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So wird bei Arbeitslosenzahlen geschummelt

So wird bei Arbeitslosenzahlen geschummelt
Nicht allen Familien in Deutschland geht es so gut wie dieser. Viele tauchen erst gar nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. (Symbolbild)
Eine Erfolgsmeldung jagt die andere. Ob Steuern, Haushalt oder Arbeitslosigkeit, überall werden Zahlen präsentiert, die eine hervorragende Situation suggerieren. Doch ein genauerer Blick in die Arbeitslosigkeitsstatistik zeigt, dass kräftig beschönigt wird.

Zuhauf erlässt die Bundesregierung Statistiken und Grafiken, die alle ein bestimmtes Bild von Deutschland suggerieren sollen: es geht uns super! Und in der Tat hören wir immer wieder Worte wie "Deutschland geht es gut – sehr gut sogar", oder es ist sogar von einem "goldenen Jahrzehnt" die Rede. Manche sagen sogar, dass es uns "noch nie so gut ging wie heute". Und schaut man sich das Getümmel in den deutschen Innenstädten mal mit etwas Abstand an, dann könnte man solchen Aussagen in der Tat zustimmen.

Demonstranten fordern offene Grenzen, Frankfurt am Main, September 2018

Auf viele trifft diese Situation auch zweifelsohne zu, aber eben nicht auf alle. Gemeint sind insbesondere jene Menschen, die aufgrund ihrer Lebensumstände von den großen Statistiken nicht erfasst werden und durchs Raster fallen. Wie zum Beispiel bei der Arbeitslosenstatistik. Dort zeigen die Zahlen seit Jahren stets nach unten, von leichten Zunahmen in den Jahren 2009 und 2013 abgesehen. Die Zeiten zweistelliger Arbeitslosenquoten haben wir 2006 in der Hoffnung zurückgelassen, dass sie nie wieder zurückkehren. Obwohl sich also die Situation in Deutschland gegenüber einigen anderen Ländern in Europa deutlich verbessert hat, gibt es offensichtlich den Wunsch, die Zahlen noch etwas besser aussehen zu lassen.

Für den November 2018 meldete die für den Arbeitsbereich zuständige Bundesagentur für Arbeit insgesamt 2.186.000 Arbeitslose, was einem Minus von 18.000 arbeitslosen Menschen gegenüber dem Vormonat und sogar einem Minus von 182.000 gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Eigentlich würde man also erwarten, dass in dieser Statistik tatsächlich alle Menschen dazugezählt werden, die eben arbeitslos sind. Dem ist aber nicht so.

Nahezu eine Million Menschen wird aus dieser Arbeitslosenstatistik herausgehalten, was man in der Buchhaltung wohl als "Bilanzverschönerung" bezeichnen würde. Schuld daran ist aber nicht die Bundesagentur für Arbeit, sondern die Politik. Denn sie definiert, wer als arbeitslos gilt und wer eben nicht. Trotzdem fehlen so fast 170.000 Menschen, die älter als 58 Jahre sind und Arbeitslosengeld I und/oder ALG II beziehen. Über eine halbe Million Menschen, die sich in einem fremd geförderten Arbeitsverhältnis, einer von der Bundesagentur für Arbeit bezahlten beruflichen Weiterbildung oder in einer beruflichen (Wieder-)Eingliederung befinden, findet man nicht in dieser Statistik. Insgesamt fehlen so also 927.279 Menschen, die im November nicht in die offizielle Arbeitslosenstatistik aufgenommen wurden. Würde man sie nämlich in diese Statistik aufnehmen, betrüge die Quote nicht 4,8 Prozent, sondern läge bei 6,8 Prozent.

Dazu kommt, dass bei den Arbeitsbeschäftigten auch jene 7,4 Millionen Menschen dazugerechnet werden, die auf 450-Euro-Basis arbeiten. Obwohl es streng genommen korrekt ist, da sie ja in einem Arbeitsverhältnis sind, so haben sie – genauso wie die über drei Millionen Menschen ohne Arbeit – dennoch nichts von dem Boom, der der Grund für Aussagen wie "Deutschland ging es noch nie so gut wie heute" ist. Auf ihren Rücken wurde dieses "goldene Zeitalter" durch von der Regierung genehmigten modernen Ausbeutung erst ermöglicht.

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