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Nackte Tatsachen: Warum der BILD-Zeitung seriöser Journalismus am Arsch vorbeigeht

Nackte Tatsachen: Warum der BILD-Zeitung seriöser Journalismus am Arsch vorbeigeht
"Die Lüge ist Alltag geworden" schrieb der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlags kürzlich in einem Gastbeitrag für das Programm-Magazin des Deutschlandradios. Er meinte damit natürlich "den russischen Staat". Dabei hätte er im eigenen Haus genug zu tun.

von Timo Kirez

Die BILD-Zeitung steht mal wieder mit heruntergelassenen Hosen da. Der BILD-Mallorca-Reporter Ingo Wohlfeil und das Bild.de-Team fielen auf einen Fake herein und veröffentlichten am vergangenen Donnerstag einen Beitrag über eine vermeintliche Mallorca-Urlauberin mit hochgerutschten Rock, die morgens in einem Lokal einen Burger bestellt. Überschrift: "So bestellt man Burger auf Mallorca".

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Das abgedruckte Foto und der Text zum Artikel lassen die Herzen von Liebhabern des gepflegten Altherrenwitzes höher schlagen:

Die Frau hat für ihre Bestellung den etwas luftigeren Look gewählt, ordert ganz ohne Scham mit blanker Kehrseite. Der ohnehin schon knappe Rock ist ihr wohl aus Versehen über den Allerwertesten gerutscht. Ein McDonald’s-Gast zu BILD: "Sie kam aus England, konnte sich nur noch mit Ach und Krach verständigen. Kein Wunder bei gefühlten 2,5 Promille … Trotzdem: Bei diesem Bild essen gleich beide Augen mit."

Doch die Geschichte entpuppte sich schnell als Fake. Nur wenige Tage später sah sich die Redaktion genötigt, eine Beichte abzulegen:

Am Dienstag berichtete BILD, dass eine betrunkene Britin in einen Burger-Laden auf Mallorca marschierte und dort mit hoch gerutschtem Rock ihr Essen bestellte. Das ist leider nicht korrekt. Das Foto ist vermutlich 2015 in Australien entstanden. Es wurde der Redaktion als angeblich aktuelle Aufnahme zugespielt, BILD ist auf die vorgetäuschte Entstehungs-Geschichte hereingefallen. Dafür bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Entschuldigung. Dieser Fehler hätte uns nicht passieren dürfen. Die Redaktion."

Der Link zum ursprünglichen Artikel existiert mittlerweile nicht mehr. Nun kann man natürlich sagen, dass ein solcher Fauxpas jedem mal passiert und damit Schwamm drüber. Wäre da nicht ein Gastbeitrag vom Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags, Mathias Döpfner, der kurz vor der "Mallorca-Affäre" publik wurde. Mit viel Pathos beklagt Döpfner da den Niedergang des deutschen Journalismus.

"Zwischen dem schlimmsten Fall der staatlich beauftragten Lüge und dem Ideal von seriösem Journalismus gibt es eine Bandbreite an jüngeren Phänomenen. Da sind die Firmen, die Werbung in eigener Sache wie unabhängigen Journalismus erscheinen lassen. Da sind die Instagram-Models, die für ein paar Hundert oder Tausend Euro illegale Schleichwerbung zum Geschäftsmodell erheben. Und natürlich sind da auch die Transporteure dieses Mehltaus, die kalifornischen Plattformen. Ihr Umgang mit aufrechtem Journalismus und Fake News ist vom Glauben gekennzeichnet, das komplexe, gesellschaftliche Problem lösen zu können wie die steigende Nachfrage vieler Menschen nach einer neuen App: Ein paar Programmierer werden es schon beheben können", schreibt Döpfner.

Kritikresistent: Bild-Chefredakteur Julian Reichelt

Und natürlich darf das obligatorische Russland-Bashing in diesem Zusammenhang nicht fehlen:

Der russische Staat wird regelmäßig als Urheber einiger der größten Lügen enttarnt", so Döpfner in seinem Beitrag ohne auch nur ein konkretes Beispiel zu nennen.

Dumm gelaufen, kann man da nur sagen. Wer sich in puncto seriösem Journalismus soweit aus dem Fenster lehnt, und sich dann dermaßen "verarschen" lässt, muss sich über Spott nicht wundern. Um zu verstehen, wie wichtig der Axel Springer Verlag seriösen Journalismus nimmt, genügt schon ein Blick in die Liste "Übersicht der Rügen" des Deutschen Presserats. Einfach auf das jeweilige Jahr klicken, und nachzählen, wie oft die BILD auftaucht.

Die unsägliche Geschichte um das vermeintliche Mädchen aus Mallorca hat noch einen weiteren, faden Beigeschmack. Im März dieses Jahres verkündete die BILD-Zeitung stolz, dass sie einen Schlussstrich unter das nackte "Bild-Girl" ziehe. "Wir werden keine eigenen Oben-ohne-Produktionen von Frauen mehr zeigen", so die BILD.

"Unser Gefühl in den letzten Monaten war zunehmend, dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen", hieß es weiter zur Begründung. Doch der aufmerksame Leser, beziehungsweise, die aufmerksam Leserin hätte schnell erkennen können, wie ernst der vermeintliche Sinneswandel bei der BILD wirklich gemeint war - schließlich wurde er mit folgender Überschrift angekündigt:

Männer, ihr müsst jetzt ganz stark sein!"

Interessant wäre sicher auch die Frage, mit welchem Recht die BILD eigentlich das Foto der halbnackten Jugendlichen "aus Mallorca" abdruckt. Ein öffentliches Interesse liegt sicher nicht vor. Das würde unter Umständen noch gelten, wenn es sich bei der jungen Frau um eine sogenannte "Prominente" handeln würde. Das ist hier aber nicht der Fall. Zudem ist auch unbekannt, ob die abgebildete Person noch minderjährig ist. 

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Dass die BILD keine Probleme mit der Sexualisierung von Minderjährigen hat, bewies sie schon mit einem Beitrag über die damals 16-jährige Tochter von Boris Becker, Anna Ermakova: "Boris’ Kleine auf der Überholspur. Bum-Bum-Baby, wie groß du geworden bist!"

Auch in der aktuellen "MeToo"-Debatte mischt die BILD fleißig mit. Natürlich immer auf der Seite der "starken Frauen". Vielleicht sollte man sich bei Springer einfach mal entscheiden: Sexismus oder eben kein Sexismus.

Denn ein bisschen Sexismus ist ungefähr so erträglich, wie ein bisschen Rassismus. 

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