Özil-Affäre: Altkanzler Schröder rechnet mit Außenminister Maas ab

Özil-Affäre: Altkanzler Schröder rechnet mit Außenminister Maas ab
Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
Altkanzler Schröder übte scharfe Kritik an Außenminister Maas. Der hatte nach dem Rücktritt Özils gesagt, er glaube nicht, „dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland“.

Die Affäre um Mesut Özil sorgt auch auf der politischen Bühne zunehmend für Streit. Es sei "schlicht und einfach unerträglich", dass sich ein Außenminister in der Debatte über einen deutschen Fußballspieler mit türkischen Wurzeln so einlasse, sagte Schröder der Süddeutschen Zeitung am Donnerstag. Maas' "dumpfe Kommentare" zu Özil hätten auch mit sozialdemokratischen Vorstellungen von Integration "absolut nichts zu tun".

Schröder kritisierte, Maas mache Özil nicht nur indirekt zum Vorwurf, dass er viel Geld verdiene und seinen Lebensmittelpunkt derzeit nicht in Deutschland habe. Der Außenminister zweifle in gewisser Weise auch an, "dass Özil hier so richtig dazugehört". Mit seinen Aussagen spiele Maas denen in die Hände, die Özil wegen der türkischen Herkunft seiner Familie ablehnten. Maas hatte in der Rassismusdebatte um Özil allerdings auch zum Kampf gegen Fremdenhass aufgerufen.

Seehofer trage laut Grünen-Chef Habeck Mitverantwortung

Grünen-Chef Robert Habeck wiederum wies Innen- und Sportminister Horst Seehofer (CSU) eine Mitverantwortung für die Entfremdung vieler Deutsch-Türken zu - und indirekt auch für Özils Abtritt aus der Nationalmannschaft.

Wenn der Sportminister sagt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, dann ist das klar als Ausladung an alle muslimischen Spieler zu verstehen", sagte Habeck der Rheinischen Post am Mittwoch mit Blick auf eine entsprechende Aussage von Seehofer im März.

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Özil hatte in seiner öffentlichen Rücktrittserklärung am Sonntag Rassismus-Erfahrungen angeprangert und unter anderem kritisiert, Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert. Der 29-Jährige war vor allem wegen seiner Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Vorfeld der Fußball-WM in Russland heftig kritisiert worden.

CSU-Generalsekretär Markus Blume konterte, Habeck vertiefe mit seinen Aussagen die gesellschaftliche Spaltung, die er selbst beklage. "In seinem blinden Kampagneneifer gegen die CSU ist ihm keine Schuldzuweisung zu billig und niveaulos", sagte Blume der Deutschen Presse-Agentur. Bei Habeck habe "politische Scheinheiligkeit" Methode.

Seehofer hatte im März der Bild gesagt:

Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist durch das Christentum geprägt.

Rücktritt aus der Nationalelf: Unter Joachim Löw galt Mesut Özil bis zur WM 2018 als einer der Lieblingsspieler des Bundestrainers. Insgesamt bestritt Özil 92 A-Länderspiele und wurde mit dem Team 2014 in Brasilien Weltmeister. Fünf Jahre zuvor hatte er mit der deutschen U21 den EM-Titel gefeiert.

Die hierzulande lebenden Muslime gehörten aber "selbstverständlich" dazu. Daraufhin war eine kontroverse Debatte entbrannt, in deren Verlauf sich nicht nur der Koalitionspartner SPD, sondern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) klar von Seehofers Aussage distanziert hatten.

Habeck beurteilte die Wirkung von Seehofers Aussage als verheerend.

Das Signal, das so an Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln gesendet wird, ist fatal. Denn sie spüren genau, wie sie in unserem Land immer stärker ausgegrenzt und stigmatisiert werden", so der Bundesvorsitzende der Grünen.

Einer Umfrage zufolge bewerten zwei Drittel der Bundesbürger die öffentliche Kritik an Özil nicht als rassistisch motiviert. Das ergab eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey, aus der die Augsburger Allgemeine am Donnerstag vorab zitierte. 66,6 Prozent der ausgewählten Bürger beantworteten eine entsprechende Frage demnach mit "eher nein" oder "nein, auf keinen Fall".

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Weniger als ein Drittel (28,7 Prozent) der Menschen glaubt hingegen, dass die öffentliche Kritik an Özil auch einen rassistischen Hintergrund habe. Runtergebrochen auf die Wähler einzelner Parteien sehen vor allem Sympathisanten der AfD (87,9), der FDP (76,3) und von CDU und CSU (74,3) keine rassistischen Motive.

(dpa / rt deutsch)

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