Zu wenige Flugstunden: Bundeswehr-Piloten verlieren ihre Lizenzen

Zu wenige Flugstunden: Bundeswehr-Piloten verlieren ihre Lizenzen
Hubschrauberpiloten der Bundeswehr verlieren mangels Flugstunden immer öfter ihre Lizenzen. Allein 2017 traf dies 19 von 129 Piloten. Zudem sei unter den wichtigsten Hubschraubertypen weiterhin nicht mal ein Drittel der verfügbaren Maschinen einsatzbereit.

Wie aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage der Grünen hervorgeht, verlieren Hubschrauberpiloten der Bundeswehr wegen fehlender Flugstunden immer wieder ihre Lizenzen. Im Jahr 2017 büßten demnach 19 von 129 Hubschrauberführern ihre Flugberechtigung ein, weil sie ihr vorgeschriebenes Soll an Realflugstunden nicht erfüllen konnten. Das bedeutet, dass mehr als jeder zehnte Pilot von dieser Sanktion betroffen ist. 2016 waren es demnach 12 von 135 Piloten. Die Lizenzen seien nach Schulungen erneut erteilt worden, versichert Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) in dem Papier.

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Heron-TP-Drohne, Militärflugplatz Tel Nof nahe Tel Aviv, Israel, 21. Februar 2010.

Wegen der Einsatzbelastung wird vorgesehene Regenerationsphase nicht eingehalten

"Bei den wichtigsten Hubschraubertypen ist weiterhin nicht mal ein Drittel der verfügbaren Maschinen einsatzbereit", sagte Grünen-Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger der Deutschen Presse-Agentur. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekomme die "desolate Situation bei den Hubschraubern kein bisschen in den Griff". Leidtragende seien die Menschen in der Bundeswehr:

Die Situation ist so nicht weiter tragbar, statt der Ausflüchte und Ankündigungen der Ministerin sind echte Lösungen mehr als überfällig.

Brugger erkundigte sich auch nach der Belastung der Hubschrauberpiloten im Einsatz. Als planerische Grundlage sieht die Bundeswehr nach vier Monaten Einsatz eine Regenerationsphase von 20 Monaten vor dem nächsten Einsatz vor. Dieser Rhythmus muss wegen der Einsatzbelastung immer wieder durchbrochen werden - dem Papier zufolge sowohl bei Piloten der NH90-Transporthubschrauber in Mali als auch bei Piloten der CH53-Transporthubschrauber in Afghanistan. "Eine Entspannung ist unter Berücksichtigung der Auftrags-, Sicherheits- und Bedrohungslage in Afghanistan nicht zu erwarten", heißt es dort.

ADAC bleibt bis auf weiteres gefragter Partner für Flugstunden

Erst Ende Dezember des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Bundeswehr Flugstunden beim führenden deutschen Automobilclub einkaufen muss, damit die Piloten dort künftig in zivilen ADAC-Hubschraubern üben können.

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Für 21 Millionen Euro sollen für die Truppe 6.500 Flugstunden erworben worden sein.

(dpa/rt deutsch)