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Während die Wirtschaft boomt: Jeder fünfte Deutsche lebt an der Armutsgrenze 

Während die Wirtschaft boomt: Jeder fünfte Deutsche lebt an der Armutsgrenze 
Symbolbild: Hartz-IV-Beratungsangebot im Berliner Stadtteil Neukölln.
Die Wirtschaft läuft prächtig und dennoch sind in Deutschland mehr als 15 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Der Sozialverband VdK fordert Konsequenzen und verweist auf Faktoren, welche von der Politik behoben werden könnten.

Trotz boomender Wirtschaft in Deutschland leben viele Millionen Menschen an oder unter der Armutsgrenze. Millionen Menschen reicht das Geld oft nicht aus, um Rechnungen, Miete oder Heizkosten zu bezahlen.

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In Deutschland ist knapp ein Fünftel der Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Jahr 2017 lag dieser Anteil bei 19 Prozent, das entspricht etwa 15,5 Millionen Menschen. Das berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden unter Berufung auf die EU-weite Erhebung "Leben in Europa" (EU-SILC). Dafür werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes allein in Deutschland jedes Jahr rund 14.000 Haushalte schriftlich befragt. Damit sei die Untersuchung per Fragebogen repräsentativ.

Nach der EU-Definition für die Erhebung gilt jemand als armutsgefährdet, wenn er über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verfügt. 2017 lag dieser Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 1.096 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.302 Euro im Monat. Das traf im vergangenen Jahr auf 13,1 Millionen Menschen oder 16,1 Prozent der Bevölkerung zu. Insgesamt lag der Anteil der Frauen etwas höher als der der Männer. Im EU-Durchschnitt waren 16,9 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.

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Die Definition für eine Bedrohung durch soziale Ausgrenzung umfasst die Umstände, dass in einem Haushalt das Geld nicht reicht für Miete, Fernsehgerät, Heizung oder auch mal einen einwöchigen Urlaub. Das betraf 2017 in Deutschland 3,4 Prozent der Bevölkerung. Etwa 8,7 Prozent der Menschen unter 60 Jahren lebten zudem in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbsbeteiligung. Kaum überraschend der Hinweis, dass für viele Bürger gleich mehrere dieser drei Lebenssituationen zutreffen: Sie haben ein geringes Einkommen, erhebliche materielle Entbehrungen und sehr geringe Erwerbsbeteiligung.

Symbolbild

Skandalöse Zahlen angesichts des Wirtschaftsbooms

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele, sprach von erschreckend hohen Zahlen.

Es ist skandalös, dass trotz des Wirtschaftsbooms in Deutschland 15,5 Millionen Menschen von Armut oder Ausgrenzung bedroht sind."

Die ehemalig Spitzensportlerin verweist zugleich auf ein Reihe relevanter Faktoren für den Skandal:

Ein wachsender Niedriglohnbereich, ein Mindestlohn, mit dem man kaum über die Runden kommt, hohe Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente, kaum Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose, steigende Mieten und Lebenshaltungskosten: Armut hat viele Ursachen."

 Laut offizieller Arbeitsmarktstatistiken gibt es weniger Arbeitslose - die tatsächliche Anzahl der Leistungsempfänger ist jedoch beinahe dreimal so hoch.

Der Verband fordert ein Gesamtkonzept bei der Armutsbekämpfung. Dazu gehören "faire Bildungschancen genauso wie eine neu ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik".

Prekäre Arbeitsverhältnisse wie Minijobs, Befristungen und Leiharbeit müssen endlich eingedämmt werden. Wir brauchen gute Löhne, um gute Renten erwirtschaften zu können. Gute Bildungschancen für Kinder und Unterstützung für deren Familien sind genauso gefordert wie eine Wohnpolitik, die für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgt."

Außerdem seien weitere Maßnahmen im Bereich der Rentenpolitik notwendig, damit der Ruhestand nicht zu einem echten Armutsrisiko wird.

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Seit Jahren verweist auch das Wirtschafts- und Sozialinstitut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) darauf, dass Erwerbsarbeit zunehmend weniger vor Armut schützt und das ohnehin sehr hohe Armutsrisiko der Arbeitslosen zunimmt.

(dpa/ rt deutsch)

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