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Deutsche haben geringste Lebenserwartung in Westeuropa – Männer bilden sogar Schlusslicht

Deutsche haben geringste Lebenserwartung in Westeuropa – Männer bilden sogar Schlusslicht
Wer hätte gedacht dass die Lebenserwartung ausgerechnet in einem sehr reichen Land geringer ist, als in anderen (Symbolbild).
In Deutschland liegt die Lebenserwartung für Neugeborene mehr als ein Jahr unter dem westeuropäischen Durchschnitt, so das Ergebnis einer weltweiten Gesundheitsstudie. Insbesondere die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten sind hierzulande stark ausgeprägt.

Weltweit ist die Lebenserwartung zwischen 1950 und 2017 um knapp 50 Prozent gestiegen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Dennoch zeigen sich auch besorgniserregende Tendenzen in der Studie, zumal für Deutsche, deren Lebenserwartung so schlecht ist wie in keinem anderen westeuropäischen Land. Mit durchschnittlich 78,2 Jahren Lebenserwartung für männliche beziehungsweise 83 Jahren für weibliche Neugeborene liegt diese hierzulande mehr als ein Jahr unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 79,5 beziehungsweise 84,2 Jahren.

Selbst hinter den deutschen Frauen rangieren der Auswertung zufolge nur Großbritannien und Dänemark mit je 82,7 Jahren. In der groß angelegten Studie Global Burden of Disease Study wurden mehr als 8.250 Daten zu Sterberaten aus 195 Ländern von 3.500 Wissenschaftlern ausgewertet.

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Gleichzeitig sollen die Menschen aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung immer länger arbeiten. Immer wieder wird dazu der Vergleich mit den Zahlen der 1950er Jahre oder gar früher angeführt. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Menschen rund 30 Jahre alt, seit 1950 ist die Lebenserwartung von 48,1 auf 70,5 Jahre gestiegen. Frauen leben im Durchschnitt sogar 75,6 Jahre gegen­über 52,9 Jahren in 1950, wobei es starke regionale Unterschiede gibt. Westeuropa steht im weltweiten Vergleich heutzutage gut da, allerdings bilden Männer in der deutschen Vorzeige-Wirtschaftsmacht im Vergleich zu 21 westeuropäischen Ländern das absolute Schlusslicht. Sogar im Vergleich beider Geschlechter mit den anderen Ländern stehen Deutsche hintenan.

Pavel Grigoriev, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, führt diese Tendenz auf einen ungesunden Lebensstil zurück. So seien im Vergleich zu Frankreich oder Spanien Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Deutschen weitaus verbreiteter. Zu den Faktoren für die schlechteren Aussichten zählte Grigoriev die vergleichsweise ungesunde, fetthaltige Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht sowie hohen Tabak- und Alkoholkonsum. Aber auch auf psychische Faktoren sei die geringere Lebenserwartung zurückzuführen. So gelten den Experten zufolge Alltagsstress, Hektik und ein belastendes Arbeitsleben als Faktoren, welche die Lebenserwartung weiter verringern.

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Zwar wird in den Medienberichten über die Studie kein direkter Zusammenhang hergestellt, doch gibt es ausgerechnet in Deutschland für Arbeitnehmer, Steuerzahler und Arbeitslose enorme Stressfaktoren. Nicht nur nimmt die Unsicherheit durch eine Rekordzahl an Leiharbeit in Deutschland zu. Auch einen Ruhestand ohne Existenzsorgen befürchten viele Deutsche, nicht erwarten zu dürfen. Darüber hinaus ist Deutschland Vorreiter hinsichtlich der Armut unter der arbeitenden Bevölkerung, mit dem größten Niedriglohnsektor Westeuropas, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Hans-Böckler-Stiftung in ihrer Studie "Atlas der Arbeit" darlegten.

Benachteiligung bei Sozialstatus und Bildungsniveau sowie Lebenserwartung

Umso weniger verwunderlich ist es, dass die Lebenserwartung unmittelbar mit Sozialstatus und Bildungsniveau zusammenhängt. Im vergangenen Jahr hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in der Studie „Hohes Alter, aber nicht für alle“ aufgezeigt, dass es zwischen sozialen Gruppen eklatante Unterschiede gibt. Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte und weniger gebildete Menschen ziehen also auch hinsichtlich der Gesundheit und der Lebenserwartung den Kürzeren.

Vor allem aufgrund politischer Entscheidungen wird das traditionelle Arbeitsmodell immer seltener, und die Instabilität für Arbeitnehmer nimmt zu.

In der Studie des Berlin-Instituts ist der Sozialstatus durch Arbeits-, Familien- und Wohnsituation definiert. Menschen mit mittlerem oder höherem Schul- oder akademischen Abschluss, einem guten Beruf und einem stabilen sozialen Umfeld, Familie- und Freundeskreis leben länger und leiden seltener an gesundheitlichen Problemen, im Gegensatz zu Menschen mit weniger privilegiertem sozioökonomischen Status.

Das bestätigen auch andere Forschungsarbeiten, wie eine Studie des Robert Koch-Instituts. Demnach unterscheidet sich die Lebenserwartung in Deutschland für Männer um gute zehn Jahre: Männer aus wohlhabenden Verhältnissen erreichen durchschnittlich 80,9 Jahre, Männer aus prekären Situationen jedoch nur 70,1 Jahre. Für Frauen liegt die Differenz bei circa acht Jahren, zwischen 85,3 und 76,9 Jahren, wie der Sozialverband Deutschland mitteilt.

Unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz und Gesundheitsminister Jens Spahn betonte in dieser Woche, dass Krankenkassen überschüssige Beitragsgelder zur Entlastung nutzen statt horten sollten. Die von Spahn vorgeschlagene Lösung klingt möglicherweise jedoch volksnäher als sie ist, kritisiert doch Achim Kessler, Sprecher der Fraktion DIE LINKE für Gesundheitsökonomie und Obmann im Gesundheitsausschuss, die Vorschläge als kurzsichtig und ungerecht. Es sei ein

Abbau der Rücklagen zugunsten der Arbeitgeber, die aber an deren Aufbau gar nicht beteiligt waren. Dabei haben wir gerade jetzt die Chance, die Reformen der Agenda 2010-Politik, die Versicherte benachteiligen, ungeschehen zu machen.

Er plädiert stattdessen für vollständige Erstattung von Arzneimitteln, Zahnersatz oder Brillen.

Der Sozialverband VdK betont vorrangig die Notwenigkeit besserer Chancen für alle Teile des gesellschaftlichen Spektrums durch eine stabilere Arbeitsmarktsituation, weniger Leiharbeit und existenzsichernde Einkommen sowie mehr und bessere Bildungsmöglichkeiten für alle Kinder.

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