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Abschaltung der Website: Wird Sammlungsbewegung Aufstehen bewusst sabotiert?

Abschaltung der Website: Wird Sammlungsbewegung Aufstehen bewusst sabotiert?
Ein Screenshot der abgeschalteten Seite von Aufstehen.
Die Homepage der von Sahra Wagenknecht mitbegründeten Bewegung "Aufstehen" ist seit Samstag nicht mehr erreichbar. Hintergrund ist eine juristische Auseinandersetzung mit einer TV-Firma, "die versucht, die noch junge Sammlungsbewegung zu beschädigen“.

Am Nachmittag des 15. Dezembers twitterte Sahra Wagenknecht: "Die Webseite von Aufstehen ist vorläufig nur noch unter http://aufstehenbewegung.de zu finden“:

Auf der darin verlinkten neuen Website heißt es:

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von Aufstehen,

wir möchten Euch informieren, dass wir vorläufig auf die Domain www.aufstehenbewegung.de umgezogen sind. Hintergrund ist eine juristische Auseinandersetzung mit einer Firma, die versucht, die noch junge Sammlungsbewegung zu beschädigen.

Konkret geht es um einen Konflikt mit zwei Initiatoren der Sammlungsbewegung. Sie haben in der Gründungsphase ehrenamtlich wie alle anderen Initiatoren für Aufstehen gearbeitet, u.a. für den Online-Auftritt. Im Nachhinein haben sie Aufstehen eine hohe Rechnung präsentiert. Trotz weitgehender Zugeständnisse unsererseits haben sie die Drohung, die Domain der Sammlungsbewegung abzuschalten, falls ihre Bedingungen nicht vollständig erfüllt werden, jetzt mit einer Frist von wenigen Stunden wahrgemacht.

Auch die ursprünglichen E-Mail-Adressen der Bewegung sind in Folge der Abschaltung nicht mehr funktionsfähig. 

Bei der nun anstehenden "juristischen Auseinandersetzung mit einer Firma" geht es konkret geht es um die "Dreiwerk Entertainment GmbH", eine Film- und TV-Produktionsgesellschaft mit Sitz in Köln und deren Geschäftsführer, Thomas Schmidt und André Schubert. Schmidt war bisher selbst Vereinsmitglied von "Aufstehen" und Schubert Mit-Initiator und von Beginn an Websiten-Administrator der Sammlungsbewegung. Ihr Geld verdient Dreiwerk mit Werbe-Videoclips für die großen Kommerz- und Mediengiganten wie RTL, Ebay, Netflix, Penny und Co: 

Abschaltung der Website: Wird Sammlungsbewegung Aufstehen bewusst sabotiert?

Nur wenige Stunden nach der Abschaltung und dem Tweet von Wagenknecht sprach Schmidt ausgerechnet mit der Springer-Postille BILD über die Vorwürfe der Sammlungsbewegung und bezichtigt diese der "Verbreitung von Unwahrheiten":

Wir sind sprachlos darüber, dass Dreiwerk von der Bewegung in die Ecke des unlauteren und gierigen Unternehmers gestellt wird, obwohl alle Entscheidungsträger der Bewegung darum wissen, dass Dreiwerk mit allen Leistungen absprachegemäß in Vorleistung getreten und jetzt zu vergüten ist.

Die Sammlungsbewegung hat in der Mitteilung eine Vielzahl von unwahren Tatsachen verbreitet, was die Zusammenarbeit von der Dreiwerk Entertainment GmbH und der Bewegung angeht. Damit wurden der Ruf und das Ansehen unseres Unternehmens massiv beschädigt. Das wollen und können wir so nicht stehen lassen.“

Vertraten

Weiter behauptet Schmidt gegenüber BILD, dass Dreiwerk am 21. November die Zusammenarbeit mit der Sammlungsbewegung aufgekündigt und immer wieder neue Zahlungsfristen gesetzt hätte: "Ohne Erfolg. Die Rechnungen wurden nicht beglichen", so der Dreiwerk-Geschäftsführer abschließend.

Daraufhin reagiert am 16. Dezember die Geschäftsführerin des Trägervereins von Aufstehen, Ida Schillen, mit einer Pressemitteilung, in der sie erklärt, dass der Verein, entgegen der Darstellung von Schmidt, die Firma sehr wohl bezahlt hatte:

"Herr Schmidt rühmt sich entgeltlicher Tätigkeiten gegenüber dem Trägerverein seit Anfang 2018. Der Verein, dem gegenüber er die Rechnung aufmacht, wurde jedoch erst Anfang August 2018 gegründet. Erstmals hat die Firma Anfang September 2018 von einem bis dahin erbrachten Leistungsumfang von ca. 24.000 Euro gesprochen. Danach gab es keine wesentlichen Tätigkeiten der Firma Dreiwerk mehr. Wahrheitswidrig erweckt Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Dreiwerk Entertain(ment) GmbH, gegenüber BILD den Eindruck, bisher kein Geld erhalten zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Die Firma Dreiwerk hat bei höchst streitiger Vertragslage vom Trägerverein 31.000 Euro erhalten. Das ist der volle von ihr für Domain und IT-Leistungen in Rechnung gestellte Betrag. Thomas Schmidt hat den Zahlungseingang bestätigt und trotzdem die Domain abgeschaltet."

Sympathisanten und Mitglieder von Aufstehen äußern in den Sozialen Medien den Verdacht, dass es sich bei den Vorfällen um "bewusste Sabotage der Bewegung" handelt. Auch von "U-Boot" und "5. Kolonne" in Bezug auf die zwei Geschäftsführer von Dreiwerk war die Rede.

Doch egal, ob bewusste Sabotage, verletzte Eitelkeit oder tatsächlich ausstehende Zahlungen, es bleibt festzuhalten, dass das Vorgehen der zwei Mit-Initiatoren zahlreiche Fragen aufwirft: 

Von rechts nach links: Sahra Wagenknecht, Ludger Volmer, Simone Lange, Bernd Stegemann und Hans Albers während der Pressekonferenz am 4. September 2018 in Berlin.
  1. Wieso stellt man als Mit-Initiator eine Rechnung an die Sammlungsbewegung in Höhe von weit über 100.000 Euro, im klaren Bewusstsein, dass solche Summe für eine derartige junge Bewegung ohne Finanzmittel nicht zu stemmen ist?
  2. Mit welcher Motivation schaltet man - mit minimaler Vorwarnzeit - die Homepage und E-Mailadressen einer Bewegung aus, wenn man sich selbst, wie im Falle von Schmidt geschehen, als "überzeugter Anhänger von Aufstehen" bezeichnet?  
  3. Wieso nutzt Dreiwerk-Geschäftsführer Schmidt für die Auseinandersetzung mit Aufstehen ausgerechnet das Springer-Kampfblatt BILD?

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Sevim Dağdelen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken und eine der Initiatorinnen von Aufstehen, sieht aber trotz der Vorkommnisse bisher keinen größeren Schaden für die Sammlungsbewegung und erklärt mit Blick auf die aktuelle Auseinandersetzung:

Das sind die Anfangsschwierigkeiten einer breiten Bewegung, die täglich wächst, aber keinen Apparat hat, sondern ausschließlich von ehrenamtlicher Arbeit lebt. In 100 Tagen haben wir bereits rund 167.000 Unterstützer und 188 Ortsgruppen. Um die organisatorischen Herausforderungen einer so großen Bewegung stemmen zu können, braucht es jetzt Strukturen. Ein Bundeskongress und zahlreiche Aktionen sind für das kommende Jahr geplant.

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