Biowaffen im Kölner Hochhaus hergestellt: Was hatte der festgenommene Tunesier vor?

Biowaffen im Kölner Hochhaus hergestellt:  Was hatte der festgenommene Tunesier vor?
Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten und ihn dann observiert. Am Dienstagabend kam dann der Zugriff. (Symbolfoto)
Der in Köln gefasste Tunesier soll in seiner Wohnung biologische Waffen hergestellt haben. Am Dienstag stürmten die Spezialeinsatzkräfte der Polizei sein Appartement. Der 29-Jährige wurde in Gewahrsam genommen. Wie kamen ihm die Ermittler auf die Spur?

Der in Köln lebende Sief Allah H. soll wochenlang biologische Waffen hergestellt haben. In seiner Hochhauswohnung im Stadtteil Chorweiler soll der 29-Jährige das akut giftige Rizin produziert haben - mit Pflanzensamen und einer Kaffeemühle. Das Mittel kann schon in kleinen Mengen tödlich wirken. Das Material zur Herstellung des hochgefährlichen Gifts hatte sich der nun Festgenommene in üppigen Mengen online bestellt - und ist dadurch aufgeflogen.

Am Dienstagabend gegen 20 Uhr stürmten Spezialeinsatzkräfte der Polizei die Wohnung in der ersten Etage des 18-stöckigen Hauses und nahmen den Mann fest. Seine Ehefrau wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen, befindet sich aber inzwischen auf freiem Fuß. Gegen sie wird nicht ermittelt.

Konkrete Anschlagspläne hatte der Mann offenbar nicht

Die Karlsruher Bundesanwaltschaft verdächtigt den Mann nun, "vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben". Was der 29-Jährige mit dem Bio-Gift möglicherweise anrichten wollte, werden die Ermittlungen offenlegen. Vieles ist noch ungewiss. Eines ist aber sicher - er hätte mit dem Rizin viele Menschen töten können. Einen konkreten Anschlagsplan hatte der Giftmischer offenbar nicht, auch keinen Zeitpunkt oder speziellen Ort im Visier. Ob er einen islamistisch motivierten Anschlag begehen wollte, bleibt am Donnerstag, zwei Tage nach dem Giftfund, ebenfalls offen. Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gebe es bislang nicht.

Polizei findet

Der 29-Jährige hatte den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt, weil er im Internet auffällige Waren eingekauft hatte. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1.000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft.

Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her", teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden."

Samen für die Herstellung des Gifts frei im Internet bestellbar

Der Düsseldorfer Toxikologe Gerhard Fritz nannte es höchst bedenklich, dass man den Samen frei im Internet bestellen könne. Bei einem derart giftigen Stoff, der schon in geringen Mengen tödlich wirke, sei das "sehr beunruhigend". Bereits die Dosis aus einem einzigen Samen könne ein Kind töten, erläuterte der Leiter des Instituts für Toxikologie an der Uni Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur.

Zu Spekulationen, ob der 29-Jährige eine Bombe bauen wollte, meint Toxikologe Thomas Hofmann von der Universitätsmedizin Mainz: "Ich halte es eher für utopisch, dass der Verdächtige aus dem Pulver eine Bombe herstellen wollte, denn das ist technisch sehr anspruchsvoll. Allerdings ist es nicht auszuschließen, wobei anscheinend kein Sprengstoff gefunden wurde."

Das angesehene Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt.

Verdächtige soll 2016 aus Tunesien nach Deutschland gekommen sein

Noch viele Fragen bleiben zunächst unbeantwortet - auch zur Person. Nach Medienberichten ist der Verdächtigte 2016 aus Tunesien nach Deutschland gekommen, war bisher unauffällig, lebte mit einer zum Islam konvertierten Deutschen in Köln. Karlsruhe äußert sich nicht näher zu Sief Allah H., gegen den Haftbefehl erlassen wurde. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagt, er habe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann Komplizen hatte.

Die Ehefrau des Tunesiers wohnt vorübergehend an einem unbekannten Ort, wie eine Stadt-Sprecherin sagt. Denn rund um das Hochhaus in der Osloerstraße in Köln-Chorweiler macht sich große Unruhe breit, seit das Treiben ihres Mannes aufgeflogen ist. Dieter Simon (53) ist schockiert: "Wenn das hier ins Wasser geschüttet worden wäre, wären Hunderte Menschen gestorben." Den Verdächtigen habe er nicht gekannt. Dass der an Biowaffen gearbeitet habe, habe man natürlich nicht ahnen können.

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(rt deutsch/dpa)

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