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Soziale Kälte? Berliner U-Bahnhöfe sind im kommenden Winter für Obdachlose tabu

Soziale Kälte? Berliner U-Bahnhöfe sind im kommenden Winter für Obdachlose tabu
Obdachloser am Berliner Alexanderplatz, Deutschland, 20. Dezember 2012.
Die Caritas kritisiert die Berliner Verkehrsbetriebe für ihr Vorhaben, obdachlose Menschen nicht mehr zum Schutz vor der Kälte in U-Bahnhöfen nächtigen zu lassen. Für die BVG verbessert diese Entscheidung die Sicherheit, die Caritas spricht von sozialer Kälte.

Die Berliner Kältehilfe bietet ab dem 1. Oktober 2018 Notübernachtungen an. In diesem Jahr müssen sie ohne die Bahnhöfe der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auskommen. Als Schutz vor dem Kältetod wurden in Berlin in den Wintermonaten zwei bis drei U-Bahnhöfe für Obdachlose geöffnet. Jetzt will die BVG dies ändern - der Sicherheit wegen.

Die Chefin der BVG, Sigrid Nikutta, sieht die Entscheidung als eine Möglichkeit, mehr Sicherheit zu schaffen. Für die Obdachlosen bestünde die Gefahr, dass sie im Drogenrausch auf die Gleise fallen könnten, denn die Schienen stehen auch ohne den Betrieb weiterhin unter Strom:

Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir bei der veränderten Situation noch guten Gewissens diese Verantwortung tragen können. Bei nicht selten mehreren Dutzend Menschen im Bahnhof, die oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, ist das buchstäblich lebensgefährlich.

Zelte von Obdachlosen unter einer Fußgängerbrücke in Berlin, Deutschland, 17. März 2016.

Nikutta sieht den Bedarf an Unterkünften durch die Zahl der zur Verfügung stehenden gedeckt. Obdachlose müssten daher nicht in U-Bahnhöfen übernachten. Einem Ort, an dem es keine Sanitäranlagen und Schlafplätze gibt.

Sprachbarrieren, gesundheitliche und psychische Probleme überfordern Helfer und BVG-Mitarbeiter

Den Reisenden gegenüber sei man verpflichtet, die Bahnhöfe in gutem Zustand zu halten. Die Caritas wirft der BVG Kaltherzigkeit vor. Elke Breitenbach (Linke) fügt hinzu:

Wir brauchen auch die U-Bahnhöfe, wollen aber mit der BVG reden, wie wir bestehende Probleme – zum Beispiel hygienische Zustände – gemeinsam abbauen können.

Die Bahnhofsmission wird jährlich mit 40.000 Euro von der BVG unterstützt, um die Stelle einer BVG-Mitarbeiterin zu finanzieren, die "ganz konkret die Arbeit unterstützt".

Die Helfer sind schon jetzt in den Kältemonaten überfordert. Neben immer mehr Obdachlosen mit gesundheitlichen Problemen steigt die Zahl derer, die aufgrund ihrer Sucht an psychischen Erkrankungen leiden. In diesem März gab es 1.166 Schlafplätze gegen die Kälte. Aus Sicht der BVG wurde die Verantwortung vom Senat auf die Verkehrsbetriebe abgewälzt und der BVG gegen ihren Willen die "Verantwortung für diese Menschen übertragen". In den U-Bahnhöfen nächtigen viele, die keinen Unterschlupf in den Notunterkünften mehr finden oder die nicht wissen, dass es diese Unterkünfte gibt.

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Rund 30.000 Menschen leben in Berlin in Notunterkünften, von denen es 632 Einrichtungen gibt. Die Bezirke und die Stadtenwicklungsverwaltung sind angehalten jedem Obdachlosen eine Bleibe zu bieten. Viele leben bis zu drei Jahre in Noteinrichtungen. Geschätzt wird, dass bis zu 10.000 Menschen in Berlin auf der Straße leben, davon kommen drei Viertel aus dem Ausland, mehrheitlich aus Osteuropa. Die BVG-Chefin nimmt ihre Mitarbeiter in Schutz:

Sie müssen diese Menschen, die aufgrund ihres Alkoholkonsums und wegen Sprachbarrieren nur schwer zu erreichen sind, bitten, die Bahnhöfe zu verlassen.

Derzeit sind 200 Sicherheitskräfte und 600 Angestellte im Berliner U-Bahnsystem beschäftigt. Eine verlässliche Statistik über die genaue Zahl der Obdachlosen gibt es bislang nicht. Dies soll sich im kommenden Jahr ändern.

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