icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

"Muss mein Sohn immer links sitzen?" – AfD-Meldeportal für Lehrer wird zum Witzportal

"Muss mein Sohn immer links sitzen?" – AfD-Meldeportal für Lehrer wird zum Witzportal
Als die Hamburger AfD ein Beschwerdeportal für Schüler und Eltern installierte, war die Aufregung groß. Gegen das Neutralitätsgebot verstoßende Lehrer sollten dort gemeldet werden. Doch die Aktion wird zum Bumerang – alle außer der AfD haben Spaß daran.

von Timo Kirez

Der Schuss ging wohl nach hinten los: Laut dem Bildungsportal news4teachers wird das Beschwerdeportal der Hamburger AfD mit satirischen Beiträgen geflutet. Ursprünglich sollte das Portal dazu dienen, Lehrer anzuschwärzen, die gegen das politische Neutralitätsgebot verstoßen. Die Hamburger Schulverwaltung hatte die Aktion der AfD mit den Worten kritisiert, dass "hier aus Kindern Denunzianten gemacht werden".

Doch offenbar wird weniger denunziert, dafür aber umso mehr parodiert. In der Praxis scheinen die Menschen das Formular, das auch anonyme Meldungen erlaubt, anders zu nutzen als von der AfD gewünscht. Auf Facebook finden sich einige der ironischen Posts. Wie news4teachers berichtet, heißt es zum Beispiel unter der Absender-Adresse "leckt@mich.de" und dem Betreff "einen mitgeben":

Die Lehrerin meines Sohnes kauft im Netto heimlich Bier aus dem Ausland. Habe ich was gewonnen?

Oder unter dem Betreff "Leerer" steht zu lesen: "Her Brinhaus is fett und shwitzt und er qitscht absichtlich mit der Kreide. Der is voll gege mich." Auch der thüringische AfD-Politiker Björn Höcke wird erwähnt: "Macht mal was sinnvolles", heißt es in einem Post. "In Thüringen gibt's einen Lehrer der faschistische Propaganda verbreitet. Björn, ne Bernd Höcke heißt der. Hat letztens auch an einer rechtsextremen Demo in Chemnitz teilgenommen."

Der Wahlkampf in Bayern geht in seine entscheidende Phase. In zehn Tagen wird in dem Freistaat ein neuer Landtag gewählt.

Andere wiederum lehnen sich in ihrem Beitrag an Wilhelm Busch an: "Es ist ein Unding, wie Herr Lämpel mit unseren Söhnen Max und Moritz umgeht." Wieder ein anderer bezieht sich auf das Grundgesetz: "Der Lehrer meiner Kinder lehrt sie jetzt das Grundgesetzt. Faselte was von 'Die Würde des Menschen ist unantastbar'. Linksradikal." Oder auch: "Der Achmed hat bei meinem Sohn Heinz-Günter abgeschrieben. Unternehmen Sie was!" (Rechtschreibung jeweils wie im Original; Anm. d. Red.)

Zwei Gründe dürften für das Aufblühen der Satire verantwortlich sein: Zum einen kursieren im Internet Aufrufe an Lehrkräfte, die AfD-Seite mit dem Titel "Informationsportal Neutrale Schulen Hamburg" für eigene Kommentare zu nutzen. Und zum anderen sendete die ZDFheute-show am vergangenen Freitag einen Beitrag mit Birte Schneider, der am Dienstagabend auf Facebook geteilt wurde. In dem Video erklärt die Kabarettistin, während die E-Mail-Adresse der Hamburger AfD-Fraktion eingeblendet wird: 

Liebe Schüler vor dem Fernseher, die Ihr gerade mit Euren Eltern die heute-show guckt, erstens, Ihr könntet Eure Eltern schon dafür melden, dass sie mit euch diese linke Scheiß-Sendung gucken, zweitens, schickt der AfD Hamburg doch einfach alle möglichen Beschwerden, einfach, was euch nervt – keine Ahnung –, wenn Eure Freundin Cheyenne sich ein total doofes Justin-Bieber-Tattoo hat stechen lassen hat, wenn Ihr was in Mathe nicht kapiert, wenn Ihr das neue Album von Drake voll lame findet. Glaubt mir, die AfD interessiert sich für alles. Bitte schreibt denen, so oft Ihr könnt!

Bereits nach der Ankündigung der AfD hatte die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Partei Nazi-Methoden vorgeworfen. Doch statt mit "Hinweisen" muss sich die AfD nun mit Pizzabestellungen und Beschwerden über arabische Zahlen im Unterricht sowie rot-grün-versifften Kindern nach der Kunststunde herumschlagen.

Mehr zum Thema - Eindrücke aus Köthen von einer tief gespaltenen Gesellschaft

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen