Berlin: Massiver Lehrermangel überschattet Beginn des neuen Schuljahres

Berlin: Massiver Lehrermangel überschattet Beginn des neuen Schuljahres
In Berlin beginnt das neue Schuljahr. Der Schulbeginn wird überschattet vom allgegenwärtigen Lehrermangel. Besonders dramatisch ist die Lage an den Grundschulen. Berlins Bildungssenatorin weist Kritik zurück, während andere schon ihren Rücktritt fordern.

An diesem Montag beginnt in Berlin und Brandenburg das neue Schuljahr. Am Wochenende werden 33.900 Erstklässler eingeschult, damit hat Berlin etwa 360.000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen. Die Zahl der Lehrkräfte steigt um knapp 1.000 auf 33.960.

Überschattet wird der Schulbeginn durch den in Berlin besonders dramatischen Lehrermangel. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, erklärte gegenüber der Passauer Neuen Presse am Sonntag, dass deutschlandweit fast 40.000 Lehrer fehlten.

"Einen derart dramatischen Lehrermangel hatten wir in Deutschland seit drei Jahrzehnten nicht mehr", so Meidinger. "Derzeit sind 10.000 Lehrerstellen nicht besetzt. Dazu kommen etwa 30.000 Stellen, die notdürftig mit Nicht-Lehrern, Seiteneinsteigern, Pensionisten und Studenten besetzt werden."

Kritisiert den Berliner Lehrermangel: SPD-Fraktionschef Raed Saleh

Die Lage in Berlin bewertete Meidinger besonders kritisch. In Berlin und Sachsen müsse man von einem Bildungsnotstand sprechen. 70 Prozent der in Berlin neu eingestellten Lehrer im Grundschulbereich seien Quereinsteiger ohne pädagogische Vorbildung. Dies sei ein Skandal. So werbe Berlin mit dem Slogan "Unterrichten statt Kellnern" unter Studenten um Seiteneinsteiger. Unter diesen Notmaßnahmen würden "viele Schüler ihre gesamte Schulzeit leiden müssen", so Meidinger.

Tatsächlich belegen die von Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres am vergangenen Donnerstag vorgestellten Zahlen die Dramatik der Lage. Am besten ist die Lage noch an den Gymnasien. Dort beträgt der Anteil der Quereinsteiger und der "Lehrer ohne volle Lehrbefähigung" (die Abkürzung LovLs dürfte es noch zu einiger Bekanntheit bringen) unter den neu eingestellten Lehrern "nur" 30 Prozent.

Bei den Grundschulen dagegen konnte nur jede siebte Stelle mit ausgebildeten Grundschullehrern besetzt werden. Unter den 1.240 im Grundschulbereich eingestellten Lehrern waren 150 Grundschullehrer und 30 frühere DDR-Unterstufen-Lehrer, denen 880 Quereinsteiger und LovLs gegenüberstehen.

Der Bedarf an Lehrern in Berlin wächst, weil die Schülerzahl wieder im Steigen begriffen ist. Nach der Wende war diese Zahl um ein Viertel auf unter 300.000 gesunken. Seit 2013 wächst die Zahl der Schüler aber wieder. Hinzu kommt, dass der Anteil der Kinder mit Sprachproblemen kontinuierlich zunimmt. Außerdem steigt der Bedarf an Sonderpädagogen, weil immer mehr Kinder sozial auffällig sind und auch mehr Kinder mit Behinderungen geboren werden.

Berlins Universitäten hatten über Jahre hinweg kaum Studienplätze für Grundschullehrer angeboten und Tausende Bewerber abgewiesen. Erst 2016 wurden die Ausbildungskapazitäten wieder erhöht. Bis die neu ausgebildeten Grundschullehrer in die Schulen kommen, werden aber noch zwei Jahre vergehen.

Senatorin Scheeres steht wegen der Berliner Bildungsmisere schon länger in der Kritik. Im Juli war der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh auf Distanz zu ihr gegangen. Nach Vorstellung der Zahlen für das neue Schuljahr forderte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, den Rücktritt der Senatorin. "Berlins Schulen stecken in einer tiefen Krise. Bildungssenatorin Scheeres ist schon lange überfordert", so Dregger auf Twitter.

Scheeres verteidigte sich mit der Behauptung, dass die Ankunft von 20.000 Flüchtlingskindern nicht vorhersehbar gewesen sei. "Allein dafür haben wir 1.200 Lehrkräfte eingestellt. Das ist schon auch eine Leistung", sagte Scheeres der RBB-Abendschau.

Nach Ansicht von Experten und Gewerkschaften ist der Lehrermangel in Berlin und andernorts allerdings hausgemacht. Lehrerverbandschef Meidinger fasst es so zusammen:

Es wurden Prognosen verschlafen, und es wurde nicht rechtzeitig gegengesteuert.

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