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"Deutschland-Takt" - Bahn plant neues Fahrplanmodell nach Schweizer Vorbild

"Deutschland-Takt" - Bahn plant neues Fahrplanmodell nach Schweizer Vorbild
ICE auf dem Berliner Hauptbahnhof
Die Deutsche Bahn plant die Einführung eines neuen Fahrplansystems. Der "Deutschland-Takt" soll Bahnfahren schneller und zuverlässiger machen. Doch die Einführung wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen, und nicht jeder ist von dem Konzept überzeugt.

Am Dienstag wird im Bundesverkehrsministerium ein neues Fahrplanmodell für die Deutsche Bahn vorgestellt. Ziele des sogenannten "Deutschland-Taktes" sind die Schaffung schnellerer Umsteigemöglichkeiten und abgestimmter Fahrpläne sowie die Gewährleistung von mehr Pünktlichkeit. Das Modell gilt als langfristiges Projekt, die Umsetzung würde Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Erklärtes Ziel der Großen Koalition ist die Verdopplung der Zahl der Bahnkunden bis 2030 und die zunehmende Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene. Ohne neues Fahrplanmodell wird das nicht zu leisten sein - die Bahn fährt im Moment bereits am Limit. Die Pünktlichkeit bei den Fernzügen hat mit einer Quote von nur 69,8 Prozent im August einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Zielmarke der Bahn beträgt momentan 85 Prozent.

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Der "Deutschland-Takt" ist das Hauptprojekt im "Zukunftsbündnis Schiene", das am Dienstag seine Arbeit aufnehmen soll. In ihm haben sich Bahnunternehmen, Verbände, Gewerkschaften, Hersteller von Schienentechnik und die Bauindustrie unter der Leitung des Verkehrsministeriums zusammengefunden. Das Bündnis soll auch den Ausbau des Schienennetzes koordinieren und die Vergabe von Slots an Nutzer der Gleise verbessern.

Nach dem für Deutschland neuen Modell treffen Züge an wichtigen Umsteigestationen planmäßig etwa gleichzeitig ein und fahren kurz darauf wieder ab. Umsteigezeiten von über einer halben Stunde soll es dann nicht mehr geben. Wichtige Verbindungen sollen in einem Halbstundentakt bedient werden. Auch der Güterverkehr auf der Schiene soll von den besser planbaren Fahrzeiten der übrigen Nutzer profitieren. Vorbild für das neue Fahrplanmodell ist die Schweiz. Ein solches landesweites Taktsystem wurde dort bereits 1982 eingeführt und gilt als vorbildlich.

Verkehrsminister Andreas Scheuer geht davon aus, dass das Bahnfahren pünktlicher, schneller und verlässlicher werde:

Das bedeutet für Bahnkunden: Optimale Verbindungen, kürzere Aufenthalte an den Bahnhöfen und kürzere Fahrzeiten. Die Züge sind künftig öfter und schneller überall.

Auch Gregor Kolbe von der Dachorganisation Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) begrüßte das Modell. Er sagte der dpa, der Fahrgast könne davon profitieren, denn die Verkettung von Reiseverbindungen könne so sehr zügig und verbraucherfreundlich werden. Die Einführung sei aber ein langfristiges Thema, es müsse Infrastruktur geplant und gebaut werden. Ein "Deutschland-Takt" könne vielleicht in 10, 15 oder 20 Jahren funktionieren, wenn er heute auf den Weg gebracht werde. "Dafür braucht man viel Geld und einen langen Atem."

Der private Verkehrsanbieter FlixMobility dagegen sieht das Fahrplan-Modell skeptisch. "Das ist ein politischer Fahrplan", sagte Geschäftsführer André Schwämmlein der dpa. "Es ist nicht kriegsentscheidend, ob jemand nach einer ICE-Fahrt zum Beispiel in München den Anschluss nach Rosenheim bekommt." Viel wichtiger sei es, die Hauptstrecken auszubauen, sagte Schwämmlein.

"Wir haben ein riesiges Problem bei der Bahn-Infrastruktur und bei der Kapazität des Netzes. Es gibt zu viele Engpässe. Die Infrastruktur muss ausgebaut werden", so Schwämmlein weiter. Entscheidend sei, attraktive Angebote für die Passagiere zu schaffen. Dies gehe nur über mehr Wettbewerb. FlixMobility ist mit seinen Marken Flixbus und Flixtrain allerdings ein direkter Konkurrent der Bahn.

Das neue Fahrplanmodell der Bahn ist vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Misere dazu geeignet, hohe Erwartungen zu wecken. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, ob und wie die Bahn nach all den Umstrukturierungen und Verwerfungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte überhaupt noch zur Umsetzung eines solchen großen Projektes in der Lage ist. Geplagte Bahnfahrer dürften sich auch fragen, warum die Bahn erst jetzt, 25 Jahre nach Schaffung der Bahn AG, ernsthaft darangeht, einen landesweiten Taktfahrplan zu schaffen.

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