US-Botschafter in Berlin steht zu umstrittenem Tweet: "Diplomat sein, bedeutet Klartext reden"

US-Botschafter in Berlin steht zu umstrittenem Tweet: "Diplomat sein, bedeutet Klartext reden"
Der neue US-Botschafter Richard Grenell hat mit seinem Rat zum sofortigen Rückzug deutscher Unternehmen aus dem Iran für Ärger gesorgt. Nur wenige Stunden zuvor war er, wie hier im Bild zu sehen, vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier akkreditiert worden.
Am Dienstag riet der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, deutschen Unternehmen, ihr Engagement zurückzufahren. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz mahnte ihn daraufhin zu anderem Umgang mit dem Gastland. Grenell verteidigt sein Vorgehen.

Es war wahrlich ein aufsehenerregender Start ins Amt des US-Botschafters in Deutschland: Der neue Gesandte der Vereinigten Staaten in Berlin, Richard Grenell, gab nur wenige Stunden nach seiner Ankunft seinem Gastland über Twitter einen Ratschlag, der gar nicht gut ankam. Trotz Kritik verteidigt er aber seine Aussage. 

So forderte der 51-Jährige, kurz nachdem US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die Wiedereinsetzung von Sanktionen gegen das Land angekündigt hatte, deutsche Unternehmen dazu auf, ihre Geschäfte mit Teheran "sofort runterzufahren". Kritische Reaktionen kamen unter anderem von der SPD-Chefin Andrea Nahles, der Linkspartei sowie dem Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.

Richard Grenell (l.), der neue Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland, wurde von Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue am 8. Mai akkreditiert. Mit diesem Akt gibt es nach 15 Monaten Pause wieder einen US-Gesandten in Berlin.

Linke entdeckt ihr Herz für deutsche Unternehmen - Nahles ihres für die Diplomatie

Die SPD-Politikerin sagte dazu, es sei zwar nicht ihre Aufgabe, Diplomatie zu lehren. "Aber ein bisschen Nachhilfe scheint er [Grenell] zu gebrauchen." Die Linke forderte sogar die Einbestellung Grenells ins Auswärtige Amt. "Die Bundesregierung muss entschlossen auf die Drohungen des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, gegenüber deutschen Unternehmen, die im Iran aktiv sind, reagieren", sagte der Fraktions-Vize der Linken im Bundestag, Fabio de Masi. "Der Brandstifter im Weißen Haus beugt mit seinen Sanktionen gegen Unternehmen internationales Recht. Der Botschafter ist umgehend einzubestellen, um ihm die internationale Rechtsordnung zu erklären."

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, riet dem neuen Hausherr in der US-Vertretung am Pariser Platz in Berlin, die Politik seines Landes zu erklären, aber niemals dem Gastland zu sagen, was es zu tun habe, wenn man Ärger vermeiden wolle. "Die Deutschen hören bereitwillig zu, wehren sich aber gegen Instruktionen", betonte Ischinger mit Hinweis auf seine lange Karriere als Diplomat. Von 2001 bis 2006 war der heute 72-Jährige deutscher Botschafter in Washington.

Außenminister Heiko Maas (SPD) wollte die Äußerung Grenells nicht kommentieren, auch Regierungssprecher Steffen Seibert hielt sich dazu bislang bedeckt.

Grenell: "Harte verhandelnde Diplomaten können Kriege besser verhüten"

Mittlerweile hat sich der US-Botschafter erneut zu Wort gemeldet und seine viel kritisierte Tweeter-Nachricht und die deutlich darin vorgetragene Empfehlung an die im Iran tätigen deutschen Firmen verteidigt. Er habe "einen anderen Stil", sagte Grenell den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Da will ich ganz ehrlich sein." Weiter sagte er:

Die Diplomatie, die im Gruppendenken verhaftet ist, hat großen Schaden angerichtet: Nordkorea ist auf dem Weg zur Atommacht - und in Syrien findet seit Jahren ein Völkermord statt. Ich bin gegen Gruppendenken in der Diplomatie.

Der 51-Jährige fügte in den Funke-Zeitungen hinzu: "Wenn man Krieg vermeiden will, verfügt man besser über Diplomaten, die bereit sind, hart zu sein." Diplomat zu sein, bedeute für ihn, Klartext zu sprechen - gerade gegenüber Freunden. Auf die Frage, was mit deutschen Firmen geschehen solle, die weiter Geschäfte mit dem Iran machen, sagte Grenell: "Diese Frage muss die deutsche Regierung beantworten, nicht wir."

In einem Interview mit der Bild-Zeitung sagte Grenell, dass sein Tweet "kein Befehl, keine Anweisung" gewesen sei. "Noch einmal: Wir sind Freunde." Jedes Land sei souverän und könne für sich selbst über Sanktionen entscheiden. 

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