt weitere Filialen in Ostdeutschland eröffnen und hier die Marktführer Aldi und Lidl angreifen."

Die führenden deutschen Lebensmittel-Discounter nach Umsatz sind Lidl und Aldi Süd. Jetzt will ein russisches Unternehmen den hart umkämpften deutschen Mark aufmischen...

Die Welt schreibt von einem Chaos im "Russen-Discounter". Ein Video der Online-Ausgabe des Springer-Blatts nutzt noch bedrohlicher gefärbte Rhetorik:

ATTACKE AUF ALDI: Russischer Discounter eröffnet erste Super-Billig-Filiale"

Müssen sich Aldi, Lidl, Penny und Netto jetzt also warm anziehen, da die Konkurrenz aus dem kalten Sibirien mit der "Eroberung" beginnt? Das Urteil darüber scheint nach einem Blick in viele Artikel zur Eröffnung in Leipzig bereits gefällt. Wie schon im Oktober des vergangenen Jahres, als die geplante "Expansion" von Torgservis verkündet wurde, mahnten Berichte, andere Billigmärkte wie real seien bei dem Versuch, auf den deutschen Markt zu expandieren, "an der hohen Effizienz der hiesigen Billigheimer" gescheitert, so die SZ

Überwiegend zeigten sich die zahlreichen Stimmen der Journalisten und Marktexperten, die sich zur Eröffnung in dieser Woche äußerten, kritisch. Der "Russen-Laden" könne mit dem bestehenden Konzept in Deutschland nicht Fuß fassen.

Zum einen sei die Marktmacht von Lidl und Aldi zu groß. Zum anderen sei eine Konkurrenz durch Unterbieten der Billig-Anbieter unethisch, sorgte sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), wie die FAZ erwähnt, die nicht dafür bekannt ist, das Spannungsfeld von Wirtschaft und Umwelt, zumal mit Augenmerk auf letztere, zu thematisieren.

"Schleuder-Preise statt Shopping-Erlebnis", giftete RTL bereits vor der Eröffnung und fokussierte den Artikel, wie auch der Merkur, auf die "Probleme".

Die BZ lästert zudem über den Sitz des Unternehmens in Berlin, der "wohl ebenfalls dem Prinzip 'billig' folge".

Es geht den Berichten zufolge also vorrangig um Konkurrenz zu den bestehenden Discountern, einen Angriff, eine Attacke. Dabei haben die Russen demnach kaum Chancen auf Erfolg. Denn ein Unterbieten der von Aldi und Co. angebotenen Preise sei nur durch geringere Qualität möglich, warnen Experten in den Berichten. Auch bei RTL heißt es:

Wem allerdings Qualität nicht so wichtig ist wie attraktive Preise – der wird sich in dem neuen Discounter sicher wohl fühlen."

In der Tat liegen viele der Preise des Sortiments, das zu etwa 70 Prozent aus Lebensmitteln besteht, aber auch Drogerieartikel, Haushaltswaren und Textilien umfasst, unter denen, die Aldi und Lidl für die gleichen Produkte verlangen. Und die Einrichtung des neuen Marktes ist schlicht, Waren werden teilweise direkt von der Palette angeboten.

In verschiedene Artikeln werden akribisch die Preise zwischen den Discountern verglichen und unter anderem kritisiert, dass nicht jeder gewünschte Artikel erhältlich ist.

Häufig findet sich das Urteil, dass die russische Konkurrenz in den nächsten Jahren kaum viel Marktanteil von den deutschen Discountern erobern wird.

Geben Sie uns doch erstmal Zeit", so eine Mitarbeiterin von TS-Markt, der deutschen Tochterfirma von Torgservis, auf Anfrage des Handelsblatts. "Und fragen Sie nicht gleich, was in fünf oder in zehn Jahren ist."

Außerdem widerspricht sie den Sorgen der Journalisten, die von Angriffen oder Attacken schreiben:

Keiner will hier jemanden angreifen. Wir versuchen, in Europa Fuß zu fassen. Aldi und Lidl versuchen auch, auf anderen Kontinenten zu verkaufen."

Die Welt zitiert den Handelsexperten Gerling jedoch mit negativen Prognosen für Mere. Das ursprüngliche Discounter-Konzept, das auf möglichst niedrigen Preisen basiert, sei nicht mehr zeitgemäß. Als Grund für die Wegorientierung vom kostenorientierten Abnehmer gibt er an:

Bei Schneefall stellen sich Menschen an der Dortmunder Tafel an, 20. März 2013.

Das ganz billige wollen die Deutschen nicht mehr." 

Stattdessen schwärmt er von der veredelten Einrichtung, durch die deutsche Discounter "viel schöner" geworden seien.

Dabei hat ein Unternehmenssprecher von Aldi-Nord erst kürzlich bestätigt, dass die Modernisierungsmaßnahmen des deutschen Vorreiter-Discounters sogar rote Zahlen nach sich gezogen haben.

Und nicht einmal angesichts des ansonsten jegliche Politik rechtfertigenden Arguments der entstehenden Arbeitsplätze wird die geplante Eröffnung weiterer Supermarkt-Filialen begrüßt, obwohl diese in ansonsten gern als unterentwickelt dargestellten Teilen der Bundesrepublik vorgesehen sind, wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Berlin.

Großen Andrang und lange Schlangen an den Kassen habe es zunächst nicht gegeben, meldete die dpa am Dienstag. Dagegen berichtet die Mitteldeutsche Zeitung:

Schon vor der Eröffnung um 9 Uhr hat sich am Dienstagmorgen eine Menschentraube vor dem Discounter Mere gebildet."

Focus Online schreibt:

Die Freude in Leipzig ist groß. Heute eröffnet der erste russische Discounter Mere. Nicht nur die Leipziger, Kunden aus der ganzen Region sind angereist."

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Und der Andrang samt angereister Kunden und sehr langer Warteschlangen ist unter anderem in dem Video zum Thema zu sehen. Auch Gernot Falk von der ILG-Gruppe, die Ladenflächen an Discounter vermietet, und der aus München angereist ist, staunt über den Andrang:

Ich habe seit Jahren nicht erlebt, dass es so extrem voll ist." Das sei unüblich für Deutschland. "Das ist wie Weihnachten und Silvester zusammen."

Möglicherweise ist im Billig-Segment auch im wohlhabenden, hochentwickelten Deutschland noch einiges zu holen. Angesichts des größten Niedriglohnsektors in Westeuropa und Arbeitslosigkeit, die höher ist, als in offiziellen Zahlen angegeben, sowie Kämpfen um Nahrungsmittel-Spenden, mag es sein, dass hierzulande Menschen leben, die beim Einkaufen weniger Wert auf eine schicke Einrichtung legen, als darauf, am Ende des Geldes nicht mehr so viel Monat übrig zu haben. Angesichts des starken Andrangs stellt sich also auch die Frage, welche Deutschen eingeschlossen sind, wenn die Rede davon ist, dass diese "Billig nicht mehr wollen".

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