Abkassieren mit der Flüchtlingskrise: Unternehmensberater bekamen rund 55 Millionen Euro vom BAMF

Abkassieren mit der Flüchtlingskrise: Unternehmensberater bekamen rund 55 Millionen Euro vom BAMF
Durch den stark angewachsenen Zustrom von Flüchtlingen in den Jahren 2015/2016 war die Flüchtlingsbehörde - wie jetzt klar wird - überfordert. Um das BAMF effektiver zu machen, griff man damals zu externen Beratern. Ihre Arbeit ließen sie sich üppig entlohnen.

Im Zuge der Affäre um manipulierte Asylbescheide in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) treten immer mehr Details über die chaotischen Zustände in der Bundesbehörde währende der Jahre 2015 und 2016 zutage. Die Verantwortlichen schieben einander den Schwarzen Peter zu. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gerät in diesem Skandal zunehmend unter Druck. Aber zumindest eine Seite profitierte von diesem Chaos - die Unternehmensberater.

BAMF-Leiterin Jutta Cordt, Staatssekretär Stephan Mayer und der Innenminister Horst Seehofer (v.l.) bei einer Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestages am 29. Mai 2018 in Berlin. Zahlreiche Fragen zu der Asylaffäre in Bremen standen auf der Tagesordnung.

54,8 Millionen Euro an Beraterfirmen bis 2020

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, hat der Bund in den vergangenen Jahren Beraterverträge für das BAMF in Höhe von knapp 55 Millionen Euro vergeben. Zwischen 2015 und 2018 wurden an externe Anbieter Aufträge in Höhe von 54,8 Millionen Euro erteilt, heißt es demnach im Papier. Das größte Stück vom Kuchen bekam das Beratungsunternehmen McKinsey - satte 45,4 Millionen Euro. Die Verträge sollen bis Ende 2020 laufen.

Nun fragt man sich, wofür sie das Geld eigentlich kassiert haben, wenn täglich haarsträubende Details über die Lage in der Flüchtlingsbehörde ans Licht kommen. Einem Bericht der Bild zufolge waren allein 370 Mitarbeiter der Firma McKinsey an mehr als 30 Projekten beteiligt. 20 Mitarbeiter externer Beraterunternehmen sollen demnach weiterhin für BAMF tätig sein, 15 davon von McKinsey. Bezahlt wurden sie beispielsweise für "Neuorganisation der Asylverfahren" (11,6 Millionen Euro an McKinsey), "strategische Beratung der Leitung" (5,1 Millionen Euro ebenfalls an McKinsey) oder für die "Entwicklung eines Kompetenzsystems für Führungskräfte" (493.612 Euro an Beraterfirma Kienbaum).

Aus der Überlastung einer Behörde Profit schlagen

Ein McKinsey-Sprecher rechtfertigte die Beratung gegenüber der Bild: "Wesentliche Qualitätskennzahlen wie die Fehlerquote haben sich verbessert." Weitere Verbesserungen seien aber "zwingend".

Die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke kritisierte es dagegen als "geschmacklos, wie auf marktwirtschaftliche Effizienz getrimmte Beraterfirmen aus der Not einer überlasteten Asylbehörde ein für sie lohnendes Geschäft in Millionenhöhe gemacht haben".

Ein Großteil dieser Aufträge (im Wert von 33,7 Millionen Euro) sei laut Bericht nie öffentlich ausgeschrieben worden.

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