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"Schwarzer Dienstag" für die Berliner U-Bahn

"Schwarzer Dienstag" für die Berliner U-Bahn
Besser zu Fuß? Fahrgast am Alexanderplatz, April 2008
Bei der Berliner U-Bahn hakt es ständig irgendwo. Am vergangenen Dienstag häuften sich Zugausfälle und Verspätungen so sehr, dass der Fahrgastverband IGEB von einem "schwarzen Dienstag" sprach. Der Verband forderte BVG und Senat auf, die Probleme anzugehen.

Der 8. August 1918 ging als "Schwarzer Tag des deutschen Heeres" in die Geschichte ein. An diesem Tag erlitten die deutschen Truppen an der Westfront des Ersten Weltkriegs eine Niederlage und mussten sich zurückziehen. Gut drei Monate später musste das Deutsche Reich in einen Waffenstillstand einwilligen und die deutsche Niederlage eingestehen.

Graffiti-Sprayer bei der Arbeit.

Gut 100 Jahre später erklärte der Berliner Fahrgastverband IGEB den vergangenen Dienstag zum "Schwarzen Dienstag für Berliner für Berliner U-Bahn-Fahrgäste". Fast in der ganzen Stadt sei die U-Bahn ein Schatten vergangener Tage gewesen. Auf fast allen Linien habe es massive Ausfälle und Verspätungen gegeben, die den Fahrgastverband an die (bis heute nicht ganz ausgestandene) S-Bahn-Krise von 2009 erinnert.

Auf der U2 hätten fünf von 26 Zügen gefehlt, auf der U7 zehn Züge, auf der U8 acht. Die U6 sei fast durchgängig im Zehn- statt im üblichen Fünfminutentakt gefahren. Das Social-Media-Team habe versucht, dagegenzuhalten, und verschiedene Erklärungen geliefert, ohne das Chaos wirklich zu begründen oder entschuldigen zu können.

Eine Sprecherin der BVG wies die Kritik des Fahrgastverbands zurück. Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte sie, 97,7 Prozent der Züge seien am Dienstag pünktlich gefahren. IGEB betreibe "Jammern auf hohem Niveau".

IGEB wirft BVG und Senat vor, die schwere Krise der Berliner U-Bahn weiterhin zu leugnen und nur einzelne Ausfälle etwa wegen besprühter Züge einzuräumen. Dabei sei Vandalismus nur ein Teilproblem, wichtiger sei der Mangel an Fahrern und Werkstattpersonal.

Der Fahrgastverband fordert umgehende Maßnahmen gegen den Personalmangel und empfiehlt den Einsatz von Studenten in den Verkehrsbetrieben, wie er bereits in anderen Städten praktiziert werde. Auch die externe Vergabe von Instandhaltungsaufgaben müsse geprüft werden.

IGEB fordert BVG und Senat auf, die Probleme offen zu benennen und ein Konzept für Sofortmaßnahmen zu erarbeiten. Nur so könne das Vertrauen der Fahrgäste zurückgewonnen werden. Die vom Senat angestrebte und prinzipiell richtige Verkehrswende werde sonst scheitern.

Der Personalrat der BVG hatte bereits im August darauf hingewiesen, dass die Lage dramatisch sei und "die schwierigste seit über 60 Jahren". Die Probleme bei der BVG ähneln stark denen bei der Deutschen Bahn. In beiden Fällen gibt es einen dramatischen Mangel an rollendem Material und an Personal. In beiden Fällen treten jetzt verstärkt die fatalen Folgen einer verfehlten Sparpolitik früherer Jahre zu Tage. Die Aufarbeitung dieser Folgen dürfte deutlich mehr kosten, als jemals eingespart wurde.

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