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Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen: Direktor Hubertus Knabe nach Sexismus-Vorwürfen entlassen

Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen: Direktor Hubertus Knabe nach Sexismus-Vorwürfen entlassen
Entlassen: Hubertus Knabe gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsministerin Grütters bei einer Führung im August 2017
Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen, muss seinen Posten räumen. Hintergrund ist eine Affäre um die sexuelle Belästigung weiblicher Mitarbeiter. Knabe war vor allem als scharfer Kritiker der DDR und ihres Erbes bekannt geworden.

Hubertus Knabe wird die Führung der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen entzogen. Der Stiftungsrat unter Vorsitz von Berlins Kultursenator Klaus Lederer beschloss am Dienstagnachmittag in einer Krisensitzung die Entlassung Knabes. Hintergrund ist die Affäre um die sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen der Gedenkstätte.

Wie die Senatskulturverwaltung mitteilte, habe der Stiftungsrat kein Vertrauen, dass Knabe den "dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann". Die Entscheidung fiel einstimmig. Knabe sei freigestellt worden, ihm solle ordentlich gekündigt werden.

Auch dem stellvertretenden Direktor Helmuth Frauendorfer soll nach Entscheidung des Stiftungsrates schnellstmöglich gekündigt werden. Er war bereits am Montag von Knabe mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Frauendorfer steht im Mittelpunkt der Affäre.

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 11. August 2017 in einer Zelle des ehemaligen politischen Gefängnisses des Ministeriums für Staatssicherheit, Hohenschönhausen, in Berlin.

Bereits Anfang Juni hatten sich mehrere weibliche Beschäftigte in einem Schreiben an Lederer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gewandt. Der Inhalt des Briefs wurde erst vergangene Woche öffentlich. Demnach herrsche in der Gedenkstätte "struktureller Sexismus", die Führung solle ein Klima erzeugt haben, das einem Frauenbild der fünfziger Jahre entspreche.

Frauendorfer habe Mitarbeiterinnen mit Alkohol abgefüllt und sei dann zudringlich geworden. Auch von Einladungen in seine Privatwohnung und zweideutigen Textnachrichten ist die Rede. Gespräche auf der Arbeit hätten sich regelmäßig um Besuche in Bordellen und Swingerklubs gedreht. Knabe soll Frauendorfers Übergriffe geduldet und sich selbst Frauen gegenüber inadäquat geäußert haben.

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Laut RBB entgegnete Hubertus Knabe auf die Vorwürfe, er begegne Beschäftigten mit Respekt und Wertschätzung. Dazu gehöre auch Anteilnahme und "eine Prise Humor". Den Stiftungsrat konnte er mit dieser Antwort nicht überzeugen. Bei der Krisensitzung des Rates bekam er keine Gelegenheit zur Stellungnahme.

Der 59-Jährige Knabe war seit dem Jahr 2001 wissenschaftlicher Direktor der Hohenschönhausener Gedenkstätte. Er erlangte Bekanntheit als scharfer Kritiker der PDS und später der Linken, deren Kontinuität zur SED er immer wieder hervorhob. Knabe ist Anhänger der Totalitarismustheorie und verglich die DDR wiederholt mit dem NS-Regime. Im Jahr 2013 machte Knabe Schlagzeilen mit der Forderung, politische Symbole der DDR zu verbieten.

Zum siebzigsten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges verwahrte sich Knabe dagegen, dass der Osten Deutschlands 1945 befreit worden sei. Den 2015 vom Brandenburger Landesparlament beschlossenen Gedenktag am 8. Mai kritisierte er mit den Worten:

Das hat die DDR 1950 schon gemacht … Man setzt sozusagen eine Tradition fort, ohne hinzuzufügen, dass gerade Brandenburg ab dem 8. Mai 1945 ganz schlimme Sachen erlebt hat: die Vergewaltigungen, die Erschießungen von Zivilisten, die gar nichts getan hatten, die Lager wie Sachsenhausen.

Im Juli dieses Jahres kündigte die Gedenkstätte unter Knabes Leitung an, nach dem Vorbild des israelischen Yad Vashem ein Register mit den Namen aller Opfer des Kommunismus in Deutschland zu erarbeiten.

Der Stiftungsratsvorsitzende Lederer gab unterdessen bekannt, in einem Auswahlverfahren einen Nachfolger für Knabe zu suchen, der den notwendigen Veränderungsprozess in die Wege leiten könne.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen war aus dem früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit hervorgegangen. Die Einrichtung wird von Bund und Land finanziert. Im Zusammenhang mit der Neubesetzung der Führungsposten dürfte auch über ein neues Konzept für die Gedenkstätte diskutiert werden, die bisher hauptsächlich Führungen mit Zeitzeugen anbietet.

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